„Die Karawane zieht weiter“

Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch war tragischer Höhepunkt: Nach zahlreichen Unfällen in asiatischen Produktionsstätten steigt der Druck auf die Bekleidungsindustrie. Auch die Einkaufsagentur Omnibrand ist vor Ort. CEO Patrick Andrist spricht über die Fabriken, die Arbeitsbedingungen, Sublieferanten und seinen Erfolg.

Viele Fabriken haben jedoch nicht die Kapazitäten, die sie vorgeben.

Ja, das ist immer noch ein großes Problem, über das nicht so gerne gesprochen wird. Fabriken lehnen nur ungerne Aufträge ab und nehmen an, obwohl sie wissen, dass sie die Kapazitäten dafür gar nicht haben. In einer externen Fabrik werden dann Teile genäht oder verpackt. Die Transparenz geht dabei verloren.

In der Textilindustrie zuhause: Peter Andrist begann seine Karriere bei Lloyd-Textil, bevor er 2005 seine eigene Agentur gründete.
In der Textilindustrie zuhause: Peter Andrist begann seine Karriere bei Lloyd-Textil.  2005  gründete er Omnibrand.

Wie reagieren Sie darauf?

Da wir dieses Thema sehr ernst nehmen, wird von uns im Normalfall die Auslagerung von Produktionen nicht akzeptiert. Sollte es doch mal vorkommen, erwarten wir vollständige Transparenz seitens der Lieferanten, um zu wissen, in welche Fabriken sie Teilproduktionen umzulegen planen, und diese vorab überprüfen zu können. Die Gefahr besteht darin, dass man nicht immer über alles informiert wird.

Wieviel Prozent der Ware wird denn von diesen Subfabriken tatsächlich produziert?

Dies unterscheidet sich von Fall zu Fall. Es gibt Fabriken, die nichts auslagern, bei anderen wird die Hälfte der bestellten Ware an Subfabrikationen weitergeben. Glücklicherweise ist die Sensibilität für die Arbeitsbedingungen seit dem Unfall in der Textilfabrik von Rana Plaza in Bangladesch, bei dem mehr als 1.000 Menschen ums Leben gekommen sind, deutlich gestiegen.

Irgendwo hört Ihr Einfluss sicherlich auch auf. Sie können doch nicht jedes Subunternehmen bis ins Mark kontrollieren.

Tatsächlich gibt es keine hundertprozentige Kontrolle. Doch wir bemühen uns und hinterfragen ständig, was wir verbessern können. Was hilft ist, vor Ort und vor allem ein guter Partner zu sein. Halten die Fabriken die vorgegebenen Standards nicht ein, sind sie sich sehr wohl bewusst, uns als wichtigen und fairen Auftraggeber zu verlieren. Unsere Kunden sind keine Supermärkte, der Preis hat für sie nicht die höchste Priorität.