„Die fachliche und menschliche Qualität des Nachfolgers ist oberstes Gebot“

Worauf ist zu achten, wenn eine „familienfremde“ Führungskraft an die Unternehmensspitze kommt?
Wer ein Familienunternehmen mit Hilfe von Fremdgeschäftsführern über eine oder mehrere Generationen hinweg erhalten will, braucht schon ein sehr ausgefeiltes gesellschaftsrechtliches Konzept. Einerseits dürfen sich die externen Manager nicht zu viel herausnehmen. Andererseits darf die Familie – bei aller notwendigen Kontrolle – nicht laufend in das Tagesgeschäft eingreifen. Die notwendige Brückenfunktion zwischen den Gesellschaftern und den Führungskräften im Unternehmen kann am besten ein Familienbeirat ausüben.

Worauf kommt es bei Beiräten in Familienunternehmen besonders an?
Der Beirat ist heute ein wichtiger Teil im Familienunternehmen – aber leider arbeitet nach meiner persönlichen Einschätzung die große Mehrzahl dieser Gremien nicht effizient genug. Meist liegt es an der falschen Besetzung. Während Vertriebs- und Finanzexperten leicht zu finden sind, herrscht oft Mangel an kompetenten Experten aus dem technischen Bereich. Insbesondere der Beiratsvorsitzende muss sorgfältig ausgewählt sein. Er sollte ausgeprägte Führungsqualitäten besitzen und in der Lage sein, Streitigkeiten zu schlichten. Ideal sind Unternehmerpersönlichkeiten im Beirat, lediglich die eigenen Steuerberater, Rechtsanwälte und Banker zu nehmen, halte ich für falsch, weil hier Interessenkonflikte entstehen können. Beiräte müssen keine Spezialisten im Detail sein. Deren Sinn und Zweck ist vielmehr, strategische Weichen zu stellen, die Geschäftsführung zu kontrollieren und eine tragende Brücke zwischen Unternehmen und Familie herzustellen.

Wie kann ein Unternehmer herausfinden, welcher Weg für sein Lebenswerk der richtige ist?
Es gibt keine allgemeingültige Lösung, sondern lediglich eine richtige oder falsche für einen konkreten Fall. Ein Unternehmer muss die Weichen dafür stellen, dass sein Lebenswerk auch nach seinem Rückzug oder Ableben fortbestehen kann, und dafür verschiedene Alternativen haben. Idealerweise übernimmt ein Familienmitglied die Führung, und die Übrigen werden am Unternehmen beteiligt, erhalten begrenzte Ausschüttungen, werden nach festgelegten Richtlinien umfassend informiert und können eine gewisse, klar definierte Kontrolle ausüben. Ein hervorragendes Nachfolgemodell stellt die Familienstiftung dar, deren Bedeutung immer stärker zunimmt. Sie stellt den langfristigen Erhalt des Unternehmens und die finanzielle Versorgung der Familie sicher. Das Unternehmen kann nicht verkauft werden, wenn die Stiftungssatzung dies verbietet, die Gesellschafter erhalten Gewinnausschüttungen und können ggf. in einem bei der Stiftung gebildeten Familienbeirat mitwirken. Berater mit langjähriger Stiftungserfahrung sind für den Erfolg einer Stiftung allerdings unerlässlich.

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