Der Unternehmer als Diener:
Der Unternehmer als Diener: "Irgendwas zwischen nett und devot."

Emotionale Intelligenz gehört seit ein paar Jahren zum Kanon guter Unternehmenskultur. Doch ist sie nicht gleichzusetzen mit ständiger Wohlfühlatmosphäre. Im Interview erklärt der Coach Markus Hornung, wie die Balance zwischen Empathie und Härte gelingen kann.

Unternehmeredition: Herr Hornung, wann waren Sie das letzte Mal unsensibel gegenüber Ihren Mitmenschen?


Markus Hornung (lacht): Das ist noch gar nicht so lange her. Ich war vor Kurzem auf einer Fortbildung. Manche Hypothesen des Referenten sind mir so gegen den Strich gegangen, dass ich eine sehr spontan formulierte Gegenposition eingenommen habe. Diese ist von den anderen Teilnehmern todsicher als unsensibel empfunden worden.

Warum ist Emotionale Intelligenz, also die Kombination aus Empathie und Motivation gegenüber Mitarbeitern und Kunden, gut fürs Geschäft?

Emotionen haben viele ökonomische Eigenschaften und bringen damit Effizienzvorteile. Sie sind die entscheidenden Kommunikationssignale. Wenn man sie richtig deutet und benennt, verkürzt man Prozesse und intensiviert die Bindung zum Gesprächspartner. Ein intelligenter Umgang mit Emotionen bedeutet im Business mehr Umsatz, und das in kürzerer Zeit und mit weniger Aufwand.

Haben Sie schon mal ein Unternehmen beraten, in dem die Mitarbeiter zu nett zueinander waren und darunter der Umsatz gelitten hat?

Im Prinzip gilt das für alle Unternehmen, bei denen das Motto Der Kunde ist König gilt. Mit dieser Haltung ist man irgendwas zwischen nett und devot und verliert einen Teil seines Profits. Ein Unternehmen führt ja keine Befehle aus, sondern steht im Dialog mit dem Kunden und bietet ein entsprechendes Produkt an. Für mich ist der Kunde deshalb kein König, sondern ein Geschäftspartner, dem ich auf Augenhöhe begegnen muss.

Welche Emotion kommt Ihrer Erfahrung nach im Arbeitsalltag am häufigsten vor, welche wird am meisten vernachlässigt?

Am häufigsten wird Ärger artikuliert, daran haben wir uns gewöhnt. Enttäuschung und Trauer werden dagegen oft unterdrückt. Bisher gibt es in vielen Unternehmen keine Kultur, um mit Verlusten umzugehen, zum Beispiel bei Umstrukturierungen. Stattdessen kommen oft emotionale Killerphrasen wie „Jetzt stell dich nicht so an“.

Wie sieht denn ein richtiger Umgang mit Enttäuschung und Trauer aus?

Es ist immer hilfreich, die Emotion zu benennen und sie damit anzuerkennen. Je früher das gelingt, desto besser. Nach der erwähnten Umstrukturierung wäre der Satz „Ich verstehe, dass du niedergeschlagen bist, weil du nicht mehr mit Kollege XY zusammenarbeiten kannst“ eine gute Ansprache.

Sie arbeiten seit fast 20 Jahren gegen eingefahrene Hierarchien und für ein offenes Miteinander. Können sich Unternehmen von Organisationsstrukturen lösen?

Da wird in den kommenden Jahren sicherlich noch einiges passieren. Andererseits bin ich der Meinung, dass eine grobe Hierarchie bestehen bleiben sollte. Nicht jeder Beschäftigte ist ein kreativer Entrepreneur und Einzelkämpfer. Viele brauchen einen Rahmen und das Gefühl von Sicherheit, um ihre optimale Leistung abzurufen. Dosierte Führung liefert dies.

Modelle wie fluide Organisationen, in denen es keine festen Funktionen mehr gibt, bewerben Sie also nicht?

Wir haben in Unternehmen schon ein paar Experimente mit hierarchielosen Teams durchgeführt und die sind fast alle früher oder später gescheitert. Ich bin da deshalb nicht ganz so optimistisch.


Kurzprofil Markus Hornung

Geboren: 13. Oktober 1966

Beruf: Experte für Werte und Emotionen im Business (Emotionale Intelligenz)

Hobbys: Golfen, Lesen, Reisen

www.eqdynamics.de