Tabletten für die ganze Welt

„Die Lohnherstellung ist eines der wichtigsten Gewerbe der Welt“

Interview mit Dr. Andreas Greither, Ex-Mitgesellschafter, Aenova Holding GmbH

Dr. Andreas Greither, Ex-Mitgesellschafter, Aenova Holding GmbH. Bild: Aenova Holding GmbH

Unternehmeredition: Wird Aeonova die Internationalisierung fortsetzen können?

Greither:
Ich bin generell sehr optimistisch für die Lohnherstellung, gerade auch im Ausland, so in Märkten wie Japan, China oder Australien. Wir bieten Vorteile, weil bei uns aus der Tätigkeit für viele Unternehmen Informationen auf hohem Niveau zusammenfließen. Gerade auch im Ausland benötigt man jeweils sehr spezielle Kenntnisse: Zulassung, Dokumentationen, Laboranalyse, Stand der Technik, Qualitätssicherung, Audits. Ich bin überzeugt, dass die Lohnherstellung in vielen Branchen eine starke Zukunft hat. Sie ist eines der wichtigsten Gewerbe der Welt.

Unternehmeredition: Warum haben Sie Ihr Unternehmen an einen Finanzinvestor verkauft?

Greither: Für die Börse waren wir nicht groß genug – obwohl es für mich ein Mordsspaß gewesen wäre, das Unternehmen als Aktiengesellschaft zu führen. Strategische Investoren tun sich in dieser Größenordnung schwer. Die Eigentümer sind meist so individuell und emotional und die Unternehmen so unterschiedlich, dass die Integration auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen kann. Regionale Banken sind mit Größenordnungen um die 100 Mio. EUR Umsatz überfordert, große Banken sind sehr zurückhaltend und nehmen sich lange Zeit – die der betreffende Unternehmer nicht unbedingt hat. Bei Bridgepoint dagegen war es ein sehr schlanker Prozess: Innerhalb von drei Monaten war der Verkauf abgeschlossen.

Unternehmeredition: Warum haben Sie überhaupt verkauft?

Greither: Es ging um die Zukunftssicherung des Unternehmens. Heute beschäftigen wir Mitarbeiter, die hätte ich mir gar nicht leisten können. Die wären früher auch nicht zu uns gekommen. Die Beteiligung von Bridgepoint hat ein anderes Renommee ermöglicht. Ich habe das Unternehmen mit 60 Jahren verkauft – zum perfekten Zeitpunkt: drei Monate vor der Finanzmarktkrise. Ich hatte das Glück, dass mein Bruder in der gleichen Situation war. Wir hatten beide ein Nachfolgeproblem. Dass die Familienunternehmen so vereint wurden, hatte Charme. Auch der Weiterverkauf an BC Partners wurde wieder äußerst sorgfältig vorangetrieben.

Unternehmeredition: Was würden Sie verkaufswilligen Unternehmern empfehlen?

Greither: Alles Persönliche – Kunstwerke, Hobbies, Vereinsmitgliedschaften – strikt vom Unternehmen trennen, früh Experten einschalten, sich über die Gesellschafterstruktur Gedanken machen. Am schwierigsten ist es, mit der neuen Freiheit umzugehen. Ich habe alles Mögliche aufgebaut: Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, ein nettes Hotel am Tegernsee, den „Westerhof“, und das Gym-Leistungszentrum für Kunstturnerinnen in Tittmoning.

Das Interview führte Lorenz Goslich.
redaktion@unternehmeredition.de

Autorenprofil
1
2
Vorheriger Artikel„Die Anleihe ist ein komplementärer Finanzierungsbaustein“
Nächster ArtikelGo East?