Mitarbeiteraktien als Anreiz

Kurzfristige Gewinnmaximierung versus nachhaltige Steigerung des Unternehmenswerts – in diesem Konflikt befanden sich schon häufig Unternehmen, wenn es um Bonussysteme für Führungskräfte ging. Das mittelständische Medizintechnik-Unternehmen pfm medical führte Ende 2008 eine an mittel- bis langfristigen Zielen orientierte „Belohnung“ ein – und ist damit bis heute zufrieden.

Nicht börsennotiert

Anders als viele andere Unternehmen mit Aktienbonus-Programmen ist der Kölner Mittelständler aber nicht börsennotiert. Gemeinsam mit der Kölner Kanzlei LLR Legerlotz Laschet Rechtsanwälte entwarf man ein Berechnungssystem, das die angestrebten Umsatz- und Ergebnisziele ebenso wie die Bewertung der Aktien enthielt. „Der Bonus richtet sich danach, wie weit die vereinbarten Umsatzziele und der sogenannte Economic Value Added (EVA), der auf weiteren Geschäftszahlen wie insbesondere der Ertragsentwicklung basiert, erreicht werden“, sagt der bei der Implementierung federführende LLR-Partner Michael Schwartzkopff. „Die Berechnungsmethode wurde individuell auf pfm medical zugeschnitten; die Grundzüge des Modells sind aber auf andere Unternehmen übertragbar, bei denen dann jeweils individuell adjustiert werden muss“, ergänzt sein Kollege Axel Hoppe.

Der LTI-Bonus wird in sogenannte Tantieme-Aktien umgerechnet – dabei handelt es sich zunächst um virtuelle Aktien, die später von der Gesellschaft in echte getauscht werden können. Der Wert der virtuellen Aktien berechnet sich nach zwei Kriterien – einem EBITDA-Multiple und einem Umsatz-Multiple, die aus branchenüblichen Bewertungen vergleichbarer Unternehmen abgeleitet werden. „Das ersetzt praktisch den Börsenkurs, der bei einem wachsenden, prosperierenden Unternehmen dann steigt“, erklärt Blunck. „Aufgrund des langfristigen Ansatzes partizipieren wir nicht nur an kurzfristigen Gewinnsteigerungen, sondern an einer nachhaltigen Wertentwicklung unseres Unternehmens im Rahmen unserer festgelegten Strategie.“

Jährlich Tantieme-Aktien

Die Tantieme-Aktien werden im Erfolgsfall jährlich gutgeschrieben und unterliegen dann einer zweijährigen Wartefrist. Bisher nehmen an dem 2008 eingeführten LTI-Programm nur die drei Vorstandsmitglieder teil. Es ist aber jederzeit auf die Geschäftsführerebene ausdehnbar. „Wir schütten ohnehin einen Teil unseres Gewinns jährlich an alle ca. 380 Mitarbeiter in Deutschland aus“, sagt Blunck. Das LTI-Programm wird nach einigen Jahren immer wieder an neue Gegebenheiten und Entwicklungen in Unternehmen und Branche adjustiert. Dies war 2012 der Fall, und es findet auch in den nächsten Monaten wieder eine Überprüfung bzw. Anpassung statt.

Kurzprofil pfm medical ag

Gründungsjahr 1972
Branche Medizintechnik
Unternehmenssitz Köln
Umsatz 2013 88,5 Mio. Euro
Mitarbeiterzahl ca. 450

www.pfmmedical.com

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