Neuer Schwung durch Minderheitsbeteiligung

„Ein strategischer Investor wäre selbst bei einem höheren Preisangebot nicht infrage gekommen“
Interview mit Franz Ziener, geschäftsführender Gesellschafter, Franz Ziener GmbH & Co. KG

Unternehmeredition: Herr Ziener, wann und warum haben Sie das erste Mal über die Nachfolge nachgedacht?
Ziener: Das war erstmals so etwa mit 50 Jahren und danach immer ernsthafter. Einerseits war und ist offen, ob die Kinder die Nachfolge übernehmen wollen. Andererseits riefen immer öfter M&A-Berater bei mir an, mit denen ich dann auch Gespräche geführt habe. Bei meinen Überlegungen spielten nicht zuletzt die Besonderheiten unserer Branche eine Rolle. Wir müssen beispielsweise unsere stark saisonabhängigen Umsätze für rund 18 Monate vorfinanzieren. Da könnte es mit Blick auf die Kreditbereitstellung schnell einmal schwierig werden, wenn mir als Person etwas zustoßen würde oder die Banken grundsätzlich ihre Politik verändern. Meiner Familie will ich solche Kapitalprobleme nicht zumuten und habe deshalb auch von daher einen starken Partner gesucht.

Unternehmeredition: Welche Ziele wollten Sie beim Verkauf auf jeden Fall erfüllt sehen?
Ziener: Ich habe einerseits einen vernünftigen Gegenwert für meine persönliche Leistung angestrebt, andererseits wollte ich das Unternehmen in seiner jetzigen Form und die Arbeitsplätze erhalten. Denn Wachstum und Erfahrung sind ja auch das Ergebnis der Leistungen meiner Mitarbeiter. Ein strategischer Investor kam deshalb nicht infrage, selbst wenn er einen höheren Preis bezahlt hätte. Ein solcher Investor wäre an Synergieeffekten interessiert und würde möglicherweise ganze Abteilungen auflösen. Das könnte ich mir nicht verzeihen. Auch bei den Gesprächen mit Finanzinvestoren gab es klare Ziele. Dem Unternehmen sollten nicht übermäßige Kapitallasten aufgeschultert werden und die Fremdfinanzierung nicht höher als der Eigenkapitalanteil sein. Für die Hannover Finanz Gruppe war das kein Problem.

Unternehmeredition: Sie haben dennoch gut ein Jahr lang konkrete Gespräche geführt. Warum so lang?
Ziener: Wir hatten anfangs eigentlich über ein Mehrheitsmodell geredet. Beide Seiten haben dann aber gemerkt, dass eine Minderheitsbeteiligung die bessere Lösung ist. Mein persönlicher Wunsch ist es ja immer noch, dass eines der Kinder ins Unternehmen kommt. Die Hannover Finanz würde sich gegen eine solche Lösung nicht sperren. Sie würde andererseits aber ihre Beteiligung auch aufstocken, wenn die Familie weitere Anteile verkaufen will.

Unternehmeredition: Welchen Rat würden Sie anderen Unternehmern mit Blick auf die Nachfolge geben?
Ziener: Es ist auf jeden Fall ratsam, frühzeitig zu überlegen und Entscheidungen zu treffen, solange es dem Unternehmen gut geht und man sich noch leistungsfähig fühlt. Man sollte klare Vorstellungen zu den Zielen wie auch den Bedingungen des Verkaufs haben. Gute Berater sind wichtig und die menschliche Schiene muss – vor allem wenn man nur teilweise verkaufen will – stimmen. Die menschliche Komponente hilft nicht zuletzt, wenn sich die Richtung während eines Verhandlungsmarathons einmal ändert. Wenn es gar nicht passt, muss man aber auch abbrechen können.

Unternehmeredition: Herr Ziener, vielen Dank für das Gespräch.

Artikel und Interview: Norbert Hofmann
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Franz Ziener GmbH & Co. KG
Gründungsjahr: 1946
Branche: Sporthandschuhe und Sportbekleidung
Unternehmenssitz: Oberammergau
Mitarbeiter: 50
Umsatz 2011: 37 Mio. EUR
Internet: www.ziener.com