Management Buy-out

Das Münchner Unternehmen Zelger beliefert Groß- und Einzelhandelsketten in Deutschland und Europa mit Obst, Gemüse und Südfrüchten – darunter bekannte Namen wie Rewe Deutschland, Spar Österreich, die Edeka Fruchtkontore und Norma Deutschland. Auch die regionale Gastronomie und der Einzelhandel werden über einen Verkaufsstand in der Großmarkthalle versorgt. Seit Herbst 2008 befindet sich der Betrieb in der Phase der Unternehmensnachfolge.

Vom Verkaufsstand zum Import-Geschäft
Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1975 mit dem Erwerb eines Obst- und Gemüsestandes in der Münchner Großmarkthalle durch Siegfried Zelger, der zunächst Produkte lokaler Anbieter verkaufte. Ab Mitte der 80er Jahre entschied sich der Unternehmer für den Import von Spargel und Trauben aus Griechenland. Schnell folgten Zwetschgen und Wassermelonen aus Ungarn sowie weitere Geschäfte mit Produzenten in der Türkei. Heute importiert die Zelger GmbH Waren aus rund einem Dutzend Ländern, beschäftigt saisonabhängig zwischen zehn und zwölf Mitarbeiter und setzt im Jahr bis zu 20 Mio. EUR um.

Langer Übergabeprozess
Marcus Niebisch, ehemaliger Angestellter im Öffentlichen Dienst, wurde bereits 1999 mit der Aussicht auf die Gesellschafterposition ins Unternehmen geholt. Bis es allerdings konkret wurde, sollten fast zehn Jahre vergehen. Erst durch eine schwere Krankheit des Unternehmers wurde deutlich, dass die ungeklärte Nachfolgefrage die Firma nun akut bedrohte. So wurden im Herbst 2008 die Weichen dafür gestellt, Marcus Niebisch und den damaligen Verkaufsleiter Rudolf Hairer Schritt für Schritt an die Unternehmensleitung heranzuführen. Anfang 2010 haben Niebisch und Hairer die Zelger GmbH schließlich in Form eines Management Buy-outs übernommen. Siegfried Zelger bleibt bis auf weiteres als angestellter Geschäftsführer im Betrieb. Begleitet wurde der gesamte Prozess von einem durch die KfW geförderten Coaching, das von der Beratungsagentur Edelweiss & Berge durchgeführt wurde.

Herausforderungen der Übergabe
Größte Herausforderung war es zunächst, als Branchenfremder ein persönliches Vertrauensverhältnis zu den Entscheidungsträgern im internationalen Fruchthandel aufzubauen. „Den Fuß in die Tür zu bekommen, ist für Neueinsteiger fast unmöglich“, so Marcus Niebisch. Als schwieriger erwiesen sich die unterschiedlichen Herangehensweisen von Unternehmer und Nachfolger bei der Umsetzung strategischer Projekte. Niebisch rät in solchen Fällen dazu, selbstbewusst die eigenen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren: „Durchhaltevermögen ist eine wichtige Eigenschaft des Nachfolgers.“ In die Fußstapfen Siegfried Zelgers zu treten, war für ihn eine besondere Herausforderung: „Gereizt hat mich neben der Verantwortung für mich selbst und die Mitarbeiter vor allem der größere Entscheidungs- und Gestaltungsfreiraum als Unternehmer.“

Gelungene Finanzierung sichert Wachstum
Finanziert haben die beiden Nachfolger die Übernahme mithilfe ihrer Hausbank und einer Bürgschaft der Bayerischen Bürgschaftsbank. Diese sicherte rund 80% des Finanzbedarfs gegenüber der Hausbank ab, was den neuen Gesellschaftern neben dem Kaufpreis genug Spielraum für Betriebskosten und Neuinvestitionen ließ. Darunter fällt insbesondere die geplante Einrichtung einer E-Commerce-Plattform, in der das Unternehmen seinen Kunden ein spezielles Onlineangebot zur Verfügung stellen möchte. Für die Zukunft soll das Geschäft mit der Türkei erheblich ausgebaut und Kroatien als neuer Einkaufsmarkt erschlossen werden.

Lukas Neumayr
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Zelger GmbH
Gründungsjahr: 1975
Branche: Lebensmittelgroßhandel
Unternehmenssitz: München
Mitarbeiterzahl: Saisonabhängig zwischen 10 und 12
Umsatz 2010: ca. 16 Mio. EUR
Internet: www.zelger.com

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