Heimat-Erfolg öffnet internationale Märkte

Mit innovativer Medizintechnik hat sich die Firma Getemed in Deutschland eine solide Geschäftsbasis erarbeitet. Früh hatte das Unternehmen aus Teltow nahe Berlin aber auch die Expansion ins Ausland im Blick. Ein Eigentümerwechsel ermöglichte eine stärkere Fokussierung auf dieses Ziel.

Gründer legte die Basis

Getemed wurde 1984 von Dr. Herwig Freiherr von Nettelhorst gegründet. Der Ingenieur mit viel Erfahrung in der Medizintechnik hatte von Ärzten immer wieder gehört, wie wichtig es sei, dass auch schwerkranke Neugeborene möglichst früh zu Hause betreut werden. Also entwickelte er in seiner neuen Firma ein Überwachungsgerät für Risikoneugeborene, das Vitalparameter wie beispielsweise die Atmungstätigkeit kontinuierlich überwacht. 1987 erhielt Getemed für dieses erste Monitoring-Produkt den Innovationspreis Berlin-Brandenburg. Es bildete den Grundstein für die Produktsparte Überwachung von Risikopatienten im häuslichen Bereich. 2010 zog sich von Nettelhorst aus Altersgründen aus dem operativen Geschäfts zurück und überließ die Geschäftsführung seinen langjährigen, jüngeren Vorstandskollegen Scherf und Downes. Seit ein paar Jahren bauen sie die Geschäftssparte Telemonitoring auf. Hier steht der Schritt über die Grenzen aber noch bevor.


„Im deutschen Gesundheitssystem gibt es einen Innovationsstau“

Interview mit Michael Scherf, Vorstandsvorsitzender der Getemed

Unternehmeredition: Welche strategischen Ziele verfolgt Getemed?

Scherf
Michael Scherf


Scherf:
Wir verfolgen im Wesentlichen zwei große Strategien. Zum einen wollen wir unsere Kooperation mit GE Healthcare auf weitere Kardio-Produkte ausweiten. Zudem wollen wir in unserem Monitoring-Geschäft das Distributionsnetz erweitern und künftig auch Regionen außerhalb Europas erreichen. Darüber hinaus haben wir vor, mit innovativen Produkten neue Märkte zu erobern und etwa im Bereich der Telemedizin Produkte zu entwickeln, die die Systeme der Gesundheitsversorgung deutlich verbessern. Diese Produkte werden wir zuerst auf dem Heimatmarkt anbieten und dann international vermarkten.

Wo sehen Sie denn für den Bereich Telemonitoring Ihre Chancen?


Die Telemedizin ist ja seit einiger Zeit in aller Munde. Viele sehen in ihr die Zukunft der Gesundheitsversorgung. Patienten sollen künftig aufmerksamer gegenüber ihrer Gesundheit sein. Sie sollen selbst Daten aufnehmen und den Ärzten zur Verfügung stellen. Wir haben etwa 2013 den deutschen Innovationspreis für ein System bekommen, das im häuslichen Bereich bei schwer herzkranken Patienten eingesetzt wird.

Wie wichtig ist der Heimatmarkt bei der Vermarktung neuer Produkte?
Der deutsche Markt ist dabei sehr wichtig. Wenn wir in der Medizintechnik international auftreten wollen, dann brauchen wir hier Erfolge im Land. Das ist eine Grundvoraussetzung. Die Diskussionen um das Gesundheitssystem sind in den letzten Jahren ja positiv gewesen. Studien zufolge ist es ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, vor allem mit Blick in die Zukunft. In konkreten Zahlen zeigt sich das noch nicht. Nach wie vor gibt es im deutschen Gesundheitswesen einen Investitionsstau mit schweren Zugängen für innovative Produkte. Man muss jetzt aufpassen, dass die Internationalisierung nicht dazu führt, dass die heimischen Firmen ins Ausland gehen, weil dort die Märkte interessanter sind.


 Kurzprofil GETEMED Medizin- und Informationstechnik AG

Gründungsjahr 1984
Branche Medizintechnik
Unternehmenssitz Teltow in Brandenburg
Umsatz 2015
niedriger zweistelliger Millionenbetrag
Mitarbeiterzahl 68

www.getemed.net

 

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