Die Wurzeln der heutigen Adler Modemärkte AG reichen bis in das Jahr 1948 zurück. Damals gründete Wolfgang Adler das Unternehmen im sächsischen Annaberg. 1970 wurde der erste Modemarkt am neuen Unternehmenssitz in Haibach bei Aschaffenburg eröffnet. Über Jahrzehnte hat sich Adler eine Stammkundschaft aufgebaut, die überwiegend der wachsenden Altersgruppe der über 45-Jährigen angehört. Im Zuge der Wachstumsstrategie expandierte das Unternehmen 1981 nach Luxemburg, 1987 nach Österreich. 1990 wurde der 50. Adler Modemarkt eröffnet, acht Jahre später die Marke von 100 Filialen durchbrochen.

Mehrere Eigentümer- und Strategiewechsel

Bereits 1982 verabschiedete sich die Familie Adler mit dem Verkauf ihrer Anteile an die Asko Deutsche Kaufhaus AG. 14 Jahre später, 1996, reichte Asko die Gesellschaft an die Metro-Gruppe weiter. In dem riesigen Konzern ließ Adler durchschlagende Erfolge vermissen. Aus diesem Grund richtete das Unternehmen im Jahr 2007 sein Produktportfolio auf jüngere Kunden aus. Ein Restrukturierungskonzept sah Schließungen sowie teils drastische Umgestaltungen der Modemärkte vor. Nachdem sich diese Strategie als nicht erfolgreich herausgestellt und zu immensen Verlusten geführt hatte, wurde Adler 2009 an die Beteiligungsgesellschaft BluO verkauft. Das neu installierte Management korrigierte die Verjüngungsstrategie, indem es das Produktportfolio wieder auf die Bedürfnisse der über 45-Jährigen ausrichtete und durch ausgewählte Fremdmarken ergänzte. Zudem wurden Modemärkte wieder- bzw. neu eröffnet und ein Onlineshop ins Leben gerufen.

Zurück in die schwarzen Zahlen

Mit diesen Maßnahmen gelang dem Unternehmen bereits im vierten Quartal 2009 der Turnaround. Im Jahr 2010 schrieb Adler mit einem Konzernjahresüberschuss von 27,4 Mio. EUR deutlich schwarze Zahlen. Gleichzeitig steigerte sich der Umsatz um 8,3% auf 444,8 Mio. EUR. In diesem Jahr hält der Aufwärtstrend an: Im ersten Quartal 2011 kletterte der Umsatz um 9,1% auf 84,2 Mio. EUR. Im April ging es mit den Erlösen um weitere 9% nach oben, im Mai sogar um 22,6%.

Gang an die Börse

Mit dem Rückenwind der operativen Wende brachte BluO Adler im Juni 2011 an die Börse. Aufgrund der schwierigen Marktbedingungen gelang das IPO nur mühsam. Die Zeichnungsfrist musste verlängert werden – angeblich, damit Investoren die neuesten Geschäftszahlen berücksichtigen können. Tatsächlich dürfte sich das Investoreninteresse in Grenzen gehalten haben. Dass die Aktien anschließend nur am unteren Ende der Preisspanne zu 10 EUR zugeteilt wurden, deutet ebenfalls darauf hin. Doch mehr als die offizielle Version war auf Anfrage weder von Adler noch von BluO in Erfahrung zu bringen. Negativ stieß auf, dass vom Emissionsvolumen von etwas mehr als 100 Mio. EUR Adler via Kapitalerhöhung nur 26,5 Mio. EUR erhalten hat, der Rest aber BluO zugeflossen ist. Dass kurz vor Beginn der Zeichnungsfrist die Commerzbank als Konsortialführer hinschmiss und der Crédit Agricole das Ruder übergeben hatte, gab ebenfalls zu denken. Hierzu wurde von allen Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Die Skepsis hält bis heute an: Bis dato gelang es dem Aktienkurs nicht, sich nennenswert vom Emissionspreis nach oben zu bewegen.

Christian Scheid
redaktion@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Adler Modemärkte AG
Gründungsjahr: 1948 / seit 2011 börsennotierte AG
Branche: Textileinzelhande
lUnternehmenssitz: Haibach (bei Aschaffenburg)
Mitarbeiterzahl: 4.174
Umsatz 2010: 444,8 Mio. EUR
Internet: www.adlermode-unternehmen.com