Die Himolla Polstermöbel GmbH baut an ihrem Standort in Taufkirchen 175 Stellen ab. Das Unternehmen verlagert die Serienfertigung in das Ausland. Rund 540 Arbeitsplätze bleiben in Bayern erhalten. Management und Betriebsrat haben einen entsprechenden Interessenausgleich unterzeichnet. Die Nachfrage nach Möbeln geht seit langer Zeit zurück. Die Bautätigkeit ist in der Region derzeit schwach. Hinzu kommt ein harter Preiswettbewerb aus Niedriglohnländern. Das Unternehmen befindet sich seit Ende Juni in einem Schutzschirmverfahren. Das Amtsgericht Landshut eröffnete Anfang September das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Nach Angaben der Restrukturierungsberatung FalkenSteg Restructuring GmbH regelt der Vertrag die personelle Sanierung. Die Belegschaft wurde über den aktuellen Stand informiert. Die Kündigungen werden ab sofort ausgesprochen. Über einen Sozialplan verhandeln die Parteien derzeit noch intensiv.
Kapazitäten und Kosten anpassen
„Mit dem Interessenausgleich ist die schwierigste Etappe der operativen Sanierung geregelt“, sagt Tillmann Peeters. Er ist der Sanierungsgeschäftsführer der Gesellschaft. Die Kapazitäten und die Kostenbasis müssen mit der Nachfrage in Einklang gebracht werden. Der Markt für Polstermöbel befindet sich in einem strukturellen Tief. Das Unternehmen muss in diesem schwierigen Umfeld bestehen können. Der gerichtlich bestellte Sachwalter Arndt Geiwitz von der SGP Schneider Geiwitz begleitet den Prozess. Der aktuelle Einschnitt ist für ihn hart. Er ist aber die Voraussetzung für die Sanierung von Himolla. Dieser Schritt wurde mit Augenmaß gegenüber der Belegschaft umgesetzt.
Der deutsche Standort konzentriert sich künftig auf zentrale Kernbereiche. Dazu gehören Design, Produktentwicklung, Marketing und der Vertrieb. Auch die technisch anspruchsvolle Vorfertigung bleibt in Taufkirchen erhalten. Die Endfertigung am bayerischen Standort entfällt jedoch komplett. Die Serienfertigung wird an den Werken in Ungarn und der Slowakei gebündelt. Diese Fabriken gehören seit Jahren zum Produktionsverbund der Gruppe. Sie fertigen nach denselben Qualitätsvorgaben wie das Stammwerk. Produktentwicklung, Konstruktion und Qualitätssicherung steuern weiterhin die Fertigung an allen Standorten. Das Unternehmen baut die Struktur umfassend um. Diese Basis soll auch bei schwacher Nachfrage tragen. „Himolla steht für Sitzkomfort, Qualität, Design und technische Innovation“, sagt Geschäftsführer Dr. Manfred Ziegler.
Entscheidungen sichern Perspektive
Der Markenkern wurde über Jahrzehnte entwickelt. Diese Kompetenz bleibt in Taufkirchen vollständig erhalten. Der Abbau von Arbeitsplätzen ist die schmerzhafteste Entscheidung dieses Verfahrens. Sie sichert dem Unternehmen aber eine dauerhaft tragfähige Perspektive. Der Geschäftsbetrieb läuft währenddessen ohne jede Einschränkung weiter. Aufträge werden weiterhin angenommen und rechtzeitig ausgeliefert. Gewährleistungsansprüche und die Ersatzteilversorgung bleiben in vollem Umfang bestehen. Die Zusammenarbeit mit Handelspartnern und Lieferanten wird unverändert fortgeführt. Die Verlagerung der Serienfertigung erfolgt schrittweise. Die Lieferfähigkeit bleibt im Übergang jederzeit durchgängig sichergestellt. Das entgegengebrachte Vertrauen soll mit gleicher Qualität zurückgezahlt werden. Der Betriebsrat hat nach den Worten von Mathias Leon Schneider hart in der Sache verhandelt. Der Generalbevollmächtigte betont seinen vollen Respekt für die Arbeitnehmervertreter.
Rechtliche Beratung im Sanierungsprozess
Die umfassende rechtliche Beratung liegt bei der Kanzlei DMR Rechtsanwälte in diesem Fall. Die mandatierte Rechtsanwältin Dr. Susanna Stöckert berät das Unternehmen bei diesen Schritten arbeitsrechtlich. Friedrich Schindele hat den gesamten Betriebsrat in den Verhandlungen rechtlich begleitet. Der Abbau der Stellen fällt deutlich geringer aus als befürchtet. Zu Beginn der Verhandlungen wurde ein viel größerer Verlust erwartet.









