Seit Februar 2026 steht Gabriela Pantring an der Spitze der NRW.Bank. In wirtschaftlich und geopolitisch herausfordernden Zeiten versteht sich die Förderbank zunehmend als Stabilitätsanker und Impulsgeber für Transformation. Im Gespräch mit der Unternehmeredition erläutert Pantring, warum Resilienz und technologische Souveränität zu zentralen Leitgrößen werden, welche Chancen sie im Bereich Defence und Dual Use sieht und weshalb Europa dringend mehr Wachstumskapital benötigt.
Unternehmeredition: Frau Pantring, Sie sind seit Februar 2026 Vorstandsvorsitzende der NRW.Bank. Was verbinden Sie persönlich mit dieser neuen Aufgabe?
Gabriela Pantring: Ich freue mich sehr über diese Aufgabe. Ich bin seit vielen Jahren im Bankgeschäft tätig und seit Ende 2016 im Vorstand der NRW.Bank. Insofern war das jetzt auch Teil einer langfristigen Nachfolgeplanung. Für mich bedeutet die neue Rolle vor allem, die NRW.Bank als erste Repräsentantin des Hauses in die Zukunft zu führen – gemeinsam mit meinem Vorstandsteam.
Als Förderbank für Nordrhein-Westfalen begleiten wir die Themenfelder Wirtschaft, Kommunen, Infrastruktur und Wohnungsbau. Gerade in den aktuell herausfordernden Zeiten ist das eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe. Unser Anspruch ist es, verlässliche Partnerin zu sein und Finanzierung dort zu ermöglichen, wo sie für die Zukunftsfähigkeit des Landes gebraucht wird.
Welche strategischen Schwerpunkte wollen Sie dabei setzen?
Für mich stehen zwei Dinge im Mittelpunkt: Resilienz und Transformation. Eine Förderbank wie die NRW.Bank muss gerade in unsicheren Zeiten Stabilitätsanker sein. Unternehmen, Kommunen und Menschen in Nordrhein-Westfalen brauchen verlässliche Finanzierungspartner.
Gleichzeitig verstehen wir uns als Katalysator für Zukunftsinvestitionen. Das betrifft Digitalisierung, Dekarbonisierung, Innovation, aber zunehmend auch Resilienz, Sicherheit und technologische Souveränität. Förderbanken können hier wichtige Impulse setzen – über Finanzierung, aber auch über Netzwerke und Partnerschaften.
Ein dritter wichtiger Punkt ist für mich die Zusammenarbeit. Wirkung entsteht nur gemeinsam: mit den Hausbanken, mit Investoren, mit der Landesregierung und auch auf europäischer Ebene. Gerade Europa wird für Zukunftsinvestitionen immer wichtiger.
Resilienz ist derzeit eines der zentralen Schlagworte. Wo sehen Sie aktuell die größten Verwundbarkeiten des Mittelstands?
Die größte Verwundbarkeit liegt aus meiner Sicht darin, notwendige Zukunftsinvestitionen aus Unsicherheit heraus aufzuschieben. Unternehmen stehen heute vor enormen Herausforderungen: volatile Energiepreise, Fachkräftemangel, geopolitische Unsicherheiten, technologische Umbrüche oder veränderte Lieferketten.
Gerade deshalb müssen Transformation, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zusammengedacht werden. Wer heute investiert, stärkt seine Wettbewerbsfähigkeit von morgen.
Unsere Aufgabe als Förderbank ist es, dafür zu sorgen, dass Finanzierung dabei keine Hürde wird. Unser Grundsatz lautet: Eine gute Idee darf nicht an der Finanzierung scheitern.
Wo sehen Sie aktuell die wichtigsten Investitionsfelder?
Unternehmen müssen sich heute strategisch in vielen Punkten neu aufstellen. Wertschöpfungsketten verändern sich, technologische Anforderungen steigen, KI verändert Geschäftsmodelle und Prozesse. Gleichzeitig geht es um unabhängige Energieversorgung und sichere Rohstofflieferketten.
Daraus resultieren große Investitionsbedarfe. Entscheidend ist, dass sich Unternehmen jetzt aktiv mit ihrer zukünftigen Positionierung beschäftigen.
Wie kann eine Förderbank dabei unterstützen?
Indem wir gezielt dort unterstützen, wo Investitionen einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit leisten.
Als NRW.Bank setzen wir dafür bewusst eigene Mittel ein. Wir finanzieren uns nicht aus Steuergeldern, sondern aus unseren eigenen Erträgen. Diese Mittel nutzen wir, um Kredite zu vergünstigen oder Risiken mitzutragen, beispielsweise dort, wo Geschäftsbanken allein bestimmte Risiken nicht übernehmen würden. Förderung darf nicht nach dem Gießkannenprinzip funktionieren, sondern muss eine messbare Wirkung erzielen.
Im vergangenen Jahr haben wir insgesamt 16,2 Mrd. EUR Fördervolumen vergeben. Die Förderleistung aus Mitteln der NRW.Bank belief sich dabei auf 400,5 Mio. EUR. Das zeigt sehr deutlich unsere Rolle als Stabilitätsanker in herausfordernden Zeiten.
Wie messen Sie den Erfolg solcher Förderung?
Entscheidend sind konkrete Effekte, also beispielsweise geschaffene Arbeitsplätze oder Investitionen in Zukunftstechnologien. Wir wollen Wirkung stärker messbar machen und genauer analysieren, wo Förderung tatsächlich Transformation ermöglicht. Es geht uns nicht darum, möglichst viele Programme aufzulegen, sondern darum, gezielt Impulse zu setzen.
Ein Thema, das derzeit stark an Bedeutung gewinnt, ist Defence und Dual Use. Beobachten Sie hier einen echten Paradigmenwechsel?
Ja, definitiv. Vor fünf oder zehn Jahren wurde über dieses Thema kaum gesprochen. Heute steht es im Mittelpunkt vieler industriepolitischer Debatten – aus guten Gründen.
Dabei geht es längst nicht nur um klassische militärische Systeme: Defence und Dual Use umfassen heute auch Themen wie Cybersicherheit oder kritische Infrastrukturen. Sicherheit und Wirtschaftspolitik wachsen stärker zusammen.
Ich sehe darin auch eine industriepolitische Dynamik. Europa investiert massiv in diesen Bereich. Laut McKinsey könnten bis 2030 europaweit durch die erheblichen zusätzlichen Investitionen bis zu 1,2 Mio. neue Arbeitsplätze entstehen. Daraus ergeben sich Chancen für Mittelstand, Industrie und Start-ups.
Welche Rolle kann der Mittelstand dabei spielen?
Gerade der Mittelstand beschäftigt sich intensiv mit diesen Themen. Unternehmen aus Maschinenbau, Elektronik, Sensorik, Robotik oder IT prüfen zunehmend, wie sie ihre Kompetenzen auch im Bereich Resilienz oder Dual Use einsetzen können.
Besonders spannend finde ich die Dynamik im Start-up-Bereich. Wir haben beim Defense Innovation Summit in Nordrhein-Westfalen viele junge Unternehmen gesehen, die aus Bereichen wie Drohnentechnologie oder Schutz kritischer Infrastruktur stammen. Das zeigt, dass hier ein neues Innovationsfeld entsteht.
Und natürlich ergeben sich daraus auch Chancen für Kooperationen zwischen Mittelstand und Start-ups.
Gleichzeitig wird immer wieder kritisiert, dass Europa zu wenig Wachstumskapital bereitstellt. Wie bewerten Sie diese Situation?
Das ist tatsächlich eines der zentralen Probleme Europas. In frühen Finanzierungsphasen funktioniert der Markt inzwischen gut. Schwieriger wird es in späteren Wachstumsphasen – insbesondere bei kapitalintensiven Technologien.
Wenn junge Unternehmen skalieren wollen, entstehen häufig Eigenkapitalbedarfe von 50 Mio. bis 100 Mio. EUR. Genau dort fehlt oft ausreichend Kapital in Europa. In dieser Phase steigen dann häufig internationale Investoren ein oder Wertschöpfung wandert ins außereuropäische Ausland ab.
Deshalb müssen wir öffentliche Finanzierungsinstrumente stärker mit privatem Kapital kombinieren. Genau daran arbeiten wir.
Welche Rolle spielt dabei technologische Souveränität?
Eine beträchtliche. Europa hat erkannt, dass technologische Souveränität ein strategischer Faktor geworden ist. Deshalb brauchen wir mehr Kapital für Schlüsseltechnologien wie Deeptech, Greentech oder Dual-Use-Technologien.
Die NRW.Bank arbeitet hier auch eng mit europäischen Institutionen zusammen. Wir sind beispielsweise erster deutscher „Implementing Partner“ der Europäischen Kommission für eine Garantie aus dem InvestEU-Programm. Die Garantie war für uns die Grundlage für einen neuen „Tech&Scale-Fonds“. Darüber können wir sehr große Wachstumsvorhaben gemeinsam mit privaten Investoren finanzieren und Risiken besser verteilen. Ich bin überzeugt, dass genau solche Partnerschaften künftig immer wichtiger werden.
Was möchten Sie mittelständischen Unternehmen in der aktuellen Situation mit auf den Weg geben?
Unternehmen müssen jetzt ins Machen kommen. Natürlich sind die Rahmenbedingungen schwierig – aber wer zu lange wartet, riskiert langfristig Wettbewerbsfähigkeit.
Transformation findet heute unter deutlich höherem Druck statt als noch vor einigen Jahren. Deshalb dürfen Investitionen in die Zukunft von Unternehmen nicht weiter verschoben werden.
Wir versuchen als Förderbank, genau dafür passende Finanzierungsrahmenbedingungen zu schaffen – mit langen Laufzeiten, Risikoteilung und günstigen Finanzierungskonditionen. Ein Beispiel dafür ist unser Programm „NRW.Bank.Invest Zukunft“, das gezielt Zukunftsinvestitionen des Mittelstands unterstützt und bestens angenommen wird.
Liebe Frau Pantring, wir danken Ihnen für diese interessanten Einblicke!
👉 Dieser Beitrag ist auch in der aktuellen Magazinausgabe der Unternehmeredition 2/2026 erschienen.
ZUR INTERVIEWPARTNERIN

Gabriela Pantring ist seit Februar 2026 Vorsitzende des Vorstands der NRW.Bank. Die erfahrene Bankmanagerin gehört dem Vorstand der Förderbank seit 2016 an und war zuvor unter anderem für die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) sowie die WestLB tätig. Zu ihren Verantwortungsbereichen zählen Kapitalmärkte, Personal, Recht, Revision und Unternehmensentwicklung.







