Stimmungsrückschlag für die deutsche Industrie

Deutschlands Industrie muss zum Ende des Jahres 2025 einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Der HCOB Einkaufsmanagerindex Deutschland rutschte im Dezember tiefer in die Schrumpfungszone ab und sank  auf ein Zehnmonatstief. Laut den jüngsten Umfrageergebnissen ging die Produktion erstmals seit zehn Monaten zurück. Maßgeblich hierfür war die anhaltende Nachfrageflaute. Der Rückgang wird vor allem den geringeren Exportumsätzen zugeschrieben. Die Industrieunternehmen drosselten ihre Fertigung wegen erneut gesunkener Auftragseingänge. Es waren die deutlichsten Einbußen seit Januar 2025. Das Exportgeschäft schrumpfte bereits den fünften Monat hintereinander. Die Kontraktionsrate beschleunigte sich dabei auf den höchsten Stand seit Dezember 2024.

Sparmaßnahmen und Personalabbau

Viele Unternehmen hielten gegen Ende des vierten Quartals an ihrem Sparkurs fest. Sie setzten bei Personal und Einkaufsmenge den Rotstift an. Die Beschäftigung fiel mit der schnellsten Rate seit sechs Monaten. Der Einkauf wurde so stark zurückgefahren wie seit knapp einem Jahr nicht mehr. Auch die Vormateriallager nahmen rasant ab. Die Rate des Abbaus war so hoch wie seit Anfang 2025 nicht mehr. Dennoch erhöhte sich der Druck auf die Lieferketten. Die Vorlaufzeiten verlängerten sich den vierten Monat in Folge. Befragte nannten Kapazitätsengpässe bei Zulieferern und Handelskonflikte als Gründe. Der Personalabbau setzte sich im Dezember fast ungebremst fort. Dies resultiert aus den im gesamten Jahr rückläufigen Investitionen.

Entwicklung der Preise

Die Einkaufspreise stiegen erstmals seit fast drei Jahren wieder an. Ein wesentlicher Treiber war laut Bericht die Verteuerung von Metallen. Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert die Lage: „Im Verarbeitenden Gewerbe, wo es im Verlauf des letzten Jahres durchaus Anzeichen für ein Ende des Abschwungs gab, hat sich die Rezession wieder vertieft“. Er betont zudem die Problematik steigender Kosten: „Die Industrieunternehmen litten im Dezember nicht nur unter der schwache Nachfrage und den sinkenden Verkaufspreisen, sondern auch unter den überraschend steigenden Einkaufspreisen“. Der teils erbitterte Wettbewerb verhinderte die Weitergabe der Kosten an die Kunden. Die durchschnittlichen Verkaufspreise fielen daher abermals. Der Rückgang lag geringfügig über dem Jahresdurchschnitt.

Optimismus bei den Aussichten

Positiv bewerten die Hersteller ihre zukünftige Auslastung. Der entsprechende Index erreichte den höchsten Stand seit einem halben Jahr. Die Geschäftsaussichten verbesserten sich den zweiten Monat in Folge. Manager hoffen auf anziehende Nachfrage durch neue Produkte. Auch höhere Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur wecken Zuversicht. Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik fungiert hierbei als Kooperationspartner. Staatlich finanzierte Infrastrukturprojekte könnten die Lage in diesem Jahr ändern. Tatsächlich erwarten deutlich mehr Unternehmen eine höhere Produktion in einem Jahr. Der S&P Global berechnet den Index auf Basis von Umfragen unter 420 Unternehmen. Diese Firmen repräsentieren das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland. Die Umfragen genießen aufgrund ihrer Genauigkeit bei Entscheidungsträgern hohes Ansehen.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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