„Nachfolgefinanzierung ist stark gefragt“

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Die NRW.Bank ist die Förderbank für Nordrhein-Westfalen. Mit Beteiligungen, Förderkrediten, Zuschüssen und Beratungsangeboten begleitet sie Unternehmen durch Transformation, Wachstum und Nachfolge. Wir sprachen mit Claudia Köppe, Abteilungsleiterin Mittelstand und Fondsinvestments.

Unternehmeredition: Frau Köppe, mit welchem Ziel investiert die NRW.Bank in den Mittelstand?

Claudia Köppe: Unser Ziel als Förderbank des Landes Nordrhein-Westfalen ist es, jede vielversprechende Geschäftsidee in NRW mit der passenden Finanzierung zu begleiten – vom Start-up bis zum etablierten Mittelstandsunternehmen. Dabei spielt neben Fremdkapital, Zuschüssen und Beratung auch Eigenkapital eine wichtige Rolle. Wir unterstützen Unternehmen dabei, ihren erfolgreichen Weg konsequent fortzusetzen – sei es durch Investitionen in Innovationen, die Bewältigung der Transformation oder die Sicherung von Arbeitsplätzen in NRW. Genau darin liegt unsere Aufgabe und unser Selbstverständnis.

Welche Mittel stehen Ihnen denn speziell bei der Mittelstandsförderung zur Verfügung?

Allein beim Mittelstandsfonds der NRW.Bank stehen uns 100 Mio. EUR zur Verfügung. Auch wenn der Fonds diesen historisch gewachsenen Namen trägt, agieren wir seit 2017 nicht mehr mit einer klassischen Fondsstruktur, sondern finanzieren direkt aus unserer Bilanz. Das bringt mehr Flexibilität – etwa bei der Haltedauer unserer Beteiligungen, die nicht mehr befristet ist. Wir halten an dem Namen Mittelstandsfonds fest, weil er sich am Markt etabliert hat. Und: Wenn der aktuelle Fonds ausgeschöpft ist, folgt perspektivisch auch eine Neuauflage – ganz so, wie wir es auch beim Venture-Fonds der NRW.Bank bereits tun, der inzwischen in der vierten Generation arbeitet.

Welche Investitionszwecke stehen im Moment im Mittelstand in NRW im Vordergrund?

Wir investieren vor allem in Transformationsprozesse, in Wachstum – und zunehmend in Unternehmensnachfolgen. Die wirtschaftliche Lage ist für viele Betriebe herausfordernd, Eigenkapitalreserven sind oft aufgebraucht. Gleichzeitig fordern Digitalisierung, Klimaschutz und demografischer Wandel die Unternehmen heraus. Gerade das Thema Nachfolge gewinnt an Bedeutung. Die Nachfrage nach Akquisitionsfinanzierungen im Rahmen von Unternehmensübergaben ist zuletzt spürbar gestiegen. Klassische Wachstumsfinanzierungen treten derzeit etwas in den Hintergrund – oft gehen Nachfolgelösungen aber ohnehin mit Wachstumsschritten einher, um Betriebe zukunftsfähig aufzustellen.

Wie kann die NRW.Bank Mittelständler über Investitionen hinaus unterstützen?

Unser Angebot geht weit über Eigenkapital hinaus. Wir bringen mittelständische Unternehmen mit Netzwerk- und Beratungsformaten zusammen – etwa bei unserer jährlichen Private-Equity-Konferenz, auf der aktuelle Branchenthemen diskutiert werden. Darüber hinaus bieten wir Förderkredite und Zuschüsse. Zudem steht unsere Förderberatung Unternehmen mit individueller Unterstützung zur Seite – zum Beispiel bei der Suche nach passenden Programmen von Land, Bund oder EU.

Können Unternehmen die Fördermittel der NRW.Bank auch für Wachstum im Ausland einsetzen?

Ja, sofern der Sitz und der wirtschaftliche Schwerpunkt des Unternehmens in NRW liegen. Eigenkapital ist flexibel einsetzbar; anders als Kredite ist es nicht an einen bestimmten Verwendungszweck gebunden. Wenn ein Unternehmen also strategisch sinnvoll ins Ausland expandieren will, begleiten wir diesen Schritt mit Eigenkapital – vorausgesetzt, die Perspektive ist wirtschaftlich tragfähig.

Gibt es regionale Schwerpunkte der Förderung?

Nein, bei der Eigenkapitalfinanzierung setzen wir keine regionalen Schwerpunkte. Entscheidend ist, dass der wirtschaftliche Fokus in NRW liegt. Die Unternehmen kommen aus allen Teilen des Landes zu uns: aus dem industriell geprägten Ruhrgebiet, der Rheinschiene mit ihren zahlreichen Dienstleistern oder den Regionen um Aachen, Bielefeld und Münster. Auch die Branchenlandschaft ist vielfältig – von der Möbelindustrie in Ostwestfalen über die chemische Industrie im Rheinland bis hin zur metallverarbeitenden Industrie im Sauerland. Jede Region hat ihre Besonderheiten und Herausforderungen. Unser Förderangebot ist so aufgestellt, dass wir diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden können.

Liebe Frau Köppe, wir danken Ihnen für diese interessanten Einblicke!

Das Interview führte Bärbel Brockmann.

👉 Dieser Beitrag ist auch in unserer Spezialausgabe „Investoren im Mittelstand 2026″ erschienen.

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ZUR INTERVIEWPARTNERIN

Claudia Köppe,

Abteilungsleiterin Mittelstand und Fondsinvestments,

NRW.Bank

Claudia.koeppe@nrwbank.de

Autorenprofil
Bärbel Brockmann

Bärbel Brockmann ist eine freie Wirtschaftsjournalistin, die schwerpunktmäßig über Finanz-, Energie- und Immobilienthemen schreibt. Die frühere Leiterin des Düsseldorfer Korrenspondentenbüros der Nachrichtenagentur Reuters begann ihre berufliche Karriere bei einer großen Regionalzeitung.

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