Griffen Ihnen die Geschäftsführer unter die Arme oder bekamen Sie eher den Gegenwind zu spüren?
Es gab eine starke Führungsmannschaft, die das Unternehmen im Kern so weitergeführt hat. Das gab mir die Gelegenheit zuzuhören und zu verstehen. Auf der anderen Seite gab es auch eine gewisse Abwehrhaltung. Nicht überall bin ich mit offenen Armen empfangen worden.

Welche Hürden galt es zudem zu bewältigen?
Ganz wichtig ist es, sich den notwendigen Respekt zu erarbeiten, um von der Belegschaft und den Leistungsträgern akzeptiert zu werden. Das braucht viel Zeit und bedarf unzähliger Gespräche. Ganz wichtig ist das Zuhören. Man muss verstehen, wo die Probleme und die Herausforderungen liegen. Fühlen sich die Mitarbeiter verstanden und ernstgenommen, bekommt man auch die nötige Akzeptanz.
Was würden Sie rückblickend anders machen?
Vielleicht würde ich die eine oder andere Entscheidung anders treffen. Im Großen und Ganzen würde ich aber wieder alles genauso machen.
Ist es häufig der Fall, dass Mitarbeiter ihr Familienunternehmen behalten wollen?
Zwischen der Belegschaft und dem Inhaber besteht oft eine ganz besondere Beziehung. Der Inhaber hat in der Regel ein hohes Verantwortungsgefühl. Von der Belegschaft bekommt er das Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens.
Welche Tipps können Sie denn Unternehmerinnen geben, die vor einer Nachfolge stehen?
Sie sollten sich Gedanken darüber machen, ob sie wirklich bereit sind, die Verantwortung und die Belastung auf sich zu nehmen. Entscheiden sie sich dafür, ist es wichtig, das Unternehmen zu verstehen, um später richtig agieren zu können. Doch auch unter Druck und widrigen Umständen können Frauen zupacken und erfolgreich sein.
Dennoch wird gerade Mal jedes zehnte Familienunternehmen an eine Frau übergeben. Woran liegt das?
Immerhin ist die Quote besser als bei Vorständen in DAX-Unternehmen. Natürlich kommen in erster Linie immer noch die Söhne zum Zuge. Das Verhältnis wird sich in den kommenden Jahren jedoch ändern. Ich bin davon überzeugt, dass immer mehr Väter die Qualitäten ihrer Töchter schätzen und abwägen, wer es denn besser kann.



