Schlechtere Zahlungsmoral belastet die Liquidität

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Deutsche Unternehmen müssen immer länger auf das Geld ihrer Kunden warten. Der weltweit führende Kreditversicherer Allianz Trade hat eine aktuelle Studie zur Zahlungsmoral vorgelegt. Die Untersuchung analysiert die Umwandlung von Ausgaben in Geldeingänge aus Verkäufen. Im Jahr 2025 hat sich das Zahlungsverhalten der Kunden in Deutschland spürbar verschlechtert. Der Kennwert für den Kapitalumlauf stieg im Inland auf 79 Tage an. Das bedeutet eine Verschlechterung um 1,8 Tage im Vergleich zum Vorjahr. Der deutsche Wert liegt damit 16 Tage über dem westeuropäischen Durchschnitt von 63 Tagen. Besonders lange Zyklen verzeichnen die Branchen Elektronik, Papier, Pharmazeutika sowie Computer und Telekommunikation. Laut Allianz Trade verringert diese Entwicklung den finanziellen Spielraum der Betriebe im operativen Geschäft spürbar.

Druck auf die betriebliche Liquidität

Die durchschnittliche Zahlungsfrist für Kundenforderungen stieg in Deutschland im Jahr 2025 um 2,8 Tage auf 55 Tage. Gleichzeitig nahm die durchschnittliche Dauer der Lagerhaltung um 0,9 Tage auf 58 Tage zu. Die Einbindung von Kapital in Warenbeständen nimmt somit weiter zu. Zahlungsfristen gegenüber den eigenen Lieferanten verlängerten sich im selben Zeitraum um 1,9 Tage auf 35 Tage. Dieses Niveau bleibt im internationalen Vergleich jedoch weiterhin sehr niedrig. Deutsche Firmen begleichen Rechnungen ihrer Lieferanten im Schnitt rund 14 Tage schneller als der westeuropäische Durchschnitt.

Einschränkung der finanziellen Handlungsräume

Die schlechtere Moral bei der Begleichung von Rechnungen belastet das verfügbare Kapital der Betriebe stark. „In Deutschland dauert es vergleichsweise lang, bis Unternehmen ihre Ausgaben wieder hereinholen“, sagt Milo Bogaerts. Er ist CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das liegt daran, dass sich die Zahlungsmoral verschlechtert hat. Zudem findet immer mehr Lageraufbau statt.“ Die zügige Begleichung von Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten schränkt den finanziellen Puffer weiter ein. „Lieferanten werden im Schnitt nach 35 Tagen bezahlt“, betont Bogaerts. „Das sind 14 Tage eher als im westeuropäischen Durchschnitt.“ Aus diesem Grund besitzen die Betriebe nur sehr wenig Flexibilität zur Abfederung von Zahlungsabflüssen. „Der Kreislauf ist stark anfällig für eine weitere Verschlechterung von Zahlungsverhalten und Lagerhaltung“, erklärt Bogaerts. „Wir gehen davon aus, dass der Wert im Jahr 2026 weiter um 4 Tage auf 83 Tage steigt.“

Trend zu höheren Lagerbeständen

Weltweit stieg der Wert für den Kapitalumlauf im Jahr 2025 leicht um einen halben Tag auf 67 Tage. Dieser Stand liegt etwa 3 Tage über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Er nähert sich dem bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2023 an. Hauptursache für diese Entwicklung sind die Anstrengungen der Firmen zur Aufstockung ihrer Bestände. Nach Angaben von Allianz Trade binden die Vorräte erhebliche Mittel im laufenden Betrieb. Betriebe sichern damit ihre Lieferketten gegen drohende Störungen ab.

Der Aufbau von Vorräten erklärt den größten Teil des weltweiten Kennwerts. „Die Lagerhaltung erklärt mittlerweile fast 80 % des Niveaus“, sagt Maxime Lemerle. Er leitet die Insolvenzforschung bei Allianz Trade. „Dies spiegelt einen grundlegenden Wandel wider. Unternehmen bewegen sich weg von Effizienz hin zu Resilienz.“ Durch den Aufbau großer Lagerbestände binden Unternehmen viel Kapital in Waren. „Im Gegenzug haben sie dadurch mehr Sicherheit in der Lieferkette“, erläutert Lemerle. „Lieferketten werden nicht mehr nur unter Kostenaspekten optimiert. Sie sind zunehmend auf Sicherheit und Widerstandsfähigkeit ausgelegt.“

Erwartungen für das laufende Jahr 2026

Die weltweiten Zahlungsfristen stiegen im vergangenen Jahr leicht auf 56,5 Tage an. Sie bleiben damit seit dem Jahr 2022 auf einem weitgehend stabilen Niveau. Für das Jahr 2026 rechnet der Kreditversicherer mit einer weiteren leichten Zunahme des globalen Werts. Geopolitische Konflikte und Spannungen im Handel könnten die Lagerhaltung zusätzlich belasten. Jeder zusätzliche Tag bei den Beständen verlängert den globalen Finanzierungskreislauf um etwa 1,16 Tage. Fortlaufende Ausgaben für digitale Infrastrukturen dämpfen die negativen Effekte in einzelnen Wirtschaftsbereichen jedoch ab. Das stützt betroffene Branchen schrittweise.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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