
In den Räumlichkeiten des Hotels Maximilian’s in Augsburg versammelten sich Experten der Sanierungsbranche. Der Augsburger Restrukturierungslunch bot wieder Raum für einen intensiven fachlichen Austausch. Die Initiatoren dieser Veranstaltung sind namhafte Akteure aus der Rechts- und Wirtschaftsberatung. Dazu gehören die Kanzlei Anchor Rechtsanwälte sowie das Prüfungsunternehmen Deloitte. Ebenfalls beteiligt sind die Berater von Dr. Wieselhuber & Partner. Die Kanzlei Sonntag & Partner sowie die Winterhoff Rechtsanwalts GmbH komplettieren den Kreis der Veranstalter. Das Treffen widmete sich den aktuellen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft. Im Fokus standen Themen wie Innovationen und der Umgang mit Unternehmenskrisen. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für Sanierungen wurden ausführlich besprochen.
Den Auftakt der inhaltlichen Auseinandersetzung bildete ein Vortrag von Prof. Dr. Torsten Martini. Er ist als Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Görg tätig und lenkte den Blick auf konkrete wirtschaftliche Ereignisse in Deutschland. Dabei verwies er unter anderem auf die aktuellen Werkschließungen bei Automobilzulieferern. Er betonte die Notwendigkeit einer gelebten Fehlerkultur in Deutschland. Bisher gebe es hierzulande keine ausreichende Kultur des Scheiterns. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den äußeren Einflüssen auf die Wirtschaft. Martini nannte die Auswirkungen der Corona-Pandemie und den Konflikt in der Ukraine. Auch der herrschende Fachkräftemangel belastet viele Betriebe erheblich. Hinzu kommen die Inflation und deutlich teurere Beschaffungsprozesse. Martini stellte jedoch die Frage in den Raum, welche Krise wirklich exogen sei. Oftmals lägen die eigentlichen Probleme bereits tiefer in der Unternehmensstruktur begründet. Er appellierte in diesem Zusammenhang an die gesetzlichen Pflichten der Geschäftsleiter. Der Hinweis auf den ersten Paragrafen des Gesetzes über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen war zentral. Dieser regelt die Krisenfrüherkennung und das Krisenmanagement. Die Verantwortung der Unternehmer für die rechtzeitige Einleitung von Maßnahmen sei essenziell.
Diskussion über Innovation und Transparenz
Im Anschluss an den Vortrag folgte eine hochkarätig besetzte Paneldiskussion. Die Moderation übernahmen Eva Ringelspacher (Wieselhuber & Partner) und Dr. Maximilian Hüttel (Sonntag & Partner). Zu den Teilnehmern gehörte Andreas Stocker von der Stadtsparkasse Augsburg. Er leitet dort die Abteilung für Consulting und gilt als Sanierungsspezialist. Stocker beschrieb ein deutliches Warnsignal für eine beginnende Schieflage. Er kritisierte den mangelnden Fokus auf Innovationen im Vorfeld einer Krise. Oft würden Fehler lange vor dem eigentlichen Zusammenbruch gemacht. Ein großes Problem stellt für ihn die mangelnde Transparenz in vielen Unternehmen dar. Er berichtete von Gesprächen, in denen lediglich veraltete Abschlüsse vorlägen. Aktuelle Daten für das vergangene Jahr fehlten häufig komplett. Trotzdem sehe sich die Bank als Partner für neue Konzepte.
Wandel verpasst und Haftungsrisiken
Eva Ringelspacher ergänzte die Diskussion um ein prägnantes Beispiel aus der Vergangenheit. Sie beschrieb ein Unternehmen, das zur Jahrtausendwende noch Kassetten verkaufte. Dieses habe den notwendigen technologischen Wandel schlicht verpasst. In solchen Fällen seien die Handlungsoptionen oft bereits ausgeschöpft. Torsten Martini unterschied daraufhin zwei große Gruppen von Insolvenzen. Die erste Gruppe umfasse Betriebe ohne jegliche Innovationen. Dort habe das alte Geschäftsmodell zwar lange funktioniert, sei aber nun am Ende. Die zweite Gruppe bestehe aus innovativen Unternehmen mit mangelnder Liquidität. In beiden Fällen verspüren Geschäftsführer laut Martini große Angst vor der Haftung. Dies betreffe insbesondere auch die persönliche Inanspruchnahme des Privatvermögens.
Herausforderungen bei der Startup-Finanzierung
Ein weiterer Block der Diskussion widmete sich der Situation junger Wachstumsunternehmen. Nadja Raiß, Partnerin bei K&L Gates, erläuterte die besonderen Finanzierungsstrukturen. Startups würden in der Regel nicht durch klassische Bankkredite finanziert. Sie seien auf regelmäßige Finanzierungsrunden durch Investoren angewiesen. Die vorhandenen Vermögenswerte seien oft nicht als Kreditsicherheit geeignet. Raiß betonte, dass Innovationen zwingend Kapital benötigten. Andreas Stocker bestätigte diese Einschätzung aus Sicht der Sparkasse. Sein Haus sehe sich weniger als Partner für die frühe Phase von Startups. Er verwies zudem auf die regulatorischen Hürden bei staatlichen Förderkrediten. Diese Verträge seien oft extrem umfangreich und mit großen Verpflichtungen verbunden. Der bürokratische Aufwand im Vergleich zur geringen Marge sei oft zu hoch.
Investitionsklima und staatliche Rahmenbedingungen
Markus Pöhlmann von der Banhoeck Consulting gab Einblicke in die aktuelle Investorensuche. Er beurteilte die Entwicklung der Risikokapitalszene grundsätzlich positiv. Investitionen in der frühen Phase eines Unternehmens liefen derzeit gut. Es würden vermehrt Cluster gebildet, um Synergien zu nutzen. Schwierig gestalte sich jedoch oft die Anschlussfinanzierung in späteren Phasen. Pöhlmann hält die staatliche Nachfrage für wichtig, um neue Ökosysteme zu unterstützen. Er forderte eine Fortführung dieser Unterstützung für innovative Branchen. Nadja Raiß wies darauf hin, dass oft die neunte oder zehnte Mio. EUR fehle und nicht die erste. In solchen Fällen helfe das aktuelle Restrukturierungsrecht kaum weiter. Bei Startups sei oft die bilanzielle Überschuldung das zentrale Problem.
Werkzeuge der Sanierung und rechtliche Hürden
Trotz der Schwierigkeiten bezeichnete sich Nadja Raiß als Berufsoptimistin. Sie betrachte die Eigenverwaltung und den Stabilisierungsrahmen als gute Werkzeuge. Es sei psychologisch wichtig, den Begriff der Insolvenz zu vermeiden. Bezeichnungen wie Schutzschirm oder Restrukturierungsplan klängen für Geschäftspartner deutlich positiver. Ein weiteres Hindernis bei Startups sei eine zu große Anzahl an Gesellschaftern. Uneinigkeit in diesem Kreis könne eine Krise massiv verschärfen. Martini kritisierte zudem den Begriff der Überschuldung in der Rechtsprechung. Eine Prognose über die Fortführung sei für Startups oft nur schwer valide zu stellen. Dies führe zu einer problematischen Vorverlagerung der Haftung für die Geschäftsführung.
Talente und der Faktor Mensch
Ein kritischer Punkt in der Krise ist die Flucht von Know-how. Nadja Raiß beobachtet oft, dass gute Mitarbeiter Startups in der Krise sofort verlassen. Die Förderung von Talenten habe in Deutschland leider keinen ausreichenden Stellenwert. Markus Pöhlmann ergänzte diese Perspektive um den internationalen Wettbewerb. Ausländische Fachkräfte kämen oft nur nach Deutschland, wenn andere Standorte nicht verfügbar seien. Dies stelle ein strukturelles Problem für den Innovationsstandort dar. Auch in der Restrukturierung spiele der Mensch eine zentrale Rolle. Laut Martini sei Software für Insolvenzverwalter immer eine große Herausforderung. Man müsse die Wissensträger im Unternehmen halten, um die Technik nutzen zu können. Ohne das entsprechende Personal seien viele Vermögenswerte für einen Verwalter kaum greifbar.
KI in der Unternehmenspraxis

Nadja Raiß stellte eine ausgeprägte Ängstlichkeit gegenüber neuen Technologien fest. Niemand scheine mehr Furcht vor künstlicher Intelligenz zu haben als die Deutschen. Sie vermutet dahinter auch ein demografisches Problem. Ältere Generationen täten sich oft schwerer mit der notwendigen Umstellung. Zudem kritisierte sie die gesellschaftliche Wahrnehmung von Arbeitsfreude. Wer heute sage, dass ihm die Arbeit Spaß mache, werde oft schief angesehen. Andreas Stocker berichtete über den Einsatz von Technologie in der Bank. Man nutze künstliche Intelligenz bereits bei der Bewertung von Risiken. Der persönliche Berater bleibe jedoch der wichtigste Faktor in der Kundenbeziehung. Es komme am Ende immer auf die Ehrlichkeit zwischen Unternehmer und Berater an.
Zukunftsperspektiven für die Industrie
Markus Pöhlmann wagte einen Ausblick auf die klassische Industrie in Deutschland. Der traditionelle Maschinenbauer könnte in seiner alten Form ein Auslaufmodell sein. In Kombination mit intelligenter Software gebe es jedoch weiterhin sehr gute Aussichten. Die Verbindung von Hardware und digitalen Lösungen sei der Schlüssel zum Erfolg. Diese Transformation erfordere jedoch Mut und Investitionsbereitschaft. Die Teilnehmer waren sich einig, dass der Wandel beschleunigt werden müsse. Nur so könne die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands langfristig gesichert werden. Die Krise müsse dabei als Impuls für notwendige Veränderungen begriffen werden. Eine rein verwaltende Tätigkeit reiche in der aktuellen Marktsituation nicht mehr aus.
Plädoyer für mehr Zuversicht
Zum Abschluss der Runde wurde die allgemeine Stimmung im Land thematisiert. Andreas Stocker forderte dazu auf, die Heimat positiver zu sehen. Es sei keineswegs alles schlecht am Wirtschaftsstandort Deutschland. Vieles sei eine Frage der persönlichen Einstellung und der medialen Darstellung. Man dürfe sich von dem negativen Umfeld nicht klein machen lassen. Torsten Martini betonte die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Die grassierende Schwarzseherei gehe ihm zutiefst auf den Geist. Man müsse wieder mehr positive Nachrichten und Erfolge transportieren. Er lasse sich nicht von der allgemeinen schlechten Stimmung vereinnahmen.
Nadja Raiß riet dazu, sich bewusst auch mit positiven Themen zu beschäftigen. Veränderungen bräuchten Mut, aber das Land werde die anstehenden Aufgaben meistern. Markus Pöhlmann zeigte sich für die Zukunft weiterhin optimistisch und verwies auf die gute Ausbildung und die hohe Motivation vieler Talente. Die aktuelle Kultur in Deutschland sei zwar etwas miesepetrig, aber man müsse das Beste daraus machen. Die Geschwindigkeit der Veränderungen nehme weltweit massiv zu. Darauf müsse man sich individuell und kollektiv anpassen.






