Rettung für Noscendo: Bruker kauft Duisburger Startup

Foto: © AdobeStock_VRD
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Der US-Konzern Bruker übernimmt die DISQVER-Plattform sowie ausgewählte Vermögenswerte der insolventen Noscendo GmbH. Das teilte die zuständige Kanzlei Anchor Rechtsanwälte mit. Eine entsprechende Vereinbarung im Rahmen einer übertragenen Sanierung wurde nun wirksam abgeschlossen. Finanzielle Konditionen der Transaktion gaben die Beteiligten nicht bekannt. Der Geschäftsbetrieb am Hauptsitz in Duisburg lief seit dem Insolvenzantrag Ende März dieses Jahres uneingeschränkt weiter. Das verhalf den Verhandlungen zum Erfolg. Die Noscendo GmbH wurde Ende 2016 gegründet. Das Startup ging aus einer vierjährigen Forschungskooperation zwischen dem Fraunhofer IGB in Stuttgart und dem MFPL Wien hervor. Das Unternehmen entwickelte mit der Plattform DISQVER eine innovative Methode zur molekularbiologischen Erreger-Bestimmung mittels Next-Generation-Sequenzierung aus zellfreier DNA. Krankheitserreger lassen sich so in weniger als 24 Stunden präzise identifizieren. Universitätskliniken und große Klinikkonzerne setzen das Verfahren bereits in der Praxis ein. Das Startup schloss zudem Selektivverträge mit großen Krankenkassen wie der Techniker Krankenkasse ab.

Trotz der technologischen Innovationskraft und dem Zufluss von fast 40 Mio. EUR Risikokapital entwickelte sich die Kommerzialisierung der Technologie langsamer als erwartet. Die langwierige Markteinführung aufgrund von Verzögerungen bei den Selektivverträgen verlängerte den Weg zu einer breiteren Marktdurchdringung. Auch der hohe wirtschaftliche Druck auf die Kliniken hemmte die Entwicklung. Als Mitte Februar 2026 eine geplante weitere Finanzierungsrunde durch die Bestandsinvestoren scheiterte und Verhandlungen mit potenziellen Käufern im März ohne Ergebnis blieben, folgte der Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung.

Umstrukturierung sichert Fortführung

Sarah Wolf, Anchor Rechtsanwälte

„Die vorhandene technologische Substanz und die hohe Relevanz des Produkts für die Patientensicherheit haben mich und unser Team von Anfang an zuversichtlich gestimmt, dass eine Fortführungslösung im Sinne der Gläubiger und Partner realisierbar ist“, erklärt Insolvenzverwalterin Sarah Wolf von Anchor Rechtsanwälte. Für den Erfolg des M&A-Prozesses war eine grundlegende Restrukturierung der Standortstruktur notwendig. Die Kaufinteressenten zeigten ausschließlich Interesse an der patentgeschützten Software, den gewerblichen Schutzrechten sowie den IT- und Vertriebsmitarbeitern in Duisburg. Aus diesem Grund stimmte Insolvenzverwalterin Sarah Wolf bereits im April dem Antrag der Geschäftsführung auf eine Teilbetriebseinstellung des Labors in Reutlingen zu. Im Rahmen des Erwerberkonzepts werden ausgewählte Vermögenswerte sowie Mitarbeitende vom Käufer übernommen. „Die Maßnahmen dienten der zwingend notwendigen Verschlankung des Unternehmens und letztlich dessen Erhalt. Nur durch diesen harten strategischen Schnitt konnte die Attraktivität der übrigen Assets der Noscendo GmbH für Investoren erhöht und die Basis für den erfolgreichen Verkauf, den Erhalt des Produktes sowie die Sicherung eines Teils der Arbeitsplätze geschaffen werden“, begründet Geschäftsführer Andreas Käpplein den Schritt.

Die interne Abläufe wurden in enger Abstimmung mit dem team stabilisiert. Die Veräußerung der wertvollen Patente und der Software ist damit gesichert. „Dass wir nun mit Bruker einen so starken strategischen Partner präsentieren können, ist ein hervorragendes Signal für die Weiterentwicklung dieser lebensrettenden Technologie“, ergänzt Sarah Wolf. Der M&A-Prozess wurde von der Centuros Consult GmbH aus Hamburg begleitet. Die verbliebenen Vermögenswerte des Duisburger Diagnostik-Startups gehen im Zuge der Sanierung an den Käufer über. Damit bleiben wertvolles Know-how und ein Teil der Arbeitsplätze am Standort Duisburg erhalten. Der weltweit führende Anbieter im Bereich analytischer Technologien führt die Plattform nun unter neuem Dach fort.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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