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Illiquidität ist Teil des Geschäftsmodells von Private Markets: Der lange Anlagehorizont gibt Fondsmanagern die Zeit, Unternehmen weiterzuentwickeln. Wenn sich Exits jedoch verzögern und Ausschüttungen sinken, braucht der Markt zusätzliche Wege, um Kapital zurückzuführen. Sekundärmärkte übernehmen dabei eine immer wichtigere Funktion.
Private Equity braucht langfristiges Kapital, weil Fonds den geschaffenen Wert meist erst beim Verkauf einer Beteiligung realisieren. Verzögert sich dieser Schritt, bleibt das Kapital länger gebunden. Dies zeigt sich derzeit deutlich: Die Zahl der weltweiten Exits im ersten Halbjahr 2026 ging zwei Quartale in Folge zurück. Der Exitwert stieg zwar um 12 % auf 618 Mrd. USD, doch rund 40 % entfielen allein auf den Zusammenschluss von xAI und SpaceX. Dahinter steht insofern keine breite Erholung.
Vor diesem Hintergrund trifft der hohe Kapitaleinsatz der Jahre 2021 und 2022 auf eine langsame Exitaktivität. Dadurch sind die Haltedauern über ihren historischen Durchschnitt gestiegen. In den USA erhöhte sich etwa die Zeit zwischen Erwerb und Verkauf von 5,2 Jahren vor der Pandemie auf sechs Jahre im Jahr 2025. Weltweit werden 35 % der rund 30.000 Portfoliounternehmen bereits seit mehr als sechs Jahren gehalten.
Für Anleger zeigt sich der Rückstau in den Ausschüttungen: Gemessen am Nettoinventarwert seit vier Jahren unter 15 %. Ende 2025 erklärte mehr als die Hälfte der von Private Equity International befragten Limited Partners (LPs), dass frühere, noch nicht abgerufene Zusagen neue Investments begrenzten. Investitionsbereitschaft und verfügbares Kapital fallen somit auseinander.
Deshalb gewinnt Distributions to Paid-In Capital (DPI) an Bedeutung. Die Kennzahl zeigt, wie viel des eingezahlten Kapitals zurückgeflossen ist. Laut McKinseys Global Private Markets Survey 2026 ist sie inzwischen ebenso wichtig wie der buchhalterische Multiple on Invested Capital (MOIC), der auch nicht realisierte Werte umfasst.
Für die Rückführung des Kapitals ist entscheidend, welcher Exitweg offensteht. In den USA stieg der Wert Private-Equity-gestützter Börsengänge im ersten Halbjahr 2026 zwar auf 27,6 Mrd. USD. Die Aktivität konzentrierte sich jedoch auf Bereiche wie Industrie und Luftfahrt.
Auch in Europa war die Erholung ungleichmäßig: Der Exitwert nahm im Jahresvergleich um 59 % zu, doch im zweiten Quartal entfielen rund zwei Drittel des Volumens von 158 Mrd. EUR auf nur 22 Großtransaktionen.
Investoren müssen daher zwischen Zeit und Preis abwägen. Ein Verkauf schafft Liquidität, kann aber einen Abschlag erfordern. Weiteres Halten wahrt die Chance auf einen höheren Preis, verzögert jedoch die Ausschüttungen. Finanzierungen auf Basis des Nettoinventarwerts können Liquidität schaffen, erhöhen aber die Verschuldung und müssen aus späteren Erlösen zurückgezahlt werden. Anleger sollten daher zwischen Rückflüssen aus Verkäufen und zusätzlicher Verschuldung unterscheiden.
Sekundärmärkte bringen neue Käufer ins Spiel
Um Liquidität zu schaffen, hat sich neben Finanzierungen zudem der Sekundärmarkt als Weg etabliert. Dabei werden bestehende Fondspositionen oder Beteiligungen übertragen: Bei einer von Investoren angestoßenen Transaktion verkauft ein LP seine Fondsposition, ohne dass das zugrunde liegende Unternehmen regulär verkauft wird. So kann Kapital freigesetzt oder das Portfolio neu ausgerichtet werden, während der Käufer die Position und ihre künftigen Rückflüsse übernimmt.
Bei einer managerinitiierten Transaktion überträgt die Fondsmanagerin beziehungsweise der Fondsmanager eine oder mehrere Beteiligungen aus einem älteren Fonds in einen Fortführungsfonds (Continuation Fonds). Die bisherigen Anleger können ihre Position verkaufen oder in das neue Vehikel wechseln. Continuation Fonds sind eine verbreitete Form der GP-led Secondaries. Sie geben Anlegern eine Wahlmöglichkeit und Fondsmanagern mehr Zeit für die weitere Unternehmensentwicklung. Da die Interessen von GP, bestehenden LPs und neuen Investoren auseinanderfallen können, sind transparente Informationen, faire Wahlmöglichkeiten und eine unabhängige Bewertung entscheidend.
Secondaries sind längst kein Randthema mehr. Laut Evercore erreichte das weltweite Sekundärmarkttransaktionsvolumen 2025 den Rekordwert von 226 Mrd. USD, 41 % mehr als im Vorjahr. Davon entfielen 120 Mrd. USD auf Verkäufe durch Anleger und 106 Mrd. USD auf managerinitiierte Transaktionen, vor allem über Continuation Funds.
Dennoch machen Sekundärmärkte Private Equity nicht börsentäglich handelbar. Jede Transaktion braucht Käufer, belastbare Informationen und einen akzeptierten Preis. Rückgabemöglichkeiten offener Fonds hängen zudem von den jeweiligen Bedingungen, verfügbaren Barmitteln und der Exitaktivität des Portfolios ab. Sekundärmärkte schaffen somit zusätzliche Flexibilität, aber keine jederzeitige Verfügbarkeit.
Was Unternehmer daraus ableiten sollten
Den Unterschied zwischen Wert und verfügbarem Kapital kennen Unternehmer aus dem eigenen Betrieb. Liquidität schafft unternehmerischen Spielraum, etwa für schwierige Phasen oder neue Produkte. Dieses Spannungsfeld prägt auch ihre privaten Anlageentscheidungen. Wer nach einem Unternehmensaufbau oder Exit in Private Markets investiert, sollte neben Renditechancen auch die Liquidität und die damit verbundene Handlungsfähigkeit berücksichtigen. Vor einer Investition sollte feststehen, welcher Teil ihres Vermögens langfristig gebunden bleiben kann, ohne betriebliche Vorhaben, Steuern, Nachfolge oder private Verpflichtungen zu beeinträchtigen.
Bei der Fondsauswahl zählen neben der ausgewiesenen Rendite die tatsächlichen Ausschüttungen und ihre Quellen. Anleger sollten prüfen, ob ein Portfolio mehrere realistische Exitwege besitzt, wie Finanzierungen auf Fondsebene eingesetzt werden und welche Regeln, Fristen und mögliche Abschläge für einen Sekundärverkauf gelten.
Auch Kapitalabrufe und Ausschüttungen gehören gemeinsam geplant. Reserven für offene Zusagen sollten außerhalb des illiquiden Portfolios liegen. Eine Streuung über verschiedene Jahrgänge, Strategien und Manager kann die Abhängigkeit von einzelnen Exitfenstern verringern. Sekundärfonds können reifere Portfolios erschließen und potenziell frühere Ausschüttungen bieten. Marktpreisrisiken und Illiquidität bleiben jedoch bestehen.
FAZIT
Aufgrund ihres langfristigen Ansatzes sind Private Markets nicht so liquide wie eine Börse. Gerade bei längeren Exitzeiten wird deshalb eine realistische Liquiditätsplanung wichtig. Gute Fondsmanager bereiten mehrere Verkaufswege vor und legen die Herkunft von Ausschüttungen offen. Sekundärmärkte ergänzen diese Wege und geben Anlegern zusätzliche Wahlmöglichkeiten. Unternehmer sollten diese Flexibilität bereits vor der Investition in ihre Planung einbeziehen – nicht erst dann, wenn das Kapital gebunden ist.
👉 Dieser Beitrag erscheint auch in der aktuellen Magazinausgabe der Unternehmeredition 3/2026 mit dem Themenschwerpunkt „Unternehmensverkauf/M&A“.
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