Wirtschaftsprognosen: Servicesektor erholt sich weiter im August

Die Wirtschaftsprognosen haben sich erneut deutlich verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Juni auf 101,8 Punkte gestiegen.
(c) Naypong Studio

Die Dienstleister blieben auch im August auf Erholungskurs – dies ist ein Ergebnis des IHS Markit Service-Index Geschäftstätigkeit für Deutschland. Der Index notierte im August mit 60,8 Punkten erneut komfortabel über der wichtigen 50-Punkte-Schwelle und nur leicht unter dem Allzeithoch von Juli. Mit dieser erfreulichen Nachricht beginnen wir die Übersicht über aktuelle Wirtschaftsprognosen.

Mit dem anhaltenden Aufwärtstrend gehe aber auch ein hoher Preisdruck einher, was zu neuen Höchstwerten bei Einstands- und Angebotspreisen führte. Nach den Befragungen von IHS Markit zeigten die verbrauchernahen Teilsektoren sowie die Post- & Telekommunikationsbranche die deutlichsten Zuwächse. Den aktuellen Auswertungen zufolge nahm sowohl die Binnen- als auch die Exportnachfrage zu. Viele Firmen gaben in der IHS-Markit-Befragung an, aufgrund unzureichender Kapazitäten und Materialknappheit Schwierigkeiten zu haben, mit der Nachfrage Schritt zu halten. Dies habe auch dazu geführt, dass eine Vielzahl der Serviceanbieter neue Mitarbeiter einstellt.

Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit, kommentiert die aktuellen PMI Daten: „Nach der Rekord-Performance im Juli traten die deutschen Serviceanbieter im Umfragemonat nochmals aufs Gas und übernahmen das Steuer von den Herstellern, die bislang maßgeblich für den Aufschwung gesorgt hatten. Zwar scheint es, als hätte die monatliche Zuwachsrate ihren Zenit überschritten, doch die Weichen für ein solides Wachstum im dritten Quartal sind bereits gestellt. Obgleich die Delta-Variante einen Risikofaktor für die kurzfristige Nachfrage im Tertiärsektor darstellt, behielten sich die Manager hier ihren Optimismus bei.“

Merklich weniger Kurzarbeiter

Die Zahl der Kurzarbeitenden in Deutschland ist im August merklich gesunken, von 1,06 Millionen auf 688.000 Menschen. Das schätzt das Münchener ifo Institut auf der Grundlage seiner Konjunkturumfrage und den Daten der Bundesagentur für Arbeit. „Einzig das Gastgewerbe hatte im August noch 10,1 Prozent Kurzarbeit, was 107.000 Menschen entspricht. Allerdings ging die Zahl auch hier erheblich zurück, denn im Vormonat betrug der Wert noch 17,1%“, sagt ifo-Umfrageexperte Stefan Sauer. Der Rückgang zog sich im August durch nahezu alle Wirtschaftszweige. Die Zahl der Kurzarbeitenden liegt damit erstmals seit Beginn der Coronakrise unter einer Million“, fügt er hinzu.

Insolvenzen bei Großunternehmen sinken weiter

Die Talfahrt bei den Insolvenzanmeldungen von Großunternehmen geht auch im zweiten Quartal 2021 weiter. Das ist eines der Ergebnisse des Insolvenz-Report von Falkensteg. Zwischen April und Juni dieses Jahres hätten lediglich 14 Unternehmen mit einem Umsatz größer 20 Mio. Euro bei den Amtsgerichten einen Insolvenzantrag gestellt. Gegenüber dem Quartal zuvor sei das ein Rückgang von 17%. Gegenüber dem Vorjahresquartal sei die Quote sogar um 78% gesunken. Als eine Erklärung sieht der Report staatlichen Hilfsprogramme wie Kurzarbeitergeld, KfW-Kredite und Überbrückungshilfen. Seit Beginn der Pandemie im Februar 2020 habe der Bund über 153,1 Mrd. Euro an Unternehmen ausgeschüttet. Die meisten Gelder seien laut EU-Beihilfedatenbank in die Gastronomie, den Maschinenbau und Automotive (Produktion, Handel und Vermietung) geflossen. „Der weitere Sinkflug zeigt eindeutig, dass die Maßnahmen weit über das Ziel hinausgeschossen sind. Natürlich muss den unverschuldet in die Krise geratenen Firmen geholfen werden, aber das andauernde Gießkannenprinzip hemmt in vielen Branchen den erforderlichen Strukturwandel und hält unrentable Unternehmen am Leben. Nach anderthalb Jahren muss die Notfallmedizin nun beendet werden. Die Hilfsgelder dürfen nicht zur Langzeitpille werden. Vielmehr sollten weitere Förderungen gezielt und befristet eingesetzt werden, die das Wachstum finanzieren und die Liquiditätsfalle verhindern. “, sagt Studienautor Johannes von Neumann-Cosel von Falkensteg. „“

Lage der Autoindustrie schlechter

Die Lage der deutschen Autohersteller und ihrer Zulieferer hat sich im August kurz vor der Leitmesse IAA empfindlich abgekühlt. Der entsprechende Index des ifo-Instituts halbierte sich fast auf auf 28,8 Punkte. „Das zeigt, dass die Autobranche nach wie vor unter Lieferengpässen von Vorprodukten leidet, insbesondere bei Chips“, sagt Oliver Falck, der Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien. Die Produktionspläne für die kommenden Monate hätten sich allerdings aufgehellt – ebenso wie die Exporterwartungen.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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