Wirtschaftsprognosen: Lieferengpässe bremsen weiter

Aktuelle Wirtschaftsprognosen
© Naypong Studio, adobe_stock

Auch im November hatten die deutschen Hersteller angesichts der anhaltenden Probleme in den Lieferketten Schwierigkeiten, die Produktion hochzufahren. Der IHS Markit Einkaufsmanagerindex ging im November weiter leicht zurück. Mit diesen nachdenklichen Nachrichten beginnen wir die Übersicht über aktuelle Wirtschaftsprognosen.

„Die Daten von November zeigen, dass die Produktion in Deutschlands Industriesektor weiterhin nur gedrosselt läuft, da viele Unternehmen nach wie vor Schwierigkeiten haben, Rohmaterialien zu beschaffen“, kommentiert Phil Smith, Associate Director bei IHS Markit die aktuelle Situation.  Parallel zu den fortgesetzten Lieferengpässen gehe der Preisanstieg unvermindert weiter. Positiv sei, dass sich die Unternehmen beim Geschäftsausblick etwas positiver zeigen. Auch bei der Beschäftigung sei ein Zuwachs zu erwarten.

ZEW und KfW sehen spätere Konjunkturerholung

Das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim erwartet eine zeitliche Verschiebung der prognostizierten Wirtschaftserholung auf das Jahr 2022. Dies führt gleichzeitig dazu, dass die aktuellen Prognosen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland im Jahr 2021 deutlich nach unten revidiert wurden. Ursprünglich hatte das ZEW einen Wert von 4% erwartet nun rechnen die Experten nur noch mit 2,7%. Dafür soll die Wirtschaft im Jahr 2022 um 4,6% wachsen. Dies deckt sich mit den Schätzungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW):  Für das kommende Jahr erwartet KfW Research für 2022 mit 4,4%  ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum als 2021 mit 2,6%. „Ein Teil des Wachstums verlagert sich in das kommende Jahr und das deutsche Bruttoinlandsprodukt bleibt in diesem Jahr noch leicht, um gut ein Prozent, hinter dem Vorkrisenniveau im vierten Quartal 2019 zurück“, erklärt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW

Lage der Autoindustrie wird schlechter

Die Lage in der deutschen Autoindustrie hat sich nach einer aktuellen Untersuchung des Münchener ifo-Instituts verschlechtert. Der entsprechende ifo-Branchen-Indikator fiel  um die Hälte auf 9,6 Punkt. Der Abwärtstrend sei vor allem durch die Situation der Zulieferer geprägt. „Die Zulieferer schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als die Hersteller“, sagt Oliver Falck, der Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien. Der entsprechende Branchen-Index der Zulieferer sei auf minus 23,0 Punkte gefallen.

Die Geschäfte der Hersteller würden weiterhin sehr gut laufen. „Die Impulse kommen vor allem von den ausländischen Absatzmärkten“, führt Falck seine Einschätzung fort. Die Branchenerwartungen für den Export seien sehr positiv und auch die Produktionsaussichten seien hervorragend. „Allerdings klagten alle Hersteller weiterhin über Lieferengpässe“, ergänzt Falck. Die Hersteller wollen kaum Personal abbauen aber auch kein neues Personal einstellen. Die Lage der Zulieferer hat sich nach Einschätzung der ifo-Experten dagegen deutlich eingetrübt. Die Auftragslage bleibe angespannt.

Zahlungsmoral bleibt auf hohem Niveau

Die deutschen Unternehmen haben im dritten Quartal 2021 nach einer aktuellen Erhebung der Creditreform genauso (un)pünktlich gezahlt wie im Vorjahreszeitraum. Der Zahlungsverzug beim Begleichen der Rechnungen bleibe angesichts der Corona-Situation auf einem niedrigen Niveau. Der branchenübergreifende Zahlungsverzug in Deutschland beträgt nach Ermittlung der Creditreform nur noch 9,4 Tage und verharrt damit auf einem gleichbleibend positiven Wert. „Ähnlich wie das bisher rückläufige Insolvenzgeschehen und die niedrigen Überschuldungsquoten bei den Verbrauchern ist auch die verbesserte Zahlungsmoral zunächst ein paradoxes Phänomen. Zur Stabilisierung haben vor allem die massiven staatlichen Hilfsmaßnahmen beigetragen, durch die große Mengen Liquidität an die Unternehmen ausgereicht wurden“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Am schnellsten werden die Rechnungen in den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern gezahlt – einen Tag schneller als im Bundesdurchschnitt.

Materialmangel verstärkt sich

Der Materialmangel in der deutschen Industrie wird zu einem immer größeren Problem. 74,4% der Firmen klagten nach einer Befragung durch das Münchener ifo-Institut über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen. Das seien vier Prozentpunkte mehr als im Oktober „Die erhoffte Entspannung ist ausgeblieben. Ein Ende der Flaschenhals-Rezession in der Industrie ist nicht in Sicht“, sagt der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. In nahezu allen Branchen sei die Anzahl der Unternehmen mit Beschaffungsproblemen gestiegen. Einzige Ausnahme sind die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen.

 

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

Vorheriger ArtikelHannover Finanz investiert in die Bühr Group
Nächster ArtikelPrivate Equity trifft Corporate M&A