DBAG erwirbt Mehrheit der R+S Group

DBAG übernimmt R+S

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) investiert in die R+S Group AG (R+S), einen Anbieter für technische Gebäudeausrüstungen. Die DBAG erwirbt die Anteile des bisherigen Mehrheitsgesellschafters, der conzima Construction GmbH, für einen Preis von 15 Mio. EUR. Die Transaktion steht unter einem Finanzierungsvorbehalt und unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden. Der Abschluss der Transaktion wird im April erwartet.

R+S zählt nach Angaben der DBAG in Deutschland zu den führenden Unternehmen in der technischen Gebäudeausrüstung. Das Unternehmen ist ein Komplettanbieter mit einem Leistungsspektrum von Elektroanlagenbau und Energie- und Steuerungstechnik bis zu Heizungs-/Klima- und Lüftungstechnik. Zu den aktuellen Projekten zählen der Bau des neuen Terminals 3 am Flughafen in Frankfurt am Main und ein Erweiterungsbau für das Universitätsklinikum Frankfurt. 2020 hat R+S einen Umsatz von rund 360 Mio. EUR erzielt. Das Unternehmen beschäftigt 3.000 Mitarbeiter an 30 Standorten in Deutschland, davon rund 500 am Hauptsitz in Fulda (Hessen).

Zweite langfristige Beteiligung der DBAG

Die DBAG will verstärkt auf Eigenkapitalbeteiligungen setzen, die sie länger im Portfolio halten kann als es die Laufzeitbegrenzung üblicher Private-Equity-Fonds zulässt. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich mit Mitteln aus der eigenen Bilanz. Eine erste langfristige Beteiligung wurde im September 2020 vereinbart: Die Hausheld AG entwickelt intelligente Zählerlösungen für Stromnetzwerke.

R+S in der „Neuaufstellung“

Bereits bei der Vorstellung des Jahresabschlusses hatte DBAG-Vorstandschef Torsten Grede angekündigt, dass man sich auch nach Unternehmen „mit operativen Herausforderungen“ umschauen wird. Konkret heißt das: Die DBAG interessiert sich auch für Krisenfälle und ist damit ein neuer Player im Distressed M&A-Markt. Die R+S ist ein erstes konkretes Beispiel, denn laut der heutigen DBAG-Pressemitteilung hat das Unternehmen bei den früheren Akquisitionen „geplante Synergien nicht erreicht“ und zudem wurde die Ertragslage durch „einige nicht ausreichend profitable Großprojekte“ belastet. Weiterhin seien „aufgrund der Pandemie vielversprechende Neubauprojekte verschoben“ worden. Die DBAG kündigt an, die bereits weit fortgeschrittene Neuaufstellung des Unternehmens in den kommenden Jahren abzuschließen. Weitere Unternehmenszukäufe sind ebenfalls geplant.

DBAG will R+S voranbringen

Hunecke
Jannick Hunecke © DBAG

„Wir beteiligen uns an einem Unternehmen im Kernsektor Industriedienstleistungen und mit attraktiver Marktposition, das in den vergangenen zwei Jahren gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung geschaffen hat“, sagte Jannick Hunecke, seit 1. März 2021 neues Mitglied des DBAG-Vorstands aus Anlass der Vertragsunterzeichnung am Freitag der vergangenen Woche. „Die DBAG hat in der Vergangenheit sehr erfolgreich in Unternehmen mit vergleichbaren Geschäftsmodellen investiert und wird ihre Erfahrung nutzen, um als langfristiger Partner R+S weiter voranzubringen.“ Ralph Burkhardt, Vorstandsvorsitzender der R+S Group AG, hebt neben dem finanziellen vor allem den inhaltlichen Beitrag der DBAG hervor: „Mit unseren neuen Anteilseignern sind wir gut aufgestellt, um unser Angebot um weitere Gewerke zu erweitern und uns stärker Kunden in besonders zukunftsträchtigen Industrien zuzuwenden.“

Prognose für 2021 nach oben korrigiert

Deutlich nach oben korrigiert hat die DBAG ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2020/2021, das bis zum 30. September 2021 läuft. „Sie geht inzwischen davon aus, dass das Konzernergebnis 2020/2021 innerhalb einer Spanne zwischen 70 und 80 Millionen Euro liegen wird. Zuvor war ein Konzernergebnis in einer Spanne zwischen 40 und 45 Millionen Euro erwartet worden. Die erwartete Ergebnisverbesserung beruht auf deutlich höheren Netto-Erträgen aus dem Beteiligungsgeschäft. Dies verbessert auch die Chancen für erfolgreiche Veräußerungen.“, heißt es in einer Ad-hoc-Mitteilung aus der vergangenen Woche. Als Begründung für die besseren Aussichten nennt das Unternehmen die bessere Entwicklung der 34 Portfoliounternehmen.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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