Bereits elf Energieversorger in kurzer Zeit insolvent

Energieversorger insolvent
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Die Serie von Insolvenzen im Energiesektor geht weiter. Der sprunghafte Anstieg bei den Preisen für Erdgas und Strom hat dazu geführt, dass einige kleinere Versorgungsunternehmen unplanmäßig den „Stecker ziehen“ mussten. Die Ursache liegt in dem hohen Anstieg der Kosten auf dem kurzfristigen Spot-Markt für Erdgas. In der Folge wirkte sich diese Preisexplosion um teilweise bis zu 400% auch auf die Einkaufspreise für Strom aus. Diese stiegen dann an einigen Tagen um das Dreifache. Bis Mitte Dezember des vergangenen Jahres meldeten die Unternehmen Neckermann Strom, Fulminant Energie, Smiling Green Energy, Lition Energie, Otima Energie, in.power, Energie für uns und die Dreischtrom GmbH Insolvenz an. Diese immerhin acht Firmen hatten überwiegend zwischen mehreren Tausend Kunden, die dann von den jeweiligen Grundversorgern beliefert werden. In diesen Fällen müssen teilweise aber deutlich höhere Tarife gezahlt werden, weil auch diese Grundversorger die zusätzliche Energie zu höheren Kosten einkaufen müssen.

Inzwischen elf Unternehmen pleite

Zum Jahresende gab der Strom-Discounter Stromio GmbH bekannt, dass er die Versorgung seiner Kunden einstellen muss. Zu dem Unternehmen gehörten die Marken „Stromio“ und „Grünwelt Energie“ und nach Branchen-Schätzungen liegt hier die Zahl der Kunden bei mehreren Hunderttausend.  Gestern nun wurde bekannt, dass die enyway GmbH aus Hamburg Insolvenz anmelden muss. Die Hamburger Nachhaltigkeits-Onlineplattform ermöglicht privaten Stromerzeugern den direkten Stromverkauf an Endkunden und Endverbrauchern sowie die direkte Beteiligung an Crowd-Funding Projekten im Nachhaltigkeitsbereich. Auch hier wurde als Ursache die zum Ende 2021 explosionsartig gestiegenen Großhandelspreise für Strom als Ursache genannt.

Das nächste Opfer dieser außergewöhnlichen Preisrallye ist nun die Kehag Energiehandel GmbH aus Oldenburg. Nach einem Bericht des Branchenmagazins „energate“ kündigte das Unternehmen in einem Schreiben an die Kunden bereits Ende 2021 an, die Lieferung mit Strom und Gas einzustellen. Die Gesamte Kehag-Unternehmensgruppe machte nach eigenen Angaben zuletzt einen Jahresumsatz von 297 Millionen Euro und beschäftigt 75 Mitarbeiter.

Folgen weitere Insolvenzen?

Die Entwicklung der kommenden Woche wird zeigen, ob über die bisherigen elf Insolvenzen hinaus weitere Energieversorger unter der Last der hohen Preise auf den Märkten für kurzfristigen Energiebezug zusammenbrechen. Zum Jahresende lag der Preis an der Strombörse bei rund 240 EUR für eine Megawattstunde. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 43 EUR. Branchenexperten rechnen erst im Frühjahr mit einem deutlicheren Absinken des Preisniveaus.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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