Die deutsche Wirtschaft bleibt auch im Übergang zum Jahr 2026 unter Druck. Nach Jahren multipler Belastungen durch Pandemie, geopolitische Spannungen, gestiegene Energiepreise und strukturelle Standortprobleme zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) erneut ein eingetrübtes Bild. Trotz einzelner Lichtblicke in bestimmten Regionen oder Sektoren ist eine breit getragene wirtschaftliche Wende weiterhin nicht in Sicht. Die Befragung von knapp 2.000 Unternehmen im Herbst 2025 zeigt: Die Geschäftslage bleibt angespannt, die Aussichten für das kommende Jahr sind verhalten. Zwar berichten einige Unternehmen von einer stabilisierten Situation, doch überwiegt in vielen Branchen und Regionen die Skepsis. Insbesondere die Industrie bleibt der Sorgenbereich der deutschen Konjunktur.
Schwache Entwicklung setzt sich fort
Die wirtschaftliche Schwäche ist kein neues Phänomen, sondern das Ergebnis eines längerfristigen Abwärtstrends. Bereits in den Vorjahren zeigte sich, dass sich die Erholung nach dem pandemiebedingten Einbruch nicht dauerhaft verstetigen konnte. Frühzeitig positive Signale wurden durch neue Belastungen konterkariert. Handelskonflikte, Lieferkettenprobleme und die geopolitische Neuordnung infolge internationaler Krisen dämpfen weiterhin die außenwirtschaftlichen Impulse.
Gleichzeitig erschweren strukturelle Standortprobleme – etwa hohe Energiepreise, zunehmende Regulierung und steigende Arbeitskosten – den Unternehmen eine nachhaltige Expansion. Die Industrie, als tragende Säule der deutschen Wirtschaft, steht dabei besonders unter Druck. Die Folge ist eine schwache Investitionstätigkeit, die bereits seit Jahren zu beobachten ist und sich nach Einschätzung des IW 2026 weiter verschärfen wird.
Kaum Investitionsdynamik in Sicht
Zwar gibt es politische Programme zur Förderung von Zukunftstechnologien, Dekarbonisierung und digitaler Infrastruktur. Doch in der Unternehmenspraxis kommt diese Unterstützung bislang nicht ausreichend an. Die IW-Umfrage macht deutlich, dass viele Betriebe weiterhin zögern, neue Investitionen zu tätigen. Die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung bleibt hoch, was sich unmittelbar auf die Investitionsentscheidungen auswirkt. Gerade in der Industrie fehlt es an Impulsen. Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Automobilzulieferung und der Grundstoffindustrie erwarten in vielen Fällen keinen Aufschwung. Stattdessen sehen sie sich mit sinkender Nachfrage und hohen Standortkosten konfrontiert. Auch in den Dienstleistungsbranchen überwiegt die Vorsicht. Besonders im Handel und bei unternehmensnahen Dienstleistungen bremsen eine schwache Konsumneigung und die industrielle Flaute das Wachstum.
Arbeitsmarkt: Verlagerung statt Aufbau
Der Arbeitsmarkt bleibt ebenfalls angespannt. In den vergangenen drei Jahren kam es bereits zu einem schrittweisen Beschäftigungsabbau – vor allem in der Industrie. Dieser Trend dürfte sich 2026 fortsetzen. Viele Unternehmen setzen auf Personalreduktion, um Kosten zu senken und ihre Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Neueinstellungen sind nur in begrenztem Umfang zu erwarten, insbesondere dort, wo Digitalisierung und Automatisierung voranschreiten. Auch in der Bauwirtschaft, die zwischenzeitlich von öffentlichen Investitionen profitiert hatte, zeigt sich keine klare Erholung. Hohe Materialkosten, gestiegene Finanzierungskosten und regulatorische Unsicherheiten bremsen die Bautätigkeit weiter. Ein nennenswerter Beschäftigungsaufbau erscheint auch in diesem Sektor wenig wahrscheinlich.
Keine Erholung in Sicht
Regional zeigt sich ein gespaltenes Bild. Während Unternehmen in Bayern und im Norden Deutschlands vergleichsweise optimistisch auf das Jahr 2026 blicken, bleibt die Stimmung in anderen Regionen gedämpft. Besonders im Nordosten rechnen viele Betriebe mit einer rückläufigen Geschäftsentwicklung. Damit wird deutlich, dass auch eine regionale Konjunkturerholung bislang ausbleibt. Die IW-Erhebung ordnet diese Entwicklungen in einen langfristigen Vergleich ein. Dabei wird klar: Seit mehreren Jahren gelingt es der deutschen Wirtschaft nicht, eine stabile Aufwärtsbewegung zu etablieren. Frühere konjunkturelle Schwankungen wurden in der Vergangenheit oft durch kräftige Gegenbewegungen abgefedert. Derzeit fehlt es jedoch an den dazu nötigen Wachstumsimpulsen – sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland.
Blick auf 2026: Abwarten statt Aufbruch
Für das Jahr 2026 erwartet das Institut der deutschen Wirtschaft keine grundlegende Trendwende. Die konjunkturelle Entwicklung dürfte weiterhin von Unsicherheit, Zurückhaltung und strukturellen Herausforderungen geprägt sein. Zwar zeigt sich in einzelnen Sektoren eine gewisse Stabilisierung, doch von einer breiten konjunkturellen Wende kann keine Rede sein. Die Unternehmen bleiben vorsichtig. In der Breite wird mit Stagnation oder Rückgang bei Produktion, Investitionen und Beschäftigung gerechnet. Eine ausgeprägte Aufschwungsdynamik, wie sie nach früheren Krisenphasen oftmals einsetzte, bleibt aus. Das IW kommt zu dem Schluss: Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase der strukturellen Anpassung – eine Erholung erfordert deutlich mehr als konjunkturelle Impulse.
Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.







