Das Institut der deutschen Wirtschaft hat einen Bericht zu den Kosten der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall veröffentlicht. Die Fortzahlung der Gehälter für erkrankte Mitarbeiter kostete die Arbeitgeber im Jahr 2025 geschätzt rund 85.600 Mio. EUR. Diese Aufwendungen haben sich innerhalb von 15 Jahren nominal mehr als verdoppelt. Ein Grund für diesen starken Anstieg ist die Entwicklung des Krankenstands. Autor der Untersuchung ist der Forscher Jochen Pimpertz.
Berechnung der hohen Arbeitgeberaufwendungen
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales weist die Summen in seinem Sozialbudget aus. Nach Angaben des Ministeriums liegen die reinen Lohnkosten für erkrankte Beschäftigte bei 72.500 Mio. EUR. Hinzu kommen geschätzt 13.100 Mio. EUR an zusätzlichen Sozialversicherungsbeiträgen. Die Arbeitgeber zahlen Beiträge lediglich auf Entgelte bis zu den Beitragsbemessungsgrenzen. Lohnerhöhungen lassen die Kosten für die Entgeltfortzahlung bei Krankheiten automatisch ansteigen. Eine gute Entwicklung am Arbeitsmarkt führt zu einer höheren Zahl an anspruchsberechtigten Arbeitnehmern. Das Gehalt wird für dieselbe Erkrankung für bis zu sechs Wochen im laufenden Kalenderjahr weitergezahlt. Erfolgt eine Krankschreibung aufgrund einer anderen Diagnose beginnt diese Frist von neuem. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen ab der siebten Woche ein Krankengeld bis maximal zum Ende der zweiundsiebzigsten Woche. Das Ministerium veranschlagt für die Zeiten des Mutterschutzes weitere 3.200 Mio. EUR im aktuellen Budget.
Unterschiedliche Gründe für den starken Anstieg
Der Krankenstand ist seit rund 20 Jahren kontinuierlich gestiegen. Die elektronische Erfassung der ärztlichen Atteste ab 2022 führte zu einem signifikanten Zuwachs. Das Niveau verharrt seitdem deutlich über den Werten der Zeit vor der Pandemie. Eine demografisch bedingte Alterung der Belegschaften treibt den Krankenstand ebenfalls nach oben. Ältere Mitarbeiter leiden öfter an langwierigen Muskelkrankheiten und Skeletterkrankungen. Der Anteil der Ausfalltage aufgrund psychischer Leiden ist stark gestiegen. Dieser Bereich macht rund 13 % aller Ausfalltage aus. Die Betroffenen stellen jedoch nur knapp 5 % aller Krankheitsfälle dar. Atemwegserkrankungen verursachten im Jahr 2023 gut 29 % aller Krankheitsfälle. Ihr Anteil an den attestierten Ausfalltagen lag bei 16,5 %. Der Krankenstand fällt je nach Branche und beruflicher Tätigkeit stets unterschiedlich hoch aus. Unterschiedliche Wirtschaftsstrukturen und Regeln erschweren zudem internationale Vergleiche massiv.
Strengere Regeln bei der Krankschreibung
Die Bundesregierung plant die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung bei Atemwegserkrankungen. Zudem soll eine Attestpflicht ab dem ersten Fehltag per Gesetz kommen. Bislang müssen Arbeitnehmer spätestens ab dem vierten Fehltag ein ärztliches Attest vorlegen. Der Arbeitgeber kann eine Bescheinigung ab dem ersten Tag verlangen. Arbeitgeber verzichten bei Kurzzeiterkrankungen häufig auf den Nachweis eines ärztlichen Attests. Die geplante Attestpflicht verursacht laut dem Institut der deutschen Wirtschaft zusätzlichen Verwaltungsaufwand in den betroffenen Personalabteilungen. Eine flächendeckende Nutzung der neuen Regel durch Arbeitgeber gilt als sehr unwahrscheinlich. Eine strenge Auslegung der Vorschrift belastet das vertrauensvolle Miteinander im Betrieb. Videogespräche bleiben als Alternative zum Arztbesuch und zum Telefonat weiterhin möglich. Diese Lösung sichert den Kontakt zum Arzt und schließt Zweifel an dem Testat aus. Die niedergelassene Ärzteschaft warnt aktuell vor einer möglichen Überlastung der Praxen. Bisherige Studien liefern keine eindeutigen Hinweise auf einen direkten Zusammenhang. Eine telefonische Krankschreibung führt demnach nicht zwangsläufig zu einem messbar höheren Krankenstand. Es gibt laut Umfragen jedoch vereinzelte Atteste ohne Arztkontakt.
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Hoher Krankenstand treibt Lohnkosten nach oben
Neue Attestpflicht bringt viel Verwaltungsaufwand







