IWH-Prognose: Insolvenzen bleiben im Juni hoch

Insolvenz
(c) Zerbor_adobe_stock

Laut dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle sank die Zahl der Pleiten von Personen- und Kapitalgesellschaften im Mai deutlich. Nach Angaben der Wirtschaftsforscher gab es in Deutschland insgesamt 1 518 Insolvenzen zu verzeichnen. Das seien 15% weniger als im Vormonat April. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt die aktuelle Zahl jedoch um 3% höher. Verglichen mit dem Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019 verzeichnete man einen Zuwachs von 57%. Als eine Erklärung gilt die geringe Anzahl an Arbeitstagen im Mai. Die Zahl der Insolvenzen pro Arbeitstag bleibe dennoch extrem hoch. Nach Angaben der Experten war es der zweithöchste jemals gemessene Wert im Insolvenztrend.

Historischer Höchststand beim Transport

Eine branchenspezifische Aufschlüsselung wird vom Statistischen Bundesamt für diese Gesellschaften nicht veröffentlicht. Entgegen dem allgemeinen Trend gab es im Bereich Verkehr und Lagerei sehr viele Insolvenzen. Das Institut registrierte in diesem Sektor den höchsten jemals erfassten Wert seit Januar 2020. Nach der Interpretation der Experten erhöhen gestiegene Kraftstoffpreise die Kosten der Firmen massiv. Durch Schließungen großer Arbeitgeber drohen den betroffenen Beschäftigten erhebliche Verluste bei den Einkommen. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze liefert eine gute Annäherung an die Gesamtzahl aller betroffenen Jobs.

Weniger betroffene Arbeitsplätze durch Großinsolvenzen

In den größten 10% der insolventen Unternehmen waren im Mai über 11 000 Jobs betroffen. Laut der Untersuchung lag diese Zahl deutlich unter dem Niveau vom Vormonat April. Man verzeichnete dort ein Minus von 43%. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es einen Rückgang um 22%. Allerdings lag der Wert um 73% über dem Mai-Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Der Rückgang bei den Arbeitsplätzen beruhe vor allem darauf, dass besonders große Unternehmensinsolvenzen im Mai ausblieben.

Zuverlässige Frühindikatoren und trübe Aussichten

Das Institut liefert jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen. Die Ergebnisse weisen nur geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen auf. Diese amtlichen Zahlen erlauben mit etwa zwei Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung. Für Analysen wertet das Institut die aktuellen Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus. Zudem verknüpft man sie mit den Bilanzkennzahlen der betroffenen Unternehmen. Die gemeldeten Fälle umfassen in der Regel mehr als 90% der betroffenen Arbeitsplätze. Zudem bilden sie 95% der gesamten Forderungen verlässlich ab. Dank seiner Expertise gehört das Institut bundesweit zu den führenden Einrichtungen.

Anhaltend hohes Niveau im Juni erwartet

Das Institut erhebt zudem wichtige Frühindikatoren. Diese laufen dem eigentlichen Insolvenzgeschehen in der Regel zwei bis drei Monate voraus. Der Leiter der Insolvenzforschung Steffen Müller erwartet keine dauerhafte Entspannung. Aufgrund hoher Werte der Frühindikatoren in den Vormonaten werde das Niveau hoch bleiben. Der Experte prognostizierte: „dass die Insolvenzzahlen im Juni auf ähnlich hohem Niveau verharren werden.“

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

Vorheriger ArtikelSanierung geglückt: Perlon-Gruppe wird verkauft
Nächster ArtikelNobix Group übernimmt blackpoint