Sanierung geglückt: Perlon-Gruppe wird verkauft

Foto: © AdobeStock_VRD
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Die Wuxi Yinda Nylon Co. Ltd. übernimmt die Perlon-Gruppe. Nach Angaben der Kanzlei SGP Schneider Geiwitz wurde der rechtliche Vollzug dieser globalen Transaktion zum 3. Juni 2026 erfolgreich abgeschlossen. Das chinesische Chemieunternehmen hat sich in einem weltweiten Investorenprozess gegen nationale sowie internationale Interessenten durchgesetzt. Laut dem Sanierungsteam steuerte die M&A-Beratungsfirma Falkensteg den globalen Prozess. Das gerichtliche Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung wurde am 1. Oktober 2025 eröffnet. Die Kaufverträge wurden in enger Abstimmung mit den Gläubigerausschüssen umgesetzt. Auch der Sachwalter Dr. Max Liebig war in diesen Prozess eingebunden. Die operativen Gesellschaften sind nun in eine neue, finanziell unabhängige Eigentümerstruktur überführt worden. Dadurch bleibt die Traditionsmarke als Unternehmensgruppe dauerhaft erhalten.

Rettung hunderter Arbeitsplätze

Nach Angaben von SGP Schneider Geiwitz konnten fast 450 der knapp 510 Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden. Trotz tiefgreifender operativer Restrukturierungsmaßnahmen bleibt die Zukunft des Herstellers synthetischer Filamente damit langfristig gesichert. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Rettung war laut dem Sanierungsteam die außergewöhnliche Stabilität im operativen Bereich. Das Verfahren umfasste insgesamt sieben deutsche Gesellschaften der Gruppe. Betroffen waren die zentralen Standorte Bobingen, Munderkingen und Wald-Michelbach. Produktion und Vertrieb liefen in den Werken während der gesamten Monate ohne größere Einschränkungen weiter. Dies sicherte das Vertrauen der weltweiten Kundenbasis. Zudem bot es die notwendige Zeit für die Verhandlungen.

Lob für die Belegschaft

„Wir sind sehr froh und erleichtert, dass nach intensiven Verhandlungen eine langfristig tragfähige Lösung für die Perlon-Betriebe in Deutschland, Polen und China gefunden werden konnte. Unser ganz besonderer Dank gilt dem Perlon-Management und der gesamten Belegschaft für die herausragende Loyalität und die exzellente Mitarbeit in dieser für alle spürbar schwierigen Phase der Insolvenz“, sagt Dr. Markus Mairgünther von SGP Schneider Geiwitz. Sein Kollege Christian Plail ergänzt: „Es ist für die Region und die betroffenen Industrien von enormer Bedeutung, dass diese starke Marke im globalen Markt erhalten bleiben kann und die traditionsreichen Standorte dauerhaft bestehen bleiben. Mit dem gesamten Sanierungsprozess und dem erzielten Ergebnis sind wir sehr zufrieden.“ Die beiden Restrukturierungsexperten haben die Sanierung gemeinsam mit dem Managementteam um die Herren Becker, Peter und Lehmann operativ sowie strategisch gesteuert.

Einbruch im europäischen Markt

Die Gruppe blickt auf eine tiefe historische Verankerung zurück. Bereits vor mehr als 100 Jahren wurden am Standort Munderkingen Fasern produziert. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem führenden Hersteller von synthetischen Filamenten für anspruchsvolle industrielle Anwendungen. Zu den wichtigsten Kunden zählen internationale Unternehmen aus hochspezialisierten Schlüsselbranchen. Dazu gehören die Papierindustrie, die Bürsten- und Consumerindustrie sowie die dentale Medizintechnik. Zuletzt hatte der Betrieb mit strukturellen Umbrüchen zu kämpfen. Nach Angaben der Berater war die Auslastung im europäischen Markt für Papiermaschinen-Bespannungen innerhalb kürzester Zeit um rund 40% eingebrochen. Massive Energie- und Lohnkostensteigerungen machten den Restrukturierungsschritt unumgänglich.

Grenzenlose juristische Komplexität

Die Käuferseite wurde federführend durch Dr. Jan Hückel beraten. Er ist Partner am Düsseldorfer Standort der internationalen Großkanzlei Taylor Wessing. „Die Beratung der Transaktion war angesichts der verschiedenen Jurisdiktionen und der Verflechtung der sieben insolventen Gesellschaften mit den Auslandstöchtern in Polen und China eine interessante juristische Herausforderung. Dank dem konstruktiven Zusammenwirken sämtlicher an dem Deal Beteiligten hat sie zu dem erfolgreichen Ergebnis geführt“, meint Rechtsanwalt Jan Hückel. Mit dem neuen Eigentümer wechselt der Betrieb in eine Struktur mit Fokus auf Stabilität und Wachstum. Der Name bleibt als weltweite Kernmarke unverändert bestehen.

Strategie für globales Wachstum

„Als neuer Gesellschafter stehen wir für langfristige Kontinuität, eine starke internationale Ausrichtung und weiteres profitables Wachstum. Wir setzen bei diesem Engagement klar auf gezielte Zukunftsinvestitionen – insbesondere in modernste Produktionstechnologie, exzellenten Service und eine noch tiefere Internationalisierung unserer Vertriebswege“, sagt Lianwei Yin, Geschäftsführer der Wuxi Yinda Nylon Co. Ltd. Co-Geschäftsführer Xiaotao Xia erklärt die strategischen Leitlinien für die kommenden Jahre: „Perlon wird seine Strukturen und operativen Prozesse künftig konsequent darauf ausrichten, unsere Kunden weltweit noch verlässlicher zu bedienen und die globale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.“ Durch den Vollzug wurde ein entscheidender Meilenstein erreicht. „Ich bin erfreut über diesen überaus positiven Ausgang des Investorenprozesses und die gefundene Zukunftslösung für die Traditionsgruppe. Die stets konstruktive, professionelle und lösungsorientierte Zusammenarbeit aller Beteiligten – von der Eigenverwaltung über den Gläubigerausschuss bis hin zur Käuferseite – war das tragende Fundament für diesen beachtlichen Sanierungserfolg im Interesse der Gläubiger“, betont der gerichtlich bestellte Sachwalter Dr. Max Liebig von der Kanzlei Liebig Insolvenzverwaltung Restrukturierung.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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