Die wirtschaftliche Lage deutscher Betriebe bleibt extrem angespannt. Laut einer Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) verharrte die Zahl der Pleiten von Personen- und Kapitalgesellschaften im Juli nahezu unverändert auf einem außerordentlich hohen Niveau. Im Vergleich zum Vormonat Juni ging die Anzahl der Restrukturierungen und Insolvenzen lediglich um 1% zurück. Im Vergleich zum Vorjahresmonat bedeutet das jedoch einen Anstieg um 7%. Gegenüber den Wörtern eines durchschnittlichen Julis aus den Jahren vor der Corona-Pandemie liegt die aktuelle Entwicklung sogar um drei Viertel höher.
Rekordwerte bei Dienstleistern
Besonders stark betroffen zeigen sich derzeit Dienstleister und Finanzunternehmen. Nach Angaben des Halle-Instituts gab es bei den unternehmensnahen Dienstleistungen sowie im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen die höchste jemals erfasste Anzahl an Unternehmensaufgaben. Im Gegensatz dazu verzeichnete das Gastgewerbe ungewöhnlich wenige Ausfälle. Die Schließungen treffen auch die Beschäftigten spürbar. Laut IWH betraf die Pleitewelle in den größten einem Zehntel der insolventen Betriebe im Juli mehr als 13.000 Arbeitsplätze. Damit lag die Zahl der betroffenen Beschäftigten zwar knapp 6% unter dem Juni-Wert, überschritt den Vorjahreswert aber um etwa ein Viertel. Verglichen mit dem Vor-Corona-Durchschnitt liegt die Zahl der bedrohten Jobs um knapp die Hälfte höher. In der Industrie waren knapp 6.000 Stellen betroffen, was leicht über dem Jahresdurchschnitt liegt.
Keine Signalwende bei den Frühindikatoren
Experten sehen vorerst keine Entwarnung für die schwächelnde Wirtschaft. Die vom Institut erhobenen Frühindikatoren, welche dem tatsächlichen Geschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen, stiegen im Juli auf einen neuen Höchststand. Damit übertrafen die Frühwarnwerte sogar den bisherigen Rekordwert des Vorjahres leicht. „Die lange Krise hat offenbar die Reserven vieler kleinerer Unternehmen aufgebraucht“, sagt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. „Die Marktbereinigung hält unvermindert an. Auch in den Folgemonaten ist deshalb mit sehr vielen Insolvenzen zu rechnen.“ Die Daten verdeutlichen seiner Aussage nach, dass der anhaltende Druck auf den Mittelstand zu strukturellen Verschiebungen führt. Unternehmen stehen durch gestiegene Kosten, Fachkräftemangel und eine schwache Konjunktur weiterhin vor massiven Herausforderungen.







