Herausforderung: Azubigewinnung

5 Tipps, die Unternehmen helfen, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen

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Der Mangel an Auszubildenden stellt Unternehmen vor eine ernste Herausforderung. Mit 177.400 unbesetzten Ausbildungsplätzen (Stand: Mitte August 2023) zeigt sich ein alarmierender Trend. Demgegenüber stehen aber auch 76.000 unversorgte Bewerber. Woran liegt es, dass Unternehmen Schwierigkeiten haben, die passenden Azubis zu finden? Und wie können Unternehmen aktiv werden, um ihre Ausbildungsplätze zu besetzen und gleichzeitig eine vielversprechende Zukunft für beide Seiten zu gestalten?

In den letzten Jahren hat das einst erfolgreiche duale Ausbildungssystem bei Jugendlichen und in der Gesellschaft an Attraktivität zu Gunsten des Studiums verloren. Traditionelle Berufswege erscheinen vielen jungen Menschen heute nicht mehr so verlockend wie zuvor. Häufig ist den Familien und Jugendlichen gar nicht bewusst, welche beruflichen Entwicklungswege mit einer Ausbildung möglich sind. Zum Beispiel Meister- und Fachwirte-Weiterbildungen.

Diese Entwicklung korreliert eng mit einem anderen Problem: der mangelnden Berufsorientierung für Jugendliche. Das Bild, das Jugendliche durch äußere Darstellung von Berufen haben, ist häufig kein realistisches. Dies führt dazu, dass einige Berufsbilder verkannt und andere überbewertet werden. Jedes Mal, wenn wir uns kritisch zu einzelnen Berufen äußern (beispielsweise „Schichtarbeit? Das wäre mir zu anstrengend.“), tragen wir dazu bei, dass unsere Jugend ein vorgefertigtes negatives Bild übernimmt.

Schlechtes Image, Unwissen und Orientierungslosigkeit

Hinzu kommt, dass viele von ihnen sich angesichts der Vielzahl von Möglichkeiten orientierungslos fühlen. Studium oder Reisen werden dann oft als Ausweg gewählt, während die eigentliche Berufswahl auf die lange Bank geschoben wird. Diese generelle Unsicherheit führt dazu, dass viele potenzielle Auszubildende abwarten, anstatt sich frühzeitig für eine Ausbildung zu entscheiden.

Doch es liegt nicht nur am schlechten Image der Ausbildungsberufe oder der mangelnden Orientierung der Jugendlichen. Auch die Unternehmen selbst tragen ihren Teil zur Situation bei: Viele Stellenangebote sind für Jugendliche schlichtweg nicht attraktiv. Zudem sind in der heutigen digitalen Welt eine gute Online-Sichtbarkeit und ein zielgruppengerechtes Angebot entscheidend, um junge Menschen zu erreichen. Doch häufig sind Ausbildungsangebote nicht spezifisch für die Bewerberzielgruppe formuliert und nicht prominent genug online sichtbar. Dies führt dazu, dass sie von jungen Menschen, die sich vermehrt im digitalen Raum aufhalten, schlicht übersehen werden. Wie können Unternehmen diesen Herausforderungen begegnen und die passenden Auszubildenden für sich gewinnen?

5 Tipps für Unternehmen, um die passenden Azubis für sich zu gewinnen

1. Authentische Einblicke bieten

Authentizität ist der Schlüssel zur Anziehungskraft. Verstecken Sie Ihr Unternehmen nicht hinter glänzenden Fassaden, sondern gewähren Sie echte Einblicke in den Arbeitsalltag. Das bedeutet, nicht nur die positiven Aspekte zu betonen, sondern auch die Herausforderungen und vor allem die Unternehmenskultur ehrlich darzustellen. Authentische Einblicke schaffen Vertrauen und helfen potenziellen Azubis, eine realistische Vorstellung von ihrem zukünftigen Arbeitsplatz zu entwickeln.

2. Über den Ausbildungsberuf und die Inhalte aufklären

Klarheit über den Ausbildungsberuf ist entscheidend für motivierte Bewerber. Informieren Sie potenziellen Azubis daher detailliert über die Ausbildungsinhalte, den typischen Alltag eines Azubis, die Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten. Dies schafft nicht nur Transparenz, sondern ermöglicht es den Jugendlichen auch herauszufinden, ob der Beruf zu ihren Interessen und Fähigkeiten passt. Ehrliche Aufklärung fördert das Verständnis und steigert die Attraktivität des Angebotes.

3. Fragen der potenziellen Azubis beantworten

Jugendliche haben heute viele Fragen und Unsicherheiten bezüglich ihrer beruflichen Zukunft. Vielfach machen sie sich einen immensen Druck, die falsche Entscheidung zu treffen. Seien Sie proaktiv und ermutigen Sie potenzielle Azubis ihre Fragen zu stellen. Ein offener Kommunikationskanal, sei es über soziale Medien, Unternehmens-Websites oder persönliche Gespräche (z. B. auf Messen), schafft eine unterstützende Atmosphäre. Schnelle und klare Antworten zeigen Wertschätzung für das Interesse der Jugendlichen und helfen dabei, Ängste und Zweifel zu beseitigen. Ebenso ist es wichtig, diese Frage im Stellenangebot aufzugreifen und zu beantworten.

4. Jugendliche auf den passenden Kanälen abholen

Die Zeiten, in denen Jugendliche ausschließlich in Zeitungen nach Ausbildungsplätzen suchten, sind längst vorbei. Für aktiv suchende Jugendliche beginnt die Reise häufig bei Google und auch die passiv suchenden, also die noch unentschiedenen Jugendlichen, sollten mit geeigneten Maßnahmen abgeholt werden. Seien Sie dort präsent, wo Ihre Zielgruppe aktiv ist. Das bedeutet im Fall des Azubi-Recruitings, dass Sie eine starke Online-Präsenz aufbauen müssen. Gezieltes Social-Media-Marketing, informative Blogs und interaktive Inhalte können das Interesse der Jugendlichen wecken. Durch gezielte Werbung und ansprechende Inhalte auf den richtigen Kanälen maximieren Sie Ihre Reichweite und erreichen potenzielle Azubis effektiv.

5. Spezifische Benefits bieten, die für Jugendliche attraktiv sind

Eine umfassende Ausbildung allein reicht heute nicht mehr aus, um junge Talente für ein Unternehmen zu begeistern. Es sind die spezifischen Benefits, die den Unterschied machen. Bieten Sie den Azubis nicht nur eine solide Ausbildung, sondern gehen Sie einen Schritt weiter: Verstehen Sie die Bedürfnisse der jungen Generation und passen Sie Ihre Zusatzleistungen dementsprechend an. Flexible Arbeitszeiten ermöglichen eine bessere Work-Life-Balance, Weiterbildungsoptionen fördern die persönliche und berufliche Entwicklung. Betriebssport, Gesundheitsvorsorge und die Möglichkeit zum Homeoffice zeigen, dass das Unternehmen nicht nur an Produktivität, sondern auch an Wohlbefinden interessiert ist. Individuell maßgeschneiderte Benefits sind nicht nur attraktive Anreize, sondern ein klares Statement: Hier wird nicht nur gearbeitet, sondern auch für das Wohl und die Zukunft aller Mitarbeiter gesorgt.

Fazit

Der Ausbildungsmarkt hat sich deutlich verändert und Unternehmen müssen dies ebenfalls tun, um junge Menschen für sich zu gewinnen. Es reicht nicht mehr aus, lieblos formulierte Stellenanzeigen auf einer Jobbörse zu posten. Es geht vielmehr darum, die Bedürfnisse der Jugendlichen zu verstehen, die eigene Bewerber-Zielgruppe präzise zu definieren und eine durchdachte Recruiting-Strategie mit verstärkter Online-Sichtbarkeit zu entwickeln, um passende Azubis zu gewinnen. Nur so können unbesetzte Ausbildungsplätze erfolgreich besetzt und die Zukunft der Jugendlichen sowie der Fachkräftenachwuchs im Unternehmen gesichert werden.

Autorenprofil
Nadine Strein

Nadine Strein ist Azubi-Recruiting-Strategin und Ausbilderin. Als Beraterin hilft sie Unternehmen, mehr Bewerbungen von passenden Ausbildungskandidaten zu erhalten. Zudem ist Nadine Strein als Dozentin für die IHK Aschaffenburg, Darmstadt, Offenbach und Rhein-Neckar tätig.

 

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