Heiterblick sichert Zukunft durch Einstieg von Pesa

Unternehmensinsolvenzen
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Der Leipziger Straßenbahnhersteller Heiterblick hat beim Abstimmungstermin vor dem Amtsgericht Leipzig ein einstimmiges Votum der Gläubiger für den Insolvenzplan erhalten. Nach Angaben des Unternehmens ist damit der Weg frei für die Fortführung des Geschäftsbetriebs sowie die Sicherung von rund 250 Arbeitsplätzen in Leipzig. Zudem ermöglicht dieser Beschluss den Vollzug des Verkaufs an den polnischen Schienenfahrzeughersteller Pesa Bydgoszcz S.A. Das Verfahren wird in Eigenverwaltung geführt und von der Transformationsberatung Falkensteg gemeinsam mit einem Team der Kanzlei Baker Tilly sowie dem Sachwalter Dr. Andreas Kleinschmidt von White & Case begleitet. Der Insolvenzplan für die Heiterblick sieht laut Mitteilung eine umfassende finanzielle und operative Restrukturierung vor. Ziel sei es, das Unternehmen nachhaltig zu stabilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Schienenfahrzeugmarkt zu sichern.

Integration in polnische Unternehmensgruppe

Kernbestandteil der Sanierung ist der bereits vertraglich vereinbarte Einstieg von Pesa. Der Hersteller von Schienenfahrzeugen beabsichtigt, die rund 250 Arbeitsplätze zu erhalten und den Standort Leipzig als Plattform für den deutschen und westeuropäischen Markt auszubauen. Nach Angaben der Beteiligten ist die Zustimmung der Gläubiger ein starkes Signal des Vertrauens in die Zukunftsfähigkeit von Heiterblick. Mit der gerichtlichen Bestätigung der Pläne und der Verfahrensaufhebung wird Heiterblick in die Pesa-Gruppe integriert. Laut dem Unternehmen ist die Produktion bereits wieder hochgefahren worden. Ziel sei es, laufende Projekte für Verkehrsunternehmen in Leipzig, Würzburg und Dortmund schnellstmöglich zu finalisieren. Zudem sollen zusätzliche Aufträge im wachsenden ÖPNV-Markt gewonnen werden. Durch die Umsetzung des Sanierungsplans wird das Unternehmen nun wieder auf eine solide wirtschaftliche Basis gestellt. Das Eigenverwaltungsverfahren kann nach Einschätzung der Experten voraussichtlich in den kommenden Wochen beendet werden.

Stabilisierung des Geschäftsbetriebs

Teams von Falkensteg um Tillmann Peeters und Baker Tilly um Dr. Adrian Bölingen haben die Geschäftsleitung beraten. Die Unterstützung bezog sich insbesondere auf die Stabilisierung des operativen Betriebs und die Sicherung der Vorfinanzierung komplexer Fahrzeugprojekte. Zudem erfolgten Verhandlungen mit Banken, Bürgschaftsgebern und kommunalen Auftraggebern. „Wir haben in einem hochkomplexen Umfeld die Fertigstellung von Straßenbahnprojekten für drei große deutsche Städte, die Sicherung von rund 250 Arbeitsplätzen und den Erhalt des einzigen mittelständischen deutschen Straßenbahnbauers ermöglicht“, sagt Tillmann Peeters, Generalbevollmächtigter von Heiterblick und Partner bei Falkensteg. „Die Kombination aus Insolvenzplanlösung und dem strategischen Einstieg von Pesa schafft eine industriepolitisch überzeugende Perspektive für den Standort Leipzig.“ Neben Peeters waren unter anderem Mathias Leon Schneider sowie die Falkensteg-Operationsexperten um Andreas Willeke und Birgit Dehn beteiligt.

Zusätzliche Wachstumschancen

Der Sachwalter hat das Verfahren im Interesse der Gläubiger überwacht und die Planerstellung eng begleitet. Laut dem Bericht wirkte er an den entscheidenden Verhandlungen mit Banken und öffentlichen Auftraggebern mit. „Der Einstieg von Pesa ist ein sehr gutes Ergebnis für kommunale Kunden, Gläubiger und Beschäftigte“, betont Sachwalter Dr. Andreas Kleinschmidt von White & Case. „Die einstimmige Annahme der Insolvenzpläne und die nun mögliche Integration in einen starken europäischen Fahrzeughersteller schaffen die Grundlage, laufende Projekte verlässlich abzuwickeln, erhebliche Avalrisiken für die Finanzierer zu begrenzen und zusätzliche Wachstumschancen im europäischen ÖPNV-Markt zu erschließen.“ Der Sanierungsprozess bei Heiterblick zeigt nach Ansicht der Beteiligten, wie durch Eigenverwaltung und einen strategischen Partner industrielle Kerne erhalten bleiben können. Die Gläubigerversammlung markiert somit den entscheidenden Wendepunkt für den Erhalt des Standortes in Sachsen und die Fortsetzung der Produktion.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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