Großinsolvenzen: Mehr Sanierungserfolge trotz Krise

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Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland verharrt im zweiten Quartal 2026 auf hohem Niveau. Das Beratungsunternehmen Falkensteg Corporate Finance GmbH hat seinen aktuellen Insolvenzreport vorgelegt. Im Berichtsquartal stellten 105 Unternehmen ab zehn Mio. EUR Umsatz einen Insolvenzantrag. Im Vorquartal registrierte die Erhebung 104 Fälle. Im Vorjahresquartal wurden 94 Anträge gezählt. Der Fünfjahresdurchschnitt von 75 Verfahren wurde damit um 40 % übertroffen. Nach Angaben von Falkensteg summierten sich die Verfahren im ersten Halbjahr auf 209 Fälle. Im Vorjahreszeitraum waren es 217 Großinsolvenzen. Die Zahlen belegen eine Verschiebung hin zu größeren Unternehmen. Auf die Umsatzklasse von zehn bis 19 Mio. EUR entfielen 50 Anträge. Im Vorquartal gab es 54 Anträge in diesem Segment. In der Klasse ab 100 Mio. EUR Umsatz stieg die Zahl auf zwölf. Im Vorjahreszeitraum waren es sieben Fälle. Weitere zwölf Insolvenzen betrafen Betriebe mit 50 bis 99 Mio. EUR Umsatz. Das Segment zwischen 20 und 49 Mio. EUR verzeichnete 31 Anträge.

Rückzug der Eigenverwaltung

Bei den gewählten Verfahrensformen dominiert die klassische Regelinsolvenz deutlich. Insgesamt 81 der 105 Verfahren wurden als Regelinsolvenz eingeleitet. Das entspricht einem Anteil von gut 77 %. Gegenüber dem Vorquartal stieg dieser Wert um neun Prozentpunkte. Sanierungen in Eigenregie verloren spürbar an Boden. Die Eigenverwaltung kam auf 21 Verfahren nach 30 Anträgen im Vorquartal. Drei Unternehmen nutzten ein Schutzschirmverfahren.

Die Fahrzeugbranche und die Metallindustrie bilden unverändert die Schwerpunkte des Geschehens. Metallwarenhersteller führten die Statistik mit 14 Fällen an. Die Automobilzulieferindustrie folgte mit zwölf Anträgen. Der Maschinenbau verzeichnete elf Krisenfälle. In der Logistik kletterte die Zahl von acht auf zehn Fälle. Der Einzelhandel wuchs von zehn auf elf Verfahren. Die Elektrotechnik registrierte neun Anträge. Der Immobilienbau verdoppelte seine Insolvenzen von vier auf acht. Sinken konnten die Fallzahlen im Bereich Fashion von fünf auf zwei.

Steigende Rettungsquoten durch Asset Deals

Auf der Ausgangsseite sanken die Verfahrenslösungen um rund 10 % auf 70 Fälle. Im Vorquartal gab es 78 Verfahrensausgänge. Im Vorjahresquartal wurden 73 Lösungen registriert. Dennoch verbesserte sich das Verhältnis zugunsten von Fortführungen. Insgesamt 45 der 70 Verfahren führten zu einer positiven Lösung. Die Positivquote stieg von 55 % im Vorquartal auf 64 %. Vor einem Jahr lag die Quote bei 48 %. Der Asset Deal verzeichnete 37 Fälle nach 35 im Vorquartal. Asset Deals stellten 53 % aller Ausgänge. Sanierungen über einen Insolvenzplan verharrten bei acht Fällen. Masseunzulänglichkeiten sanken von 17 auf zehn Fälle. Die Betriebseinstellungen gingen auf 15 Fälle zurück. Der Anteil negativer Ausgänge sank von 45 % auf knapp 36 %. Abgeschlossene Verfahren benötigten im Schnitt 8,2 Monate.

Wirtschaftsexperte sieht Marktbereinigung

Laut Wirtschaftsprofessor Harro Heilmann von der Hochschule Aalen liegt keine Deindustrialisierung vor. „Niedergang hieße: Die Fähigkeit zur Wertschöpfung geht verloren. Ich sehe den Umbau der Grundlagen dieser Wertschöpfung“, erklärt Heilmann. Er betont: „China ist nicht schuld, dass der V8- und V12-Absatz in den Keller rauschte.“ Vorstände hätten den Wandel zu spät erkannt. Die chinesischen Kunden hätten keineswegs aufgehört, deutsche Autos zu kaufen. Sie hätten schlicht aufgehört, deutsche Verbrenner zu kaufen.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, Insolvenzen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Unternehmensnachfolgen.

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