Ein Modell für die Nachfolge im Healthcare-Software-Markt

Wie synava aus einer Nachfolgelösung heraus zur europäischen Healthcare-Software-Plattform wächst

Foto: © synava Group

Der Markt für Healthcare-Software ist hoch fragmentiert, reguliert und technologisch anspruchsvoll. Gleichzeitig stehen zahlreiche spezialisierte Anbieter vor einer strukturellen Herausforderung: Gründer werden älter, interne Nachfolger fehlen, Investitionen in Cloud, KI und regulatorische Anforderungen steigen. Genau an dieser Schnittstelle ist die synava Group entstanden – als Plattform für unternehmerische Nachfolgelösungen im Gesundheits-IT-Markt.

Der Ausgangspunkt liegt im Jahr 2022: BU Bregal Unternehmerkapital beteiligt sich an Madanis, einem führenden Anbieter von radiologischen Informationssystemen im DACH-Raum. Das Unternehmen war technologisch stark positioniert, verfügte über hohe wiederkehrende Umsätze und eine loyale Kundenbasis. Zugleich suchten die Gründer eine strukturierte Nachfolgelösung mit Wachstumsperspektive.

„Uns war früh klar, dass wir hier nicht nur eine Einzeltransaktion sehen, sondern die Chance auf den Aufbau einer Plattform“, sagt Dr. Stephan Schmid, Partner bei BU. Aus medavis wurde synava – eine Allianz spezialisierter führender Healthcare-IT-Unternehmen, die mit innovativen, zuverlässigen IT-Lösungen die Qualität der Versorgung erhöhen, klinische Abläufe optimieren und bestmögliche Ergebnisse für Patienten ermöglichen.

Inzwischen gehören neben medavis auch Digithurst, epiNet, InformMe, MedDream, Potthoff + Partner sowie IT-Choice zur Gruppe. Unter einem Dach bieten sie ausgereifte IT-Lösungen für Einrichtungen im Gesundheitswesen in den Bereichen Radiologie, Onkologie und Rehabilitation sowie Anwendungen zur effizienten Steuerung klinischer Workflows, zur Abbildung komplexer Behandlungs- und Dokumentationsprozesse, zur Qualitätssicherung, Patientenkommunikation und zum Management medizinischer Bilddaten an.

Operative Eigenständigkeit im Plattformverbund

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Der Plattformgedanke folgt dabei einer klaren Logik: Die einzelnen Unternehmen bleiben operativ eigenständig und unter eigener Marke sichtbar, profitieren jedoch von gruppenweiten Strukturen, Kapital und technologischem Know-how.

Thomas Simon, CEO der synava Group, beschreibt den Anspruch folgendermaßen: „Viele Gründer suchen keinen klassischen Exit, sondern einen Partner, der Wachstum ermöglicht, Strukturen professionalisiert und gleichzeitig die unternehmerische Identität bewahrt.“

Konkret bedeute das, so Simon, dass synava zentrale Funktionen wie Finanzbuchhaltung, HR, IT-Infrastruktur und Marketing schrittweise bündelt, ohne den Unternehmen ihre operative Verantwortung zu nehmen. „Wir schauen sehr genau, welche Services zentral sinnvoll sind und wo lokale Lösungen besser funktionieren. Dieses Maß an Flexibilität ist für viele Unternehmer entscheidend.“

Auch beim Thema Innovation setzt synava auf gruppenweite Hebel. Simon verweist insbesondere auf den Bereich künstliche Intelligenz: „Einzelne mittelständische Softwarehäuser könnten die dafür notwendigen Ressourcen oft nur begrenzt aufbringen. Auf Gruppenebene können wir Kompetenzen aufbauen und in die Gesellschaften hineintragen.“

Der Investor als strategischer Partner

Die Rolle von BU beschreibt Dr. Schmid als die eines langfristig orientierten Partners im Hintergrund: „Wir verstehen uns nicht als Steuerungszentrale, sondern als Ermöglicher. Unsere Aufgabe ist es, den Rahmen zu schaffen, in dem unternehmerische Teams wachsen können.“

Dieser Rahmen umfasse aus seiner Sicht vor allem klare Governance-Strukturen, belastbare Finanzierungszusagen und Erfahrung aus zahlreichen Plattformentwicklungen in unterschiedlichen vertikalen Märkten, etwa in der Bausoftware, im ERP-Umfeld oder im E-Commerce-nahen Softwaresegment. „Diese Erfahrung bringen wir bei synava ein, ohne den operativen Teams vorzuschreiben, wie sie ihr Geschäft zu führen haben.“

Gerade diese Kombination aus unternehmerischer Freiheit und strukturellem Rückhalt sei für viele Gründer ein ausschlaggebender Punkt. „Viele möchten Risiko reduzieren und zugleich an einer weiteren Wertentwicklung beteiligt bleiben“, so Dr. Schmid. „Das lässt sich über Minderheitsbeteiligungen, schrittweise Übergaben oder Beirats- und Beraterrollen individuell abbilden.“

Im regulierten Healthcare-Umfeld gewinnt dieser Ansatz zusätzlich an Gewicht. Zertifizierungen, IT-Sicherheit und Produktweiterentwicklung erfordern stetige Investitionen. „Solche Themen lassen sich in einer Gruppe deutlich besser schultern als isoliert“, sagt Simon.

Auf dem Weg zur europäischen Plattform

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Für synava ist damit erst der Anfang einer Entwicklung beschrieben. In den kommenden Jahren will die Gruppe ihre drei Pfeiler Radiologie, Medical Imaging und fachspezifische klinische Anwendungen weiter vertiefen und zugleich angrenzende Domänen prüfen. Parallel rückt die Expansion über die DACH-Region hinaus stärker in den Fokus: Märkte wie Frankreich, Italien, die Benelux-Staaten und Teile Osteuropas gelten als strukturell vergleichbar und damit als naheliegende nächste Schritte. Gleichzeitig bleibt der Anspruch, den Charakter der einzelnen Unternehmen zu bewahren und Nachfolgelösungen nicht nach Schema F zu behandeln, sondern passgenau zu strukturieren. Wenn dieser Spagat gelingt, kann synava sich als ein führender europäischer Ansprechpartner für spezialisierte Healthcare-Software etablieren – und als Plattform, die Wachstum und Nachfolge in einem zunehmend komplexen Umfeld zusammenführt.


„Nachfolge ist oftmals ein Verstärker für Transaktionen“

Interview mit Dr. Stephan Schmid, Partner, BU Bregal Unternehmerkapital

Unternehmeredition: Herr Dr. Schmid, wie ordnet sich synava in das Gesamtportfolio und die Investmentstrategie von BU ein?

Foto: © synava Group

Dr. Stephan Schmid: Software ist eine der vier Fokusindustrien bei BU. Wir bauen seit vielen Jahren Plattformen in unterschiedlichen vertikalen Märkten auf, beispielsweise im Healthcare-Software-Bereich mit synava, aber auch in der Bausoftware oder im ERP-Umfeld. Der gemeinsame Nenner ist immer derselbe: Wir identifizieren starke Nischenanbieter mit hoher Produktqualität und bauen daraus Gruppen, die gemeinsam skalieren können. synava ist für uns ein großartiges Beispiel dafür, wie sich dieses Modell auf den hoch spezialisierten und regulierten Healthcare-IT-Markt übertragen lässt.

Was macht das Plattformmodell aus Ihrer Sicht besonders geeignet für Nachfolgesituationen?

Es bietet Flexibilität. Gründer müssen nicht vollständig aussteigen; viele bleiben beteiligt oder begleiten den Übergang operativ oder im Beirat. Gleichzeitig erhalten sie Zugang zu Kapital, professionellen Strukturen und einem Netzwerk, das weiteres Wachstum ermöglicht. Was wir bieten, ist eine nachhaltige Perspektive für Unternahmen, da diese innerhalb unserer Plattformen ihre Identität behalten und nicht in anonymen Konzernstrukturen verschwinden.

Welche Rolle spielt die Nachfolgeproblematik heute in Ihrer Deal-Pipeline?

Nachfolge wirkt in vielen Fällen als struktureller Transaktionstreiber. Das sehen wir nicht nur im Healthcare-IT-Segment, sondern auch in anderen vertikalen Softwaremärkten. Unternehmer stellen sich zunehmend die Frage, wie sie angesichts technologischer Dynamik und steigender Investitionsanforderungen langfristige Stabilität sichern können. Plattformlösungen wie synava geben darauf eine strukturierte Antwort.

Wo sehen Sie synava im größeren Kontext Ihres Portfolios in fünf bis zehn Jahren?

Unser Anspruch ist es, synava zu einer europaweit führenden Gruppe für spezialisierte Healthcare-Software auszubauen. Gleichzeitig soll sie als Referenzmodell für nachhaltige Nachfolgelösungen im Gesundheits-IT-Markt gelten. Wir sind klar im Value-Creation-Modus und investieren weiter.

Wir danken Ihnen für das interessante Gespräch!

👉 Dieser Beitrag ist auch in der aktuellen Magazinausgabe der Unternehmeredition 1-2026 erschienen.


KURZPROFIL

synava Group

Gründungsjahr: 2022, hervorgegangen aus medavis, gegründet 1997

Branche: Healthcare-Software/Healthcare-IT

Firmensitz: Karlsruhe

Beschäftigte: > 300

Umsatz: > 50 Mio. EUR

Autorenprofil
Chefredakteurin at  | Website

Als Chefredakteurin der Unternehmeredition berichtet Eva Rathgeber regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen.

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