Die Wilhelm Gronbach GmbH hat beim zuständigen Amtsgericht Rosenheim einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das Gericht entsprach diesem Ersuchen und bestellte Rechtsanwalt Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Sachwalter. Laut einer Unternehmensmitteilung soll dieses Verfahren dazu dienen, die bereits vor einem Jahr begonnenen Sanierungsbemühungen am Standort Wasserburg am Inn abzuschließen. Die internationale Gronbach Gruppe mit weiteren Standorten in Österreich, Italien und der Slowakei ist von diesem gerichtlichen Schritt ausdrücklich nicht betroffen.
Die Geschäftsführung in Wasserburg wird während des Verfahrens durch die Sanierungsexperten Markus Fauser und Johannes Chrocziel verstärkt. Beide Juristen stammen von der Kanzlei Anchor und übernehmen die Rollen als Sanierungsgeschäftsführer. Nach Angaben des Unternehmens bleibt die Führung vor Ort voll handlungsfähig. „Wir haben bereits in den vergangenen Monaten tiefgreifende Maßnahmen zur Anpassung an die veränderten Marktbedingungen eingeleitet“, erklärt Xaver Auer, Geschäftsführer der Gronbach Gruppe. Laut Auer bietet der gewählte Weg die notwendige rechtliche Sicherheit, um den Prozess bei laufendem Betrieb zu beenden.
Sicherung der Belegschaft und Produktion
An allen Standorten der Gruppe läuft der Geschäftsbetrieb ohne Einschränkungen weiter. In Wasserburg sind von dem Verfahren rund 180 Mitarbeitende betroffen. Deren Löhne und Gehälter sind laut dem vorläufigen Sachwalter für die Monate April bis Juni über das Insolvenzgeld gesichert. Nach Aussage von Markus Fauser werde man nun alle Wege einleiten, um die Wilhelm Gronbach GmbH nachhaltig zu stabilisieren. Die rechtliche Begleitung des Antrags übernahm die Kanzlei Taylor Wessing unter der Federführung von Hendrik Boss.
Konjunkturelle Bremsspuren im Küchensegment
Das im Jahr 1964 von Wilhelm Gronbach gegründete Familienunternehmen agiert als Premium-Zulieferer für die Hausgeräteindustrie. Die gesamte Gruppe beschäftigt rund 700 Mitarbeitende und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von über 125 Mio. EUR. Laut dem Unternehmen belastet eine deutliche konjunkturelle Abschwächung seit Ende 2022 die Ertragslage. Die Inflation und geopolitische Unsicherheiten führten zu einer massiven Kaufzurückhaltung bei Endverbrauchern im Bereich Küchenmöbel. Zudem habe der Abzug von Kernprodukten durch Großkunden im vierten Quartal 2025 eine kurzfristige Anpassung der Produktionskapazitäten unumgänglich gemacht.
Wettbewerbsdruck erschwert Kostenweitergabe

Massive Kostensteigerungen in der Beschaffung und bei den Löhnen konnten aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks nicht an Kunden weitergegeben werden. Nach Angaben von Markus Fauser ließen sich notwendige strukturelle Anpassungen wegen der rasanten Marktentwicklung nicht schnell genug außerhalb eines gerichtlichen Rahmens umsetzen. Das Verfahren in Eigenverwaltung schaffe nun die Basis für eine beschleunigte Neuausrichtung. Die Wilhelm Gronbach GmbH fertigt in Wasserburg hochwertige Gebläsesysteme und Komponenten für Weltmarken wie Miele, Liebherr und BSH.
In den kommenden Wochen wird die Geschäftsführung gemeinsam mit den Experten von Anchor den eingeschlagenen Sanierungspfad fortsetzen. Laut Xaver Auer bilde das Vertrauen der Partner und Kunden die Grundlage für den Erfolg. Er zeigt sich zuversichtlich, dass durch die Abstimmung zwischen Sachwalter und Geschäftsführung eine tragfähige Lösung gefunden wird. Ziel sei es, die Transformation des bayerischen Traditionsunternehmens nachhaltig zum Abschluss zu bringen.







