Die Energiewende braucht Verbindung

Beim Medientag in Winterbach zeigt Pfisterer, wie das Unternehmen vom weltweiten Ausbau der Stromnetze profitieren will

Die Pfisterer-Vorstände Johannes Linden (li.) und Dr. Konstantin Kurfiss führten beim Medientag durch die Werkshalle in Winterbach. Foto: © GoingPublic Media AG

Die Energiewende entscheidet sich nicht allein bei Windrädern oder Solaranlagen. Der erzeugte Strom muss angeschlossen, transportiert und sicher verteilt werden. Beim Medientag am Stammsitz in Winterbach zeigte Pfisterer, warum Verbindungstechnik dabei eine Schlüsselrolle spielt und wie das Unternehmen ein erwartetes Marktwachstum von jährlich 11,6% in profitables Wachstum übersetzen will.

Was wie ein unscheinbares Metallteil aussieht, ist ein entscheidendes Bindeglied der Stromversorgung. Johannes Linden, Vorstandssprecher der Pfisterer Holding SE, veranschaulichte das Geschäftsmodell anhand eines Schraubverbinders, der zwei Kabelenden miteinander verbindet. „Jedes Kabel hat einen Anfang und ein Ende“, sagte Linden. „Irgendwann muss das Kabel fachgerecht angeschlossen werden.“

Das schwäbische Unternehmen entwickelt Verbindungs- und Isolationslösungen von der Stromerzeugung über Übertragungs- und Verteilnetze bis zum Verbraucher. Als kabelherstellerunabhängiger Anbieter kann das Unternehmen Systeme unterschiedlicher Hersteller verbinden. Damit ist Pfisterer für viele Kabelproduzenten Partner und Zulieferer, nicht Wettbewerber.

Strategie 2030 trifft auf wachsenden Markt

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Linden stellte beim Medientag die Strategie 2030 vor. Das weltweit adressierbare Marktvolumen soll nach Unternehmensprognose von rund 13,1 Mrd. EUR im Jahr 2025 auf etwa 24,5 Mrd. EUR im Jahr 2030 steigen – ein durchschnittliches jährliches Plus von 11,6%. Treiber sind erneuerbare Energien, die Elektrifizierung von Mobilität, Wärme und Industrie, der Strombedarf von Rechenzentren sowie die Modernisierung überalterter Netze.

Pfisterer startet von einer profitablen Basis: Für das Geschäftsjahr 2025 nannte der Vorstand rund 450 Mio. EUR Umsatz und etwa 80 Mio. EUR EBITDA, entsprechend einer Marge von 17,8%. Der Auftragsbestand betrug zum Jahreswechsel 334 Mio. EUR. Die Zahl der Beschäftigten ist von 1.378 zum Jahreswechsel auf inzwischen mehr als 1.500 gestiegen.

Das Unternehmen verfügt über eine starke europäische Basis, erzielt aber bereits knapp die Hälfte seines Umsatzes außerhalb Europas. Besonders wichtig sind der Mittlere Osten sowie die Region Amerikas mit Schwerpunkt USA. Mit 19 Gesellschaften in 15 Ländern und Aktivitäten in mehr als 90 Märkten ist das Unternehmen breit aufgestellt und kann an den weltweit steigenden Investitionen in die Stromnetze partizipieren.

„Je mehr Hochspannung, desto mehr Hightech“

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Auch der Produktmix verdeutlicht die technologische Ausrichtung. Den größten Geschäftsbereich bilden Hochspannungskabelgarnituren, gefolgt von Freileitungssystemen. Hinzu kommen elektrotechnische Komponenten und Lösungen für die Mittelspannung.

„Je mehr Hochspannung, desto mehr Hightech“, sagte Vorstand Dr. Konstantin Kurfiss. Mit steigender Spannung wachsen die Anforderungen an Materialien, Isolation, Prüfung und Montage, während die Zahl qualifizierter Anbieter sinkt. Das schafft hohe Eintrittsbarrieren und attraktive Margen.

Nach Unternehmensangaben arbeitet Pfisterer mit Produzenten zusammen, die etwa 75% des weltweiten Kabelherstellermarkts repräsentieren. Gleichzeitig bleibt die Kundenbasis breit: Der größte Einzelkunde steht lediglich für rund 3,5% des Umsatzes. „Wir machen kein Projektgeschäft, wir machen Liefergeschäft“, erklärte Kurfiss. Der Spezialist für Verbindungstechnik übernimmt nicht das Risiko kompletter Infrastrukturvorhaben, sondern liefert erfolgskritische Komponenten in die Projekte.

Börsengang als Wachstumsbeschleuniger

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Seit dem Börsengang am 14. Mai 2025 ist Pfisterer im Scale-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Der Kapitalmarktschritt spielt für das Unternehmen vor allem als Wachstumsbeschleuniger eine wichtige Rolle. Linden zufolge war Pfisterer bereits zuvor profitabel gewachsen und kann einen wesentlichen Teil seiner Investitionen aus dem operativen Geschäft finanzieren. Die zusätzlichen Mittel erweitern jedoch den Handlungsspielraum und ermöglichen es, mehrere Wachstumsvorhaben schneller und parallel umzusetzen.

Dazu zählen der Ausbau internationaler Produktionskapazitäten, eine stärkere Automatisierung, zusätzliche Forschungs-, Entwicklungs- und Prüfmöglichkeiten sowie Investitionen in Hochspannungs- und HVDC-Technologien. Auch gezielte Akquisitionen bleiben eine Option. Der Börsengang ist damit kein Ausgangspunkt des Wachstumskurses, sondern soll dessen Umsetzung beschleunigen.

Qualität für Jahrzehnte

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Beim Rundgang durch Produktion und Hochspannungslabor wurde deutlich, wie hoch die Anforderungen an die Bauteile sind. Pfisterer testet Produkte mit Spannungen von bis zu einer Million Volt.

Komponenten in Stromnetzen sollen 40 Jahre und länger funktionieren – häufig an schwer zugänglichen Stellen, an denen ein Ausfall hohe Folgekosten verursachen kann.

Eigene Prüftechnik und Innovationskraft werden so zu Wettbewerbsvorteilen. Pfisterer hält derzeit 105 Patente und unterstreicht damit seinen Anspruch als Technologieführer.

HVDC für die Stromautobahnen der Zukunft

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Dr.-Ing. Alexander Hergert, Head of R&D Cable Accessories HVDC, widmete sich der Frage, „warum HVDC das Schlüsselelement moderner Energiesysteme ist“. HDCV (High-Voltage Direct Current beziehungsweise auf Deutsch Hochspannungs-Gleichstromübertragung) wird für den verlustarmen Transport großer Strommengen über weite Entfernungen benötigt – etwa von Offshore-Windparks in der Nordsee zu den Verbrauchszentren im Süden. Mit höheren Spannungen und Leistungen steigen die Anforderungen an Kabelgarnituren, Stecksysteme und Isolationskonzepte. Gerade an den Übergängen zwischen Kabeln, Transformatoren und Schaltanlagen entscheidet sich, ob ein System dauerhaft zuverlässig arbeitet.

„Die Technik liegt im Detail“

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Welche infrastrukturellen Dimensionen hinter diesen technologischen Anforderungen stehen, zeigte anschließend Prof. Dr.-Ing. Stefan Tenbohlen, Leiter des Instituts für Energieübertragung und Hochspannungstechnik der Universität Stuttgart. Politische Ziele allein reichten nicht: Produktionskapazitäten, Fachkräfte, Werften, Kabel, Konverterplattformen und Genehmigungen müssten mitwachsen.

„Wenn ich fünfmal so viele Anlagen installieren will, brauche ich auch fünfmal so viele Leute“, sagte er. „Das ist nicht skalierbar wie Facebook, Instagram oder TikTok – da muss wirklich etwas gebaut werden.“

Offshore-Windparks rücken weiter von der Küste weg, während Turbinen und Konverterplattformen immer leistungsstärker werden. Künftige Plattformen könnten rund 2 GW bündeln, doch nur wenige Werften können Anlagen dieser Dimension fertigen. „Die Technik liegt im Detail“, sagte Tenbohlen mit Blick auf die notwendigen Kabel, Armaturen und Verbindungselemente.

Auch an Land ist der Investitionsbedarf gewaltig. Windstrom muss vom Norden in die Verbrauchszentren transportiert werden. Zugleich müssen Verteilnetze und Umspannwerke für Photovoltaik, Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge und Speicher ausgebaut werden. Smart Grids sollen Angebot und Nachfrage besser zusammenführen. „Wir müssen den Verbrauch an die Erzeugung ausrichten. Das ist ein komplett anderes Verhalten“, erklärte Tenbohlen.

Fazit

Der Medientag zeigte: Die Energiewende ist vor allem ein industrielles Umsetzungsprojekt. Neue Erzeugungsanlagen reichen nicht, wenn Netze, Produktionskapazitäten und Verbindungstechnik nicht Schritt halten. Für Pfisterer entsteht daraus ein langfristiger Wachstumsmarkt. Die Kombination aus technologischer Spezialisierung, internationaler Präsenz, breiter Kundenbasis und zusätzlichem finanziellen Spielraum durch den Börsengang schafft eine gute Ausgangslage. Entscheidend bleibt die Umsetzung: Kapazitäten müssen rechtzeitig aufgebaut und Produkte entwickelt werden, die auch nach Jahrzehnten zuverlässig funktionieren. Denn die großen Stromautobahnen der Zukunft sind nur so stark wie ihre Verbindungen.


PFISTERER auf einen Blick

Sitz: Winterbach
Gründung: 1921
Umsatz 2025: rund 450 Mio. EUR
EBITDA 2025: rund 80 Mio. EUR
EBITDA-Marge: 17,8%
Auftragsbestand: 334 Mio. EUR
Beschäftigte: mehr als 1.500
Patente: 105
Präsenz: 19 Gesellschaften in 15 Ländern; Geschäft in mehr als 90 Märkten
Erwartetes Marktwachstum: durchschnittlich 11,6% pro Jahr bis 2030
Adressierbarer Markt: von 13,1 Mrd. EUR 2025 auf 24,5 Mrd. EUR 2030

Umsatz nach Regionen, gerundet:
Europa: 54%
Mittlerer Osten/Indien: 25%
Amerikas: 14%
Asien-Pazifik: 6%

Umsatz nach Produktsegmenten:
HVA – High Voltage Accessories: Hochspannungskabelgarnituren, 39%
OHL – Overhead Lines: Freileitungssysteme, 28%
COM – Components: Komponenten, 21%
MVA – Medium Voltage Accessories: Mittelspannungskabelgarnituren, 12%

Autorenprofil
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Eva Rathgeber ist Chefredakteurin der Unternehmeredition und verfügt über langjährige Erfahrung in Journalismus, PR und Unternehmenskommunikation. Inhaltlich liegt ihr Fokus auf Mittelstand, Familienunternehmen, Finanzierung, Investitionen, Private Equity, M&A, Nachfolge, Digitalisierung und Innovation.

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