Creditreform: Zahlungsverzug im B2B-Sektor sinkt auf Rekordtief

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Im zweiten Halbjahr 2025 hat sich der Zahlungsverzug im deutschen B2B-Geschäft weiter verringert. Laut dem aktuellen Creditreform Zahlungsindikator sank die Verzugsdauer auf durchschnittlich 7,50 Tage. Im Jahr 2022 lag dieser Wert noch bei fast elf Tagen. Die Wirtschaftsforschung von Creditreform führt diese Entwicklung auf ein optimiertes Forderungsmanagement der Lieferanten zurück. Angesichts steigender Insolvenzen versuchen Kreditgeber, Zahlungsausfälle konsequent zu vermeiden.

Großzügigere Zahlungsziele für Großkunden

Parallel zur kürzeren Verzugsdauer wurden die Zahlungsziele in Deutschland spürbar verlängert. Im zweiten Halbjahr 2025 betrug das durchschnittliche Zahlungsziel 32,13 Tage. Dies entspricht einem Anstieg um 0,91 Tage im Vergleich zum Vorjahr. Nach Angaben von Creditreform sind die Zahlungsfristen damit so großzügig wie seit mehr als sieben Jahren nicht mehr. Von dieser Ausweitung profitierten jedoch primär große Unternehmenskunden. Diese erhalten mittlerweile im Schnitt ein Zahlungsziel von 35,51 Tagen. Bei Aktiengesellschaften liegt die Frist sogar bei über 42 Tagen. Kleine und mittlere Firmen kamen hingegen kaum in den Genuss längerer Fristen. Für kleine Unternehmen betrug das Zahlungsziel lediglich 26,31 Tage. Bei mittleren Betrieben sanken die Fristen teilweise sogar leicht auf 27,19 Tage.

Stabile Forderungslaufzeiten trotz Krise

Die gesamte Forderungslaufzeit blieb im zweiten Halbjahr 2025 mit durchschnittlich 39,63 Tagen unverändert. Diese Kennzahl setzt sich aus der vereinbarten Zahlungsfrist und der tatsächlichen Überfälligkeit zusammen. Laut Analyst Jörg Urbscheit müssen Warenlieferungen und Dienstleistungen somit weiterhin im Schnitt rund 40 Tage vorfinanziert werden. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief dabei sehr unterschiedlich. Während das Metall- und Elektrogewerbe sowie die Logistikbranche längere Laufzeiten verzeichneten, beschleunigten sich die Abläufe im Baugewerbe und Großhandel. Die Chemiebranche weist mit 40,77 Tagen weiterhin eines der längsten Zahlungsziele auf. Im Gegensatz dazu müssen persönliche Dienstleister im Schnitt nur 26,70 Tage auf ihr Geld warten.

Sinkende Transaktionswerte in der Industrie

Ein markanter Trend der aktuellen Untersuchung ist der Rückgang der durchschnittlichen Rechnungsbeträge. Der Wert einer verspätet bezahlten Rechnung sank auf 1.838 Euro. Dies ist laut Patrik-Ludwig Hantzsch der niedrigste Stand der letzten zehn Jahre. Im Jahr 2022 lag dieser Betrag noch bei fast 2.200 Euro. Besonders in der Industrie zeigt sich ein Investitionsknick, der zu kleineren Transaktionsvolumina führt. Bei Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten sank der Durchschnittswert von 3.206 Euro auf 2.843 Euro. Dennoch bleibt das Klumpenrisiko durch Großkunden hoch. Ein durchschnittliches Großunternehmen ließ im Berichtszeitraum bei 51 Rechnungen das Zahlungsziel verstreichen. Kleinunternehmen waren im Schnitt nur mit sieben Rechnungen überfällig.

Trotz der kürzeren Verzugsdauer warnt die Creditreform Wirtschaftsforschung vor anhaltenden Risiken. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen erreichte 2025 den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Kreditgeber agieren daher vorsichtiger, was sich auch in der gesunkenen Anzahl überfälliger Belege widerspiegelt. Im Schnitt bezahlte jeder Schuldner zehn Rechnungen nach Ablauf der Frist, im Vorjahr waren es noch elf. Für die aktuelle Studie wertete der Verband rund 3,8 Millionen Rechnungsbelege aus dem Creditreform Debitorenregister Deutschland (DRD) aus. Die Datenbasis umfasst Informationen zu rund 1,17 Millionen Unternehmen mit einem gesamten Belegvolumen von 89 Mrd. Euro.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen und Tech-Start-ups.

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