Wirtschaftsprognosen in Deutschland bessern sich weiter

Wirtschaftsprognosen werden trüber
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Die Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage verbessern sich nach Aussage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) im Vergleich zu Jahresbeginn. Knapp ein Drittel der deutschen Unternehmen beurteilen in der DIHK-Konjunkturumfrage ihre aktuelle Lage als gut, während 30 Prozent von einer schlechten Geschäftslage sprechen. Dies ist eine erste positive Nachricht aus unserem regelmäßigen Überblick der Wirtschaftsprognosen.

Dabei bewerten die Wirtschaftsbereiche ihre Lage sehr unterschiedlich, und zwar vor allem danach, wie stark sie weiterhin von Einschränkungen der Geschäftstätigkeit betroffen sind. Besonders deutlich fällt die Verbesserung nach DIHK-Einschätzung in der Industrie aus. Im Baugewerbe hellt sich die Stimmung leicht auf. Im Dienstleistungssektor bleibt die Lage hingegen fast unverändert schlecht. Der Handel bewertet seine Lage ebenfalls weiter schlecht. Die Finanzlage der Unternehmen erholt sich derzeit nur sehr langsam. Noch immer beurteilen 43% der Unternehmen ihre eigene Finanzierungssituation als problematisch. Im Vordergrund steht vor allem der Eigenkapitalrückgang, sowie Liquiditätsengpässe. Von einer Insolvenz sehen sich rund 5% der Unternehmen bedroht.

Maschinenexporte steigen weiter

Die globale Konjunkturerholung in der Industrie führt nach Meinung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA) zunehmend zu einer verbesserten Auftragslage und höherem Exportvolumen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Im März stiegen die Maschinenexporte um 13,1% im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt anhand noch vorläufiger Zahlen mitteilte. „Der starke Zuwachs im März ist zwar teilweise auf eine niedrigere Vergleichsbasis zurückzuführen. Der beschleunigte Auftragseingang speziell aus dem Ausland macht sich deutlich in unseren Exportzahlen bemerkbar. Wir gehen davon aus, dass wir auch in den kommenden Monaten zweistellige Wachstumsraten beim Export verzeichnen werden“, sagt VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. Die Ausfuhren nach China konnten nach VDMA-Angaben im ersten Quartal um 20,3% auf 4,9 Milliarden EUR zulegen. Ein ähnliches Volumen wurde beim Export in die Vereinigten Staaten erzielt.

Deutsche Industrie will Produktion steigern

Die Produktionserwartungen der deutschen Industrie haben sich verbessert. Der entsprechende Indikator des Münchener ifo Instituts stieg im April auf 33,1 Punkte, nach 30,2 im März. „Die Auftragsbücher füllen sich, und es gibt immer noch Nachholbedarf nach dem Krisenjahr“, sagt ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Nahezu alle Branchen kündigten Produktionssteigerungen an. „Insbesondere die Elektronindustrie und die Automobilbranche wollen ihre Produktion stark ausweiten“, ergänzt Wohlrabe.

Unternehmen werden 2021 Stellen schaffen

In deutschen Unternehmen werden in diesem Jahr insgesamt eher Stellen geschaffen als gestrichen. Das geht aus der neuen Randstad-ifo-Personalleiterbefragung hervor. Demnach werden in 36% der Firmen neue Jobs entstehen. Bei 34% der Unternehmen war die Lage in den ersten Monaten des Jahres noch unklar. Vor allem Großunternehmen mit über 500 Beschäftigten bauen Personal auf, denn 65% der Personalverantwortlichen rechnen mit einem Stellenzuwachs. Zurückhaltend sind kleine Unternehmen unter 50 Beschäftigten, dort wollen lediglich 29% der Unternehmen neue Stellen schaffen.

ZEW erwartet mehr Insolvenzen

Nach dem endgültigen Auslaufen der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht droht nun in den kommenden Monaten ein erneuter Anstieg an Insolvenzen, hauptsächlich im Dienstleistungs- und Handelssektor. Auch kleinere, ältere sowie Einzelunternehmen würden mit der Insolvenzantragspflicht wieder deutlich mehr Insolvenzen verzeichnen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des ZEW Mannheim in Kooperation mit Creditreform. Laut der Untersuchung seien die deutschen Wirtschaftszweige unterschiedlich betroffen. Vor allem in den vier Monaten nach Pandemiebeginn war ein überproportional starker Rückgang an Insolvenzen im Dienstleistungs- und Handelssektor zu beobachten.

„Dieser Rückstau an Unternehmensinsolvenzen besteht zum großen Teil aus Unternehmen des Dienstleistungs- und Handelssektors. Seit dem Aussetzen der Insolvenzantragspflicht für Krisenunternehmen wurden über alle Branchen hinweg nur leicht steigende Insolvenzzahlen beobachtet“, sagt Dr. Georg Licht, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ und Co-Autor der Studie. Die ZEW-Wissenschaftler gehen in ihrer Studie davon aus, dass die Anzahl an Unternehmensinsolvenzen in stark betroffenen Teilbranchen wie Gastronomie, Beherbergung, Tourismus und Bekleidung, in den kommenden Monaten stark steigen werden. Vor allem kleine Unternehmen mit begrenzten Bargeldreserven und geringen Sicherheiten für die Inanspruchnahme neuer Kreditlinien seien einem hohen Insolvenzrisiko ausgesetzt.

Bundesjustizministern Christine Lambrecht rechnet ebenfalls mit einem Anstieg der Firmenpleiten. Prognosen über die Stärke der Insolvenzwelle wollte sie aber nicht abgeben, da für Unternehmen weiter viele Hilfen zur Verfügung stehen. Durch das neue Unternehmensstabilisierungs- und -Restrukturierungsgesetz (StaRUG) gebe es zudem auch neue Möglichkeiten für eine Sanierung außerhalb der Insolvenz.

40 Milliarden Euro Umsatzverlust durch Corona

Die von den Lockdowns und Geschäftsschließungen betroffenen Branchen im Nicht-Lebensmittelhandel verlieren nach Aussage des Handelsverbands Deutschland (HDE) in den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit bis zu 40 Mrd. EUR Umsatz. Nach einer aktuellen HDE-Umfrage unter knapp mehr als 1000 Händlern, sähen sich deshalb mehr als die Hälfte der Bekleidungshändler ohne weitere staatliche Hilfen im Jahresverlauf in Existenzgefahr. „Für den Lockdown-Handel war 2021 bis jetzt ein katastrophales Jahr. Die Umsätze liegen in den betroffenen Branchen bis Ende Mai voraussichtlich im Durchschnitt um rund 60 Prozent unter dem Vorkrisenniveau“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. „Die Lage im Nicht-Lebensmittelhandel ist vielerorts alarmierend schlecht. Deshalb müssen die Corona-Hilfen jetzt schnellstmöglich komplett ausgezahlt werden“, fährt er fort.

Autorenprofil

Als Redakteur der Unternehmeredition berichtet Alexander Görbing regelmäßig über Unternehmen und das Wirtschaftsgeschehen. Zu seinen Schwerpunkten gehören dabei Restrukturierungen, M&A-Prozesse, Finanzierungen sowie Tech-Startups.

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