Die Warenhauskette Galeria beantragt abermals ein Insolvenzverfahren. Die Meldung über die Anmeldung zur Insolvenz geht auf übereinstimmende Medienberichte zurück. Bis heute Mittag gibt es bei den Insolvenzbekanntmachungen noch keinen Eintrag. Der Antrag ging beim Amtsgericht Düsseldorf ein. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen läuft vorerst weiter. Rund 12.000 Beschäftigte müssen erneut um ihre Arbeitsplätze bangen. Für den Konzern ist es die vierte Pleite. Diese Insolvenzen passierten alle innerhalb von sechs Jahren.
Leere Kassen blockieren das laufende Geschäft
Dem Unternehmen fehlt offenbar massiv Geld. Aktuell besitzt der Konzern offenbar nur noch 10 Mio. EUR. Vertraglich vorgeschrieben ist eine Mindestliquidität von 20 Mio. EUR. Die Gehälter für September wurden nur mit großer Mühe bezahlt. Die Umsätze sanken in den vergangenen Monaten stark. Im September lag das Minus bei rund 25 %. Im Juni erhielt die Kette noch 160 Mio. EUR. Der US-Investor Gordon Brothers gewährte diese Kreditlinie. Ein Großteil dieses Geldes floss aber sofort ab. Galeria beglich damit alte Schulden und offene Mietzahlungen. Gespräche über eine weitere Finanzspritze scheiterten am Donnerstagabend.
Neue Eigentümer streichen traditionelle Namen
Seit 2024 gehört das Unternehmen der US-Investmentgesellschaft NRDC. Auch der Unternehmer Bernd Beetz stieg als Miteigentümer ein. Die bekannten Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden 2024. Sie wurden komplett aus dem Firmennamen entfernt. Der Sitz des Unternehmens wechselte von Essen nach Düsseldorf. Im April 2026 beklagten Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Im Juli stellte der Konzern 33 Warenhäuser auf den Prüfstand. Das Management verhandelte mit den Vermietern über neue Konditionen. Ohne tragfähige Lösungen drohte die Schließung dieser Standorte. Alle Warenhäuser müssen ab sofort nachhaltig profitabel wirtschaften.
Gewerkschaft kritisiert schwere Managementfehler
Bernd Beetz äußert sich enttäuscht über die aktuelle Entwicklung. Die Mitarbeiter hätten bis zum Ende an die Rettung geglaubt. Er habe konkrete Optionen für Veränderungen vorgestellt. Die Gewerkschaft Verdi fordert Aufklärung für die Mitarbeiter. Vorstandsmitglied Silke Zimmer übt scharfe Kritik an der Führung. „Haarsträubende Managementfehler haben zu dieser Entwicklung geführt“, betonte Zimmer. Durch die Gesellschafter seien keine nachhaltigen Investitionen geflossen. „Die Beschäftigten brauchen jetzt einen Plan für die Zukunft und keine Nebelkerzen!“, sagte Zimmer.
Schwache Konsumstimmung belastet den Einzelhandel
Die Relevanz von klassischen Warenhäusern nimmt drastisch ab. Ihre Anteile fielen seit 2020 von 4,2 % auf 1,2 %. Diese Zahlen vom Handelsforschungsinstituts EHI beinhalten auch Ketten wie Müller und Woolworth. Der Einzelhandel in Deutschland steht demnach massiv unter Druck. Der wachsende Onlinehandel verdrängt das klassische Geschäft. Laut dem Kreditversicherer Allianz Trade meldeten rund 2.600 Einzelhändler in einem Jahr Insolvenz an. Dazu gehören Discounter wie Kodi und die Deko-Kette Depot.
Fehlende Weihnachtsware
Der Zeitpunkt des aktuellen Insolvenzantrags ist äußerst kritisch. Die letzte Insolvenz startete im Januar 2024. Damals war das lukrative Weihnachtsgeschäft bereits erfolgreich abgeschlossen. Die Kassen verfügten zu diesem Zeitpunkt über reichlich Liquidität. Beim Verfahren im Oktober 2022 war die Weihnachtsware bestellt. Diesmal fehlt diese wichtige Ware in den Filialen komplett. Der Warenbestand ist momentan stark ausgedünnt und lückenhaft. Gordon Brothers bewertet und verkauft traditionell Handelswaren. Das US-Unternehmen erhält die Ware üblicherweise als Sicherheit. Die Lieferanten bangen um den Vertriebskanal Warenhaus.
Auszahlung der Mitarbeitergehälter bleibt ungewiss
Die Auszahlung von Insolvenzgeld steht derzeit stark auf der Kippe. Die Bundesagentur für Arbeit prüft die komplexe rechtliche Lage. Das letzte Insolvenzverfahren wurde erst im August 2024 aufgehoben. Die Planüberwachung durch den damaligen Insolvenzverwalter läuft aber noch. Die Zahlungsunfähigkeit des letzten Falles darf rechtlich nicht fortbestehen. In Fällen andauernder Planüberwachung nehmen Gerichte oft eine durchgehende Zahlungsunfähigkeit an. Ohne Insolvenzgeld droht die sofortige Abwicklung des gesamten Unternehmens.
Die drei bisherigen Insolvenzverfahren
Die drei bisherigen Insolvenzverfahren hinterließen gewaltige Spuren im Unternehmen. In den Jahren 2020, 2022 und 2024 kam es zu schweren Einschnitten. Zahlreiche Filialen wurden infolge dieser vergangenen Verfahren für immer geschlossen. Vor der ersten Pleite betrieb die Kette 172 Warenhäuser. Rund 90 Standorte verschwanden im Zuge der harten Sanierungspläne. Der massive Personalabbau traf die Belegschaft extrem schwer. Etwa 9.400 Arbeitsplätze fielen durch die vielen Schließungen weg. Die Zahl der Mitarbeiter sank von einst über 17.400 stark. Heute arbeiten nur noch rund 12.000 Menschen für den Konzern.
Gewaltige finanzielle Schäden für die Gläubiger
Die ungesicherten Gläubiger trugen während der drei Insolvenzen enorme Verluste. Lieferanten und Vermieter verzichteten insgesamt auf rund 4,2 Md EUR. Die Gläubiger wollten der Warenhauskette so den Weg aus der Krise ermöglichen. Allein beim ersten Verfahren schrieben sie über 2 rd. EUR ab. Im dritten Verfahren flossen höchstens rund 3 % der alten Forderungen zurück. Der Ausfall betrug allein im Jahr 2024 rund 864 Mio. EUR. Zudem finanzierte die Arbeitsagentur die Rettungsversuche mit viel Geld. Der Staat zahlte bislang mindestens 225 Mio. EUR an Insolvenzgeld. Zusätzlich hat der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) 2021 und 2022 680 Mio. EUR als Nachrangdarlehen gegeben. Davon waren nach dem Verfahren 2023 rund 552 Mio. EUR verloren. Nur 40 Mio. EUR waren zurückgezahlt. Diese enormen Zugeständnisse sicherten das Überleben der Traditionskette dennoch nicht dauerhaft.
Kein Geld für Gehälter: Galeria erneut insolvent Leere Kassen: Galeria beantragt Insolvenzverfahren 12.000 Jobs in Gefahr: Warenhaus Galeria ist pleite








