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Harald Schäfer hat Caratec über 15 Jahre aufgebaut und erfolgreich im Caravaning-Markt positioniert. Mit dem Wachstum des Unternehmens stiegen jedoch die Anforderungen an Strukturen und Vertrieb. Um Caratec weitere Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen und zugleich die eigene Nachfolge zu regeln, entschied sich Schäfer für den Verkauf.
Harald Schäfers Weg in die Caravaning-Branche begann lange vor der Gründung von Caratec. Seine Begeisterung für Technik wurde früh durch seinen Bruder geprägt, der ein Hi-Fi-Geschäft betrieb. Später arbeitete Schäfer unter anderem bei Volkswagen Zubehör und für einen italienischen Hersteller von Alarmanlagen. Als dessen Muttergesellschaft ihr Geschäft fokussierte und sich vom Caravaning-Bereich trennte, nutzte Schäfer gemeinsam mit einem Partner die Gelegenheit: 2009 entstand im Rahmen eines Management-Buy-outs Caratec.
Nach dem späteren Ausscheiden seines Geschäftspartners führte Schäfer das Unternehmen allein weiter. Aus dem zunächst stark handelsorientierten Geschäft entwickelte sich ein Anbieter mit eigenen Produkten und Marken in den Bereichen Audio, Video, Sicherheit und Energie. Hinzu kamen ein neuer Standort in Landau in der Pfalz, ein Servicecenter für Beratung, Einbau und Reparatur sowie Schulungen für Fachhändler.
Wachstum braucht neue Strukturen
Mit dem Erfolg stieß die bisherige Struktur jedoch zunehmend an ihre Grenzen. „Das Unternehmen ist immer weiter gewachsen, und die Arbeit an den Produkten hat mir großen Spaß gemacht – doch ich habe irgendwann erkannt, dass wir an einem Punkt standen, an dem professionellere Vertriebsstrukturen nötig waren, um das volle Marktpotenzial auszuschöpfen“, sagt Schäfer.
Der Unternehmer verstand sich selbst vor allem als Produktentwickler und Techniker. Herstellerkontakte, Vertrieb, Produktentwicklung und Tagesgeschäft liefen bei ihm zusammen. Gerade im Vertrieb sah er deshalb Potenziale, die Caratec unter einem neuen Eigentümer besser erschließen könnte.
Zunächst prüfte Schäfer eine familieninterne Nachfolge. Sein Sohn arbeitete zwar damals wie heute im Unternehmen, wollte jedoch nicht die unternehmerische Gesamtverantwortung übernehmen. Damit war eine wichtige Frage bereits geklärt, bevor der Verkaufsprozess begann.
Diskretion in einer kleinen Branche

Bei der Suche nach einem M&A-Berater war für Schäfer neben der fachlichen Erfahrung vor allem Vertrauen entscheidend. Syntra hatte bereits Transaktionen im Umfeld von Freizeitmobilen, Spezialfahrzeugen und Elektronik begleitet und verfügte über Kontakte zu potenziellen Käufern.
Das war gerade im Caravaning-Markt wichtig. „Die Branche ist sehr familiär – Herr Schäfer ist dort bekannt und hat persönliche Kontakte zu vielen Marktteilnehmern“, sagt Fabian Schmidt von Syntra Corporate Finance. Eine Verkaufsabsicht, die zu früh bekannt geworden wäre, hätte Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner verunsichern können.
Syntra begrenzte deshalb den Kreis potenzieller Interessenten bewusst. „Wir haben nur Parteien angesprochen, bei denen wir einen erheblichen Mehrwert und Fit gesehen haben“, erklärt Schmidt. Bis zum Abschluss blieb der Prozess vertraulich.
Für Schäfer ging es dabei nicht allein um den Kaufpreis: Er wollte keinen Investor, der das Unternehmen kurzfristig optimiert, sondern einen Eigentümer, dem er Mitarbeiter, Standort und unternehmerisches Erbe anvertrauen konnte.
Caratec wird zur Plattform
Gefunden wurde dieser Partner mit H3L Unternehmerkapital. Die Beteiligungsgesellschaft übernahm Caratec im Juni 2024 im Rahmen der Nachfolgelösung. Für H3L war das Unternehmen zugleich der Einstieg in den Caravaning-Sektor: Caratec wurde zur Plattform, um einen größeren Unternehmensverbund in diesem Markt aufzubauen.
Die Voraussetzungen dafür waren günstig. Caratec verfügte über eine bekannte Marke, eigene Produkte, Zugang zum Fachhandel und ein starkes Aftermarket-Geschäft. Gerade Letzteres erwies sich nach dem außergewöhnlichen Caravaning-Boom der Coronajahre als Vorteil: Viele damals angeschaffte Reisemobile blieben im Markt und werden mit Elektronik, Sicherheits-, Audio- oder Energielösungen nachgerüstet.
Gleichzeitig sah der Käufer zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten. Neben weiteren Akquisitionen sollte insbesondere der Vertrieb professionalisiert und das Servicegeschäft ausgebaut werden. Inzwischen hat H3L weitere komplementäre Unternehmen im Caravaning-Umfeld erworben; dadurch sollen unter anderem Skaleneffekte und Cross-Selling-Möglichkeiten entstehen.
„Es ist jemand, der sich wirklich in die Branche reinarbeitet und den Footprint vergrößert“, sagt Schäfer rückblickend. Damit traf die Strategie genau einen Punkt, der ihm beim Verkauf wichtig gewesen war: Caratec sollte nicht lediglich den Eigentümer wechseln, sondern neue Entwicklungsmöglichkeiten erhalten.
Abschied vom eigenen Lebenswerk
Bis dahin musste Schäfer allerdings noch die intensivste Phase des Verkaufs bewältigen. Due Diligence und Vertragsverhandlungen liefen parallel zum Tagesgeschäft – und das, ohne dass die Belegschaft vom Prozess erfahren durfte. Unterstützt wurde er von Syntra, einem spezialisierten Anwalt und seiner Steuerberaterin.
Die Unterschrift unter den Kaufvertrag in Hamburg empfand Schäfer schließlich als weniger emotional als erwartet. Eine besondere Situation war für ihn die Information der Belegschaft über den Verkauf. Für viele Mitarbeiter kam der Eigentümerwechsel überraschend – umso wichtiger war es ihm, deutlich zu machen, dass Caratec unter dem neuen Eigentümer weiterentwickelt werden sollte.
Heute sind Schäfer und seine Frau aus dem operativen Geschäft ausgeschieden; er selbst steht Caratec noch beratend zur Seite. Der Verkauf hat ihm zu genau jener Freiheit verholfen, die er sich erhofft hatte. Eine dreiwöchige Reise mit dem Wohnmobil nach Irland wäre während seines Unternehmerlebens kaum denkbar gewesen.
Seine Leidenschaft für Produkte und Technik hat er dennoch nicht aufgegeben – nur die Verantwortung trägt heute jemand anderes. Für Schäfer war der Verkauf deshalb weniger ein Schlussstrich als eine bewusste Entscheidung, zwei Perspektiven miteinander zu verbinden: die eigene und die seines Unternehmens.
👉 Dieser Beitrag erscheint auch in der aktuellen Magazinausgabe der Unternehmeredition 3/2026 mit dem Themenschwerpunkt „Unternehmensverkauf/M&A“.
KURZPROFIL
Caratec GmbH
Branche: Elektronik und Fahrzeugzubehör für Reisemobile und Caravans
Gründungsdatum: 2009
Firmensitz: Landau in der Pfalz
Mitarbeiterzahl: >20
Umsatz: k.A.








