„Quantitativer Unsinn“

Harald Preißler

Harald Preißler glaubt, dass die Notenbanken weiterhin Anleihen in großem Stil kaufen, die Zinsen auch weiterhin fallen werden. Was das für den Fonds Bantleon Family & Friends bedeutet.

Unternehmeredition: Ihr Fonds Family & Friends hat sich zuletzt erholt. Was haben Sie anders gemacht im Vergleich zum vergangenen Jahr?

Porträt Harald PreißlerPreißler: Wir sind unserem fundamentalen Investmentstil vollumfänglich treu geblieben. Das hat sich ausgezahlt. Zu Jahresbeginn reduzierten wir die Aktienquote des Fonds wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten deutlich. Nach den Brexit-Turbulenzen erhöhten wir sie wieder. Darüber hinaus konnten wir von der freundlichen Entwicklung der Anleihenmärkte profitieren.

Die Notenbanken fluten weiterhin die Märkte mit billigem Geld. Was ist die Konsequenz?

Die Zinsen fallen ins Bodenlose, 90 Prozent aller deutschen Bundesanleihen weisen inzwischen eine negative Rendite auf. Selbst Industrieunternehmen können inzwischen mit der Ausgabe von Schuldverschreibungen bares Geld verdienen. Die EZB nennt das Quantitative Easing, für mich ist das ein quantitativer Unsinn.

Wie reagieren Sie darauf?

Wir reagieren nicht auf die Geldpolitik, sondern wir versuchen, die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten Quartale zu antizipieren – denn darauf reagiert die EZB. Die Aussichten für die nächsten zwölf Monate sind zwar moderat positiv. Das reicht aber nicht, um die Inflation nennenswert zu befeuern. Ergo werden die Anleihekäufe weitergehen, mit der Folge, dass die Zinsen noch tiefer sinken. Für uns heißt das: Trotz negativer Renditen bieten sich an den Anleihemärkten nach wie vor Chancen.

Wo sollten Unternehmer ihr Geld anlegen?

In Zeiten wie diesen ist Kapitalerhalt die Maxime. Auf keinen Fall sollte man sich dazu verleiten lassen, bei der Jagd nach dem letzten Renditepunkt in immer illiquidere Assetklassen zu gehen. Das mag kurzfristig einen höheren Ertrag generieren, rächt sich aber, wenn die Märkte im Stressfall austrocknen. Das passiert übrigens trotz der Überflutung mit billigem Zentralbankgeld immer häufiger.