Offene Türen: Statt alles in die Firma zu stecken suchen Unternehmer heute unterschiedliche Wege, ihr Vermögen anzulegen.
Offene Türen: Statt alles in die Firma zu stecken suchen Unternehmer heute unterschiedliche Wege, ihr Vermögen anzulegen.

Über viele Jahre hinweg legten deutsche Mittelständler fast jeden Cent ihrer Erträge im eigenen Unternehmen an. Das ist vorbei. In Zeiten dauerhafter Niedrigzinsen, politischer Risiken und wirtschaftlicher Herausforderungen hat sich das Investitionsverhalten verändert. Wie das Unternehmervermögen heute angelegt wird.

Bereits im Jahr 1803 wusste der Schriftsteller Friedrich Schiller: „Ein jeder Wechsel schreckt den Glücklichen.“ Im Frühjahr 2008 schienen die Schrecken eines Wechsels, denen deutsche mittelständische Familienunternehmen ins Auge sehen mussten, noch nicht allzu groß. Dass knapp ein halbes Jahr später die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrechen würde, ahnte niemand. Wohl kaum ein Firmenlenker, der sich hätte vorstellen können, dass der Fall eines amerikanischen Geldhauses den Beginn der größten Weltwirtschaftskrise seit 1929 markieren und Europa schnell aufeinanderfolgend in eine Banken-, Staatsschulden- und Währungskrise stürzen sollte. Eine von den Notenbanken verordnete Geldpolitik dauerhafter Niedrig- oder gar Nullzinsen war bislang nur aus Japan bekannt.

So sorgte der wirtschaftliche Aufschwung zu Beginn 2008 für Optimismus unter deutschen Unternehmern. Der Bundesverband der Deutschen Industrie ging für die kommenden Jahre von einem Wachstum von bis zu zwei Prozent aus. Mittelständler wollten expandieren und Arbeitsplätze schaffen. Unter diesen Voraussetzungen war es selbstverständlich, erwirtschaftete Überschüsse gleich wieder ins Unternehmen zu investieren. Geld, das nicht sofort benötigt wurde, landete auf Fest- oder in Termingeldkonten, schließlich sollte Liquidität bei Bedarf schnell verfügbar sein. Wer länger investiert sein wollte, setzte meist auf zehnjährige Bundesanleihen. Investments in Aktien oder Fonds galten vielen Firmenlenkern als viel zu riskant, angesichts eines Leitzinses von 3,75 Prozent zudem als unnötig.

Nicht einmal zehn Jahre später ist alles anders. Zwar hat sich die deutsche Wirtschaft nach dem Konjunktureinbruch zwischen 2008 und 2010 zügig erholt. Mittelständische Unternehmen sind gut durch das Tief gekommen und erzielen längst wieder hervorragende Gewinne. Neue Herausforderungen lassen sich aber nicht übersehen: Krisen folgen aufgrund der fortschreitenden Globalisierung und der Vernetzung der internationalen Finanzmärkte schneller aufeinander. Abschottungstendenzen in den USA, in Russland und einigen europäischen Ländern bringen gerade für international tätige Unternehmen Risiken mit sich. Die Digitalisierung der Produktion schreitet voran. Wer nicht mithalten kann, läuft Gefahr, von der Konkurrenz übernommen zu werden oder ganz aufgeben zu müssen. Der viel beschworene Generationenwechsel ist in vollem Gange.

 Alternative Anlagen blühen

 Für all diese neuen Herausforderungen müssen sich mittelständische Familienunternehmen heute finanziell wappnen. Mit den traditionell genutzten Festzinspapieren funktioniert das in Zeiten eines historisch niedrigen Zinsniveaus nicht mehr. Und wer Gewinne weiter komplett ins Unternehmen investiert, läuft Gefahr, im Ernstfall alles zu verlieren. Die anhaltende Hausse an den Aktienmärkten, Sachwerte, Beteiligungen an anderen Unternehmen und neue Fondslösungen wie Impact-Investing-Vehikel bieten aktuell gute Renditechancen. Wer nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre Banken als Partner für die Geldanlage nicht mehr so recht vertraut, kann die Dienstleistungen unabhängiger Vermögenverwalter in Anspruch nehmen. Und nicht zuletzt wächst die Zahl der Family Offices, die sich zunehmend bereiter zeigen, auch Unternehmen mit kleineren Vermögen zu managen. Doch ob Mittelständler in Sachen Kapitalerhalt und -vermehrung neue Wege beschreiten, hängt stark von der Größe ihres Unternehmens ab.