Der deutsche Mittelstand und die Krise in Europa

Dr. Thomas Bucksteeg, Torsten Kleser, Kai Matthias Liebe und Reinhard Willemsen standen uns Rede uns Antwort.

Die Euro-Krise ist noch nicht überwunden. Wie hart trifft sie den Mittelstand noch?

Dr. Thomas Bucksteeg, Bereichsleiter Turnaround, BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft
Ein Großteil des Mittelstands ist aus der letzten Krise 2007/08 gestärkt hervorgegangen. Optimierungs- oder Restrukturierungsmaßnahmen haben dazu geführt, dass viele Unternehmen die nachfolgende Aufschwungsphase nutzen konnten, um gute bis sehr gute Umsatzrenditen zu erzielen und damit ihr Eigenkapital wieder zu stärken. Viele mittelständische Unternehmen sind insofern gut aufgestellt, um auch zukünftige Konjunkturschwächen aufzufangen, sofern diese nicht zu extrem ausfallen. Dennoch: Vor allem die Unternehmen, deren Absatzmärkte zu einem größeren Teil in einem der südeuropäischen Krisenländer sind, könnte es schon noch härter treffen. Gerade diese Unternehmen sollten sich auch frühzeitig intensiv mit dem Thema der Finanzierung auseinandersetzen. Beteiligungskapital kann hier einen Puffer auch für schwierigere Zeiten schaffen und Beteiligungsgesellschaften können mit zusätzlichem Eigenkapital unterstützend zur Seite stehen.

Torsten Kleser, Vorstand, capFlow AG
Wir sehen bei unseren Kunden nach wie vor eine gute Nachfragesituation.
Diese war auch in der Krise nicht nachhaltig gestört. Die Krise hat die Unternehmen eher bankenseitig getroffen, indem Finanzierungsentscheidungen oftmals länger als geplant und im schlechtesten Fall gar nicht getroffen bzw. abgelehnt wurden und so bestehende Aufträge und Projekte nicht so umgesetzt werden konnten, wie es mit ausreichender Finanzierung möglich gewesen wäre. Die Auswirkungen der Krise dürften Unternehmen in den südländischen Ländern wesentlich härter getroffen haben und
noch immer treffen.

Reinhard Willemsen, Rechtsanwalt, Partner,
Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Die mittelbaren Auswirkungen der Eurokrise auf den Mittelstand sind nicht zu unterschätzen. Durch die in Folge der Eurokrise verschärften Bedingungen für Kreditaufnahmen und Bewilligungen entstehen nicht unerhebliche Restriktionen
für mittelständische Unternehmen. Außerdem erschwert die Eurokrise insbesondere in den südlichen Ländern für die dort handelnden Unternehmen die Aufnahme weiterer Gelder. Dies führt dazu, dass mittelständische deutsche Unternehmen, die in südeuropäischen Ländern investieren oder dort Geschäftskontakte haben, durch die Probleme der dortigen Industrie ebenfalls mittelbar betroffen sind.

Kai Matthias Liebe, Geschäftsführender Gesellschafter, LSG & Kollegen GmbH
Deutschland ist Export-Weltmeister. Dies gilt insbesondere für den deutschen Mittelstand, da dieser deutlich über 90% der deutschen Wirtschaftsleistung
ausmacht. Die Eurokrise wird vor allem diejenigen Unternehmen noch stärker treffen, welche sehr stark vom Binnenmarkt leben. Aktuell verspüren wir insbesondere bei kleineren Mittelständlern einen starken Trend der immer intensiver voranschreitenden Internationalisierung und Globalisierung der
Absatzmärkte.