Das aktuelle Wirtschaftsjahr steht ganz im Zeichen der EU-Staatschuldenkrise und geht mit gemischten Gefühlen zu Ende. Während die meisten europäischen Länder 2012 als Krisenjahr verbuchen, sticht Deutschland äußerst positiv hervor. 

Der Süden des Kontinents, insbesondere Griechenland und Spanien, steckt tief in der Rezession. Deutschland dagegen trotzt dem Abschwung, Beschäftigung und Ausfuhren haben in manchen Branchen Rekordniveaus erreicht. Wachsende Exporte etwa in die USA und in ostasiatische Länder konnten Einbußen in den südeuropäischen Märkten mehr als wettmachen. Hier zahlt sich einmal mehr die Erfolgsstrategie des deutschen Mittelstandes aus, seine Internationalisierung permanent voranzutreiben.


Allerdings wachsen auch in Deutschland die Bäume nicht mehr in den Himmel: So sank der Ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober zum sechsten mal in Folge. Der BIP-Zuwachs ging von stolzen 3 % in 2011 auf erwartete 1 % in 2012 zurück. Zudem halbierten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute die Prognose für 2013 in ihrem Herbstgutachten auf ein Prozent. Zweifelsohne macht die ungelöste EU-Staatsschuldenkrise die Planung für Unternehmen nicht einfach. Doch trotz zunehmender Unsicherheit erwarten Experten keine Rezession, sondern lediglich eine Abschwächung der weltwirtschaftlichen Dynamik. In diesem Umfeld dürfte sich die deutsche Wirtschaft mit ihren zahlreichen Hidden Champions weiter behaupten, wenngleich mit gedrosseltem Tempo.

Dass sich der deutsche Mittelstand auch in Zukunft nicht von seinen Internationalisierungsplänen abbringen lässt, zeigt eine Studie von KfW und Creditreform. Demnach wollen bereits auslandserfahrene Unternehmen ihr globales Engagement künftig weiter ausweiten, zahlreiche weitere Firmen planen den ersten Schritt auf internationales Parkett. Besonders optimistisch sind die Exporteure: 64% wollen bis zum Jahr 2015 ihre Ausfuhren deutlich steigern. Auch die Direktinvestoren zeigen sich zuversichtlich. 46% planen, ihre Investitionen im Ausland zu verstärken.

Auch wenn die Internationalisierung mit teils großen Herausforderungen verbunden ist – die deutsche Wirtschaft hat längst erkannt, dass sie es sich nicht leisten kann, auf den weiteren Ausbau der Präsenz in weltweiten Absatz- und Beschaffungsmärkten zu verzichten.

Markus Hofelich war von 2006 bis 2013 Chefredakteur der Unternehmeredition.