Martin Zumtobel stammt aus dem österreichischen Familienunternehmen F.M. Zumtobel, das unter seiner Leitung im Einzel- und Großhandel expandierte. 1993 hat er die Marke „Familia“ mit mehr als 3.000 Mitarbeitern erfolgreich an die Schweizer Migros-Gruppe verkauft. Seitdem führt der erfahrene Manager sein eigenes internationales Investmentunternehmen, die F.M. Zumtobel-Gruppe, und hat bereits zahlreiche Firmen erfolgreich aufgebaut und veräußert. Seit der Gründung der Identec Group AG im Jahr 2000 verfolgt er das Ziel, ein weltweit führendes Unternehmen im Zukunftsbereich RFID aufzubauen. Im Interview spricht Martin Zumtobel über das Potenzial im RFID-Markt, die aktuelle Anleihenfinanzierung und die internationale Expansion. 

Unternehmeredition: Herr Zumtobel, was hat Sie im Jahr 2000 dazu bewogen, die damals noch unter dem Namen RFID Holding Establishment firmierende Identec GroupAG zu gründen? Wie kam es zum Branchenwechsel vom Handel hin zum Hightech-Segment RFID? 


Zumtobel:
Ich war viele Jahre im Einzel- und Großhandel aktiv. Mit dem Verkauf der Familia habe ich als Unternehmer die Gelegenheit genutzt und die Firma sehr erfolgreich an die Migros verkauft. Unternehmer bin ich aber bis heute geblieben. Ich investiere in Erfolg versprechende Branchen und Firmen. Das Thema Radio Frequency Identification (RFID) verfolge ich schon lange und sehe darin bis heute großes Potenzial. In Zeiten zunehmender Vernetzung spielt der Informationsaustausch über „Cloudsysteme“ eine immer wichtigere Rolle. RFID ist eine Funktechnologie, die flexible Lösungen für das kontaktlose Identifizieren und Lokalisieren von Objekten und Personen sowie das Messen und Auswerten von Daten ermöglicht. Die Technologie ist branchenübergreifend einsetzbar und funktioniert zudem in extremen Umgebungen, wo andere Systeme wie GPS oder WiFi versagen, etwa auf Ölplattformen oder in Minen.

Unternehmeredition: Welches Potenzial sehen Sie in der Zukunftstechnologie RFID und welche Position wollen Sie in diesem Bereich einnehmen?

Zumtobel: Das Potenzial ist enorm. Die Märkte wachsen unabhängig von Staat oder Kontinent. Studien prognostizieren für 2012 ein Volumen von 7,7 Mrd. USD, bis 2022 sollen es 26 Mrd. USD sein. Zudem geht auch im Bereich RFID der Trend klar zu ganzheitlichen integrierten Lösungen. Ob Hardware, Software oder nachgelagerte Datenverarbeitung – weltweit dürfte es neben der Identec Group derzeit kaum ein Unternehmen geben, das diese komplette Wertschöpfungskette abdeckt. Dies wollen wir nutzen und uns international als Technologie- und Marktführer von RFID-Komplettlösungen positionieren.

Unternehmeredition: 2011 haben Sie einen Strategiewechsel vollzogen und die Identec Group von einer Beteiligungsgesellschaft zu einer Industrieholding gewandelt. Was waren die Gründe dafür? Bitte beschreiben Sie auch kurz Ihr Portfolio.


Zumtobel:
Die Identec Group vereint weltweit neun spezialisierte Unternehmen aus verschiedenen RFID-Bereichen. In Fitnessclubs sorgen wir für mehr Komfort beim Eintritt, bei der Programmierung der Sportgeräte oder beim bargeldlosen Bezahlen. In der Industrie, etwa auf Ölplattformen oder im Bergbau, ermöglichen unsere Lösungen mehr Sicherheit, Effizienz und Produktivität. Einzelne Arbeits- und Prozessschritte werden optimiert, die örtlichen Bedingungen gemessen und das Personal kontinuierlich lokalisiert – was im Ernstfall Leben retten kann. Mit derselben Technik kann die Fracht an Flug- oder Seehäfen verfolgt oder die Temperatur von Kühlcontainern gesteuert werden. Mit unserer Getränkemanagement-Lösung lässt sich dagegen der Ausschank pro Flasche an der Bar nachvollziehen. Wir haben all unsere Unternehmen zusammengeführt, entwickelt und übernommen – heute besitzen wir überwiegend mindestens Mehrheitsbeteiligungen. Als Industrieholding wollen wir diesen Weg ganz bewusst fortsetzen, persönlich und operativ Einfluss nehmen. Ziel ist es, die Gruppe nicht weiter aufzuweichen. Die Synergiegewinnung in den Bereichen Technologie, Marketing, Operations und Finanzen steht für uns im Vordergrund.

Unternehmeredition: Im Oktober haben Sie eine Unternehmensanleihe in Höhe von bis zu 25 Mio. EUR begeben, mit einem Zinssatz von 7,5% p.a. und einem Bonus von bis zu 25% am Ende der Laufzeit von fünf Jahren. Was sprach für die Anleihe und wie werden die Mittel verwendet?


Zumtobel:
Wir verfügen über eine EK-Quote von mehr als 60 %. Neben Eigenkapital und klassischen Bankdarlehen ist die Anleihe ein komplementärer Finanzierungsbaustein. Sie ermöglicht mehr Flexibilität am Markt, mehr Unabhängigkeit und wirkt sich positiv auf die Passivseite der Bilanz aus. Wir sind an einem Wendepunkt, die Investitionen greifen. Wir rechnen alle zwei Jahre mit einer Umsatzverdopplung. Zum Jahresende erwarten wir für die Identec Group plangemäß den Break-even auf EBITDA-Basis, die Gruppenprofitabilität auf Basis des Jahresüberschusses streben wir für 2013 an. Dass das Chancen-Risiko-Profil für die Anleihe fair und stimmig ist, wird uns regelmäßig in Investorengesprächen bestätigt. Auch die Analyse der Dr. Kalliwoda Research GmbH hat die Anleihe mit der höchsten Bewertung als „Outperformer“ eingestuft. Das heißt, sie ist aus Sicht der Experten hinsichtlich der Bonität besser als vergleichende Anleihen.

Unternehmeredition: Welche Internationalisierungsstrategie verfolgen Sie?

Zumtobel:
Wir versorgen heute weltweit bereits mehr als 2.000 Kunden in 16 verschiedenen Branchen mit patentierten und preisgekrönten RFID-Lösungen. Dazu gehören Unternehmen und Großkonzerne wie Audi, Fitness First, Hilton, Dole, VW, Deutsche Post, Boeing, Bayer oder GDF Suez. Unsere Strategie ist es, die internationalen Märkte mit den bestehenden Lösungen vertikal zu erschließen. Zudem werden wir unsere Beteiligungen weiter aufstocken. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Wir haben Aufträge im Volumen von 15 Mio. EUR erhalten und werden permanent zur Abgabe von Angeboten aufgefordert – dies umfasst mittlerweile Projekte bis zu 200 Mio. EUR. Zentrale Wachstumschancen bestehen in den Emerging Markets in den Geschäftsfeldern „Ports & Terminals“ und „Oil, Gas & Mining“. Im Bergbau ermöglichen RFID-Lösungen etwa das schnelle Orten von abgebrochenen Baggerzähnen. Werden diese über die Förderung abtransportiert und landen in den Mahlwerken, werden diese durch die enorme Härte der Zähne zerstört, was extrem hohe Kosten verursacht. In diesem Bereich ist unser Unternehmen und Technologieträger, die Identec Solutions AG, zum Beispiel mit ihrer gerade erst zu 100% übernommenen norwegischen Tochter Identec Solutions Norway AS tätig.

Unternehmeredition: Herr Zumtobel, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de

Kurzprofil: Identec Group AG
Gründungsjahr: 2000 (unter dem Namen RFID Holding Establishment, seit 2011 Identec Group AG)
Branche: Industrieholding, RFID Technologie
Unternehmenssitz: Eschen, Fürstentum Liechtenstein
Mitarbeiterzahl: 275 Mitarbeiter
Umsatz (2011): 44 Mio. EUR
Internet: www.identecgroup.com