Private Equity oder Family Office (© fotolia/Marco2811)
Private Equity oder Family Office: Die Entscheidung ist richtungsweisend.

Noch nie war das Transaktionsvolumen so hoch wie zuletzt. Unternehmer haben beim Verkauf die Qual der Wahl. Doch welcher Investor ist der bessere? Ganz pauschal lässt sich das sicher nicht beantworten. 

Sind Family Offices bessere Investoren? Viele würden diese Frage wohl instinktiv mit ja beantworten. Finanzinvestoren hängt hingegen immer noch die im Jahr 2005 von Franz Müntefering initiierte „Heuschrecken“-Debatte nach. Zu Unrecht, wie die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt. So gilt das Unternehmen, um das es damals ging, der deutsche Badarmaturen-Hersteller Grohe AG, heute als Musterbeispiel einer erfolgreichen Unternehmensentwicklung mit Private Equity. Das ehemalige Familienunternehmen gehörte insgesamt 15 Jahre nacheinander zwei Private-Equity-Firmen, bevor es 2014 an einen japanischen Konzern verkauft wurde. In diesem Zusammenhang ist auch aufzuräumen mit der immer noch vertretenen Meinung, Verkäufe von einem Finanzinvestor zum nächsten, sogenannte Secondary  oder Tertiary Buy-outs, hätten einen Makel. Dabei wird verkannt, dass solche Transaktionen nur dann umgesetzt werden können, wenn sich zum einen ein weiterer Finanzinvestor findet, der in dem Unternehmen weiteres Potenzial sieht, und zum zweiten eine Bank den Erwerb mit einer Akquisitionsfinanzierung unterstützt. Es müssen also zwei Parteien überzeugt sein von dem Unternehmen und seinem Management.

Private Equity: Sparringspartner des Mittelstandes

Institutionelle Private-Equity-Investoren sind für den Mittelstand heute nicht nur Kapitalgeber, sondern Sparringspartner im besten Sinne. Die Renditeerzielung allein über die Hebelwirkung des eingesetzten Fremdkapitals, der sogenannte „Leverage-Effekt“, funktioniert heute nicht mehr. Mittelständische Unternehmer suchen echte Partner und prüfen Referenzen. Davon gibt es mehr, als viele gemeinhin denken. Die Entwicklung von Unternehmen in der Hand von Finanzinvestoren während der Haltedauer ist in der ganz überwiegenden Zahl der Fälle sehr positiv. Erfreulich ist deshalb, dass sich Erfolgsgeschichten mit Private-Equity-Investoren zunehmend im deutschen Mittelstand verbreiten. Die Zahlen spiegeln dies eindrucksvoll wider: Transaktionen von Private-Equity-Investoren machen damit inzwischen fast ein Viertel (23 Prozent) des gesamten Übernahmemarktes mit Beteiligung deutscher Unternehmen auf der Verkäufer- oder Käuferseite aus. 2009 war es nur gut ein Zehntel (11 Prozent). Es gibt sie also nicht nur vereinzelt, sondern in einer Vielzahl von Fällen: mittelständische Unternehmer, die Partnerschaften – auf Zeit – mit Finanzinvestoren eingehen.

Family Offices: Die neue Konkurrenz der Finanzinvestoren

Family Offices haben früher primär in institutionelle Private-Equity-Fonds investiert, waren also indirekt an Unternehmen beteiligt. Erst seit einigen Jahren treten sie mit direkten Investments in Unternehmen zunehmend in Konkurrenz zu den institutionellen Finanzinvestoren. Diese müssen sich somit nicht nur mit den strategischen Erwerbern messen. Das Tätigkeitsspektrum des neuen Wettbewerbers ist inzwischen ebenso breit wie bei den Finanzinvestoren. Es beinhaltet sowohl kleine bis große Transaktionen, Minderheits- und Mehrheitsbeteiligungen, Dauerbeteiligungen wie auch Verkäufe. Schnell haben die Verwalter des „besonders privaten Kapitals“ gelernt, dass für Investitionen in Unternehmen ein gutes Bauchgefühl nicht ausreicht, sondern es professioneller Strukturen bedarf. Entsprechend sind immer mehr ehemalige Private-Equity-Manager heute in leitender Funktion bei Family Offices tätig.