Stefan Heidbreder ist seit 2005 Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.
Stefan Heidbreder ist seit 2005 Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.

Deutschland trotzt dem Abschwung und ist nach wie vor im Vergleich zu anderen europäischen Staaten ein Bollwerk gegen die Rezession. Die Auftragsbücher der meisten Familienunternehmen sind noch voll, das gilt besonders für Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe. Trotzdem erwarten auch die deutschen Familienunternehmen eine Zuspitzung der Eurokrise und damit einhergehend eine konjunkturelle Wachstumsdelle. Was bedeutet diese Situation für das Finanzierungsverhalten der Familienunternehmen?

Kosten senken, Eigenkapital stärken

Neben Maßnahmen zur Kostensenkung setzen Familienunternehmen vorrangig darauf, ihre Eigenkapitalausstattung „krisensicher“ zu gestalten. Bis vor wenigen Jahren hatte eine dicke Eigenkapitalpolsterung noch für Hohn und Spott gesorgt, den Unternehmern wurde gar nachgesagt, sie hätten keine Wachstumsideen mehr, weil sie horten, statt das Geld zu investieren. In der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise zeigte sich jedoch, dass sich eine hohe Eigenkapitalquote in gewisser Weise als Airbag erwiesen hat, der größere Schäden vermeidet. Darüber hinaus ist eine gute Eigenkapitalausstattung auch ein Garant für Unabhängigkeit, ein Wert, den gerade Familienunternehmen besonders schätzen. Und zu guter Letzt ist die Eigenkapitalquote für Kreditinstitute ein Parameter für die Bonität des Unternehmens und beeinflusst somit die unmittelbare Kreditvergabe.


Gesetzliche Rahmenbedingungen verbessern

Umso wichtiger ist es daher, auch von gesetzgeberischer Seite Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine Stärkung des Eigenkapitals begünstigen. Hier zeigt eine Studie der Stiftung Familienunternehmen allerdings eine negative Tendenz: Im „Länderindex Familienunternehmen“, der die Rahmenbedingungen für Familienunternehmen in Deutschland mit denen von 18 OECD-Staaten vergleicht, werden fünf Sub-Indizes untersucht, darunter auch die Finanzierungsmöglichkeiten. So wird gemessen, wie gut die Unternehmen in den einzelnen Ländern mit Krediten versorgt werden. Des Weiteren fließen Indikatoren in die Berechnung des Index ein, welche die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Kreditvergabe näher beschreiben. Insgesamt schneidet Deutschland zwar im internationalen Vergleich relativ gut ab, mit Position 9 von 18. Berücksichtigt man jedoch die Ergebnisse der Vorerhebung im Jahr 2008, so ist Deutschland um vier Rangplätze abgerutscht, da sich die Kreditversorgung und Finanzierungsbedingungen infolge der Finanzkrise drastisch verschlechtert hatten. Es besteht die Gefahr, dass sich diese Situation angesichts der verschärften Eigenkapitalanforderungen an die Banken im Rahmen von Basel III wiederholt.

Keine Kreditklemme, aber härtere Konditionen

Die „externe“ Hauptsäule der Unternehmensfinanzierung liegt nach wie vor bei der Bank. Dabei muss es sich nicht nur um eine Hausbank handeln, da gerade größere Familienunternehmen die Zusammenarbeit mit mehreren Finanzinstituten pflegen. Gleichzeitig steht die traditionelle Finanzierung über Bankkredite aufgrund der höheren Risikoprämien, die seitens der Banken im Zuge von Basel III gefordert werden, in begrenzterem Umfang oder zu verteuerten Konditionen zur Verfügung. Von einer Kreditklemme zu sprechen, wäre jedoch übertrieben. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die ausländischen Banken seit der Lehman-Pleite weitgehend vom deutschen Kreditmarkt zurückgezogen haben. Außerdem ist die IKB als maßgeblicher Langfristfinanzierer de facto ausgefallen und die Landesbanken müssen sich vorrangig der Reparatur ihrer eigenen Geschäftsmodelle widmen. Andere Banken sind zudem zu weiteren Bilanzverkürzungen gezwungen.