„Die Bedingungen für Unternehmenskredite sind so gut wie lange nicht mehr“

Das Fördervolumen der KfW Mittelstandsbank ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Im Interview spricht KfW-Vorstand Dr. Nawrath über die Gründe für diese Entwicklung, Förderkredite für den Mittelstand sowie das neue KfW-Energieeffizienzprogramm.
Unternehmeredition: Herr Dr. Nawrath, das Fördervolumen des Geschäftsbereichs Mittelstandsbank ist im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Was war der Grund dafür und wie bewerten Sie das Ergebnis?
Nawrath: Hierfür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Der erst Grund ist das Auslaufen des KfW-Sonderprogramms zum Ende des Jahres 2010. Darin hatten wir in den Jahren 2009 und 2010 im Auftrag des Bundes den Unternehmen in Deutschland zusätzliche Kreditmittel zur Abfederung der Wirtschafts- und Finanzkrise zur Verfügung gestellt. Das hat sich in unserem Fördervolumen dieser beiden Jahre als Sondereffekt niedergeschlagen, allein im Jahr 2010 waren es 6,2 Mrd. EUR. Der zweite Grund ist, dass wir uns entschlossen haben, unser Fördervolumen nach dem Ende der Krisenhilfe stärker zu fokussieren und auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zu steuern. Das entscheidende Kriterium für uns als Förderbank sind die Qualität und die Wirksamkeit unserer Programme – und weniger das Zusagevolumen. Mit 22,4 Mrd. EUR im Jahr 2011 liegt das Fördervolumen unseres Geschäftsbereichs Mittelstandsbank noch deutlich über unserem ursprünglichen Plan. Zurückzuführen ist dies auf die starke Nachfrage nach unseren Förderangeboten im Bereich Klima- und Umweltschutz, zum Beispiel bei den erneuerbaren Energien, aber auch im Bereich Energieeffizienz.
Unternehmeredition: Wie beurteilen Sie die derzeitige Finanzierungssituation des Mittelstandes? Welche Konsequenzen für die Kreditvergabe der Banken erwarten Sie durch die verschärften Regularien von Basel III?
Nawrath: Unsere Analysen des Kreditmarktes in Deutschland zeigen, dass die Finanzierungsbedingungen am heimischen Markt für Unternehmenskredite derzeit so gut sind wie lange nicht mehr. Ein Grund dafür ist, dass die Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapitalausstattung kontinuierlich verbessert haben – und dies trotz der zurückliegenden Krise. Die Eigenkapitalbasis eines Unternehmens ist ein zunehmend wichtiges Kriterium bei der Kreditvergabe. Ein weiterer Grund ist, dass die Banken infolge der Eurokrise verstärkt ihre Kreditportfolios im Ausland abbauen und stattdessen ihr Neugeschäft in Deutschland verstärken. Dies intensiviert den Wettbewerb im Kreditgeschäft hierzulande. Mit einer Kreditklemme rechnen wir daher nicht, schon allein deswegen, weil im Zuge der nachlassenden konjunkturellen Dynamik auch die Kreditnachfrage zurückgehen wird. Wichtige Herausforderungen gilt es aber in einzelnen Segmenten der Investitionsfinanzierung zu meistern. So ist zum Beispiel der Markt bei langfristigen Finanzierungen für größere Investitionsvorhaben im Rahmen der Energiewende zögerlich. Die Pflicht der Banken zur höheren Eigenkapitalunterlegung und verschärfte Liquiditätsanforderungen im Zuge von Basel III werden die Banken vor große Herausforderungen stellen. Eine tief greifende und nachhaltige Verschlechterung der Finanzierungssituation für Unternehmen in Deutschland erwarten wir aber nicht.
Unternehmeredition: Wie wirkt sich dies auf die Förderpolitik der KfW aus?
Nawrath: Der Mittelstand ist und bleibt eine unserer wichtigsten Zielgruppen. Im Jahr 2011 entfiel jeder zweite zugesagte Euro unserer gesamten Inlandsförderung auf das Geschäftsfeld KfW Mittelstandsbank, und auch zukünftig werden wir unsere Förderpolitik an den Finanzierungsbedürfnissen mittelständischer Unternehmen ausrichten. Dabei konzentrieren wir uns verstärkt auf unsere subsidiäre Rolle hinter den Banken. Wir wollen grundsätzlich nur dort tätig werden, wo der Markt allein keine ausreichenden eigenen Kräfte entwickelt oder wo es gilt, spezifische Finanzierungsnachteile von kleinen und mittleren Unternehmen auszugleichen. Darüber hinaus fokussieren wir unsere Ressourcen auf strategische Zukunftsfelder: die Herausforderungen des Klimawandels und der Energiewende, den demografischen Wandel sowie die Begleitung der deutschen Wirtschaft in Strukturwandel und Globalisierung. Konsequenterweise haben wir zuletzt einige Aktivitäten mit geringerer Förderintensität wie die allgemeine Refinanzierung von Geschäftsbanken oder die Finanzierung von Wohnraummodernisierungen ohne spezifische energetische Anforderungen eingestellt. Gleichwohl werden wir die Unterstützung von Gründungen, Innovationen und kleinen und mittleren Unternehmen fortsetzen. Noch stärker fördern wir künftig Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz in Unternehmen, im privaten Wohnungsbau und im kommunalen Bereich sowie Ideen, die zur Lösung wichtiger gesellschaftlicher Probleme beitragen. Ein Beispiel hierfür ist unser zum Jahresbeginn gestartetes Finanzierungsangebot für Sozialunternehmen. Solche Unternehmen, die mit einem marktwirtschaftlichen Ansatz soziale und gesellschaftspolitische Aufgaben angehen, werden künftig eine zunehmende Bedeutung erlangen.
Unternehmeredition: Inwieweit ist der Mittelstand von Ihrer strategischen Fokussierung betroffen?
Nawrath: Der Mittelstand profitiert davon in mehrfacher Hinsicht: Beispielsweise haben wir bereits im April 2011 unser Finanzierungsangebot für Gründer und Unternehmer, darunter auch unser Flaggschiff-Programm KfW-Unternehmerkredit, klarer strukturiert und verbessert. Wer also investieren, erweitern, Innovationen entwickeln und auf den Markt bringen will, wird bei uns nun zielgenauer ein passendes Programm finden. Zusätzlich unterstützen wir den Mittelstand bei der Bewältigung zentraler Zukunftsaufgaben wie zum Beispiel der Verbesserung der Energieeffizienz in den Betrieben. Das neue KfW-Energieeffizienzprogramm, das wir zu Beginn des Jahres gestartet haben, bietet mittelständischen Unternehmen, die ihre Energiebilanz verbessern möchten, sehr attraktive Finanzierungsbedingungen.
Unternehmeredition: Wie wollen Sie die Unternehmen überzeugen, mehr in die Energieeffizienz zu investieren?
Nawrath: Die Verbesserung der Energieeffizienz in Unternehmen ist nicht nur für die Erreichung ambitionierter energie- und klimapolitischer Ziele wichtig, sondern wird auch als betriebswirtschaftlicher Erfolgsfaktor für das einzelne Unternehmen immer wichtiger. Diese Einsicht wird vor dem Hintergrund der steigenden Energiepreise und verschärften Umweltanforderungen weiter wachsen. Wir können diese Entwicklung unter anderem an der deutlich steigenden Nachfrage nach unseren Energieeffizienzprogrammen ablesen. Sehr hoch ist auch das Interesse der Unternehmen an Informationen dazu, wo sie am besten den Hebel ansetzen und wie sie vorgehen sollen. Deshalb unterstützen wir Unternehmen mit hohen Energiekosten, die eine professionelle Energieberatung in Anspruch nehmen möchten, im Rahmen des Programms „Energieberatung Mittelstand“ mit einem Zuschuss zu den Beratungskosten.
Unternehmeredition: Sind in diesem Jahr neue Förderprogramme zu erwarten?
Nawrath: Mit unseren mittelstandsorientierten Finanzierungsangeboten decken wir bereits die große Bandbreite unseres Förderauftrages ab: von der Finanzierung von Gründungen, Innovationen oder Investitionen über die Förderung erneuerbarer Energien bis zur Verbesserung der betrieblichen Umwelt- und Energiebilanz. Deshalb steht weniger die Einführung neuer Förderprogramme auf unserer Agenda als vielmehr die Verbesserung bestehender Programme. Ein Beispiel ist der „KfW-Aktionsplan Energiewende“, in dem wir zum Jahreswechsel in verschiedenen Programmen ein Bündel von Maßnahmen gestartet haben, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen. Hierzu zählen höhere Kredithöchstbeträge im KfW-Energieeffizienzprogramm und im KfW-Programm Erneuerbare Energien, die Möglichkeit, nun auch Materialeinsparung und Ressourceneffizienz im KfW-Umweltprogramm zu fördern, oder die Öffnung des ERP-Innovationsprogramms für größere Innovationsvorhaben zur Energieeinsparung, -speicherung oder -übertragung. Von diesen Maßnahmen wird der Mittelstand unmittelbar als Kreditnehmer oder mittelbar als Auftragnehmer bei Investitionsvorhaben profitieren.
Unternehmeredition: Herr Dr. Nawrath, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Markus Hofelich.
markus.hofelich@unternehmeredition.de


Zur Person: Dr. Axel Nawrath
Dr. Axel Nawrath ist Mitglied des Vorstands der KfW Bankengruppe. 2011 wies die KfW eine Bilanzsumme von 494,8 Mrd. EUR aus und beschäftigte rund 5.000 Mitarbeiter. www.kfw.de