Das Jahr der Restrukturierung

Das Jahr 2009 wird für die Private Equity-Branche ganz im Zeichen der Restrukturierung der Unternehmen in ihren Portfolios stehen. Das lässt der Private Equity Trend Report 2009 erkennen, für den PricewaterhouseCoopers die Einschätzungen von 184 Private Equity-Fonds eingeholt hat.

Von Prof. Dr. Norbert Winkeljohann und Richard Burton, PricewaterhouseCoopers AG

Das Jahr 2009 wird für die Private Equity-Branche ganz im Zeichen der Restrukturierung der Unternehmen in ihren Portfolios stehen. Das lässt der Private Equity Trend Report 2009 erkennen, für den PricewaterhouseCoopers die Einschätzungen von 184 Private Equity-Fonds eingeholt hat. Die Studienergebnisse bringen auch wenig Hoffnung auf neue Private Equity-Engagements im deutschen Mittelstand – eine Erholung des Beteiligungsmarkts ist in diesem Jahr nicht in Sicht und der Zugang zu Fremdfinanzierung bleibt weiterhin schwierig. Trotzdem gaben sich zwei Drittel der befragten Private Equity-Gesellschaften mit der Geschäftsentwicklung ihrer bestehenden Unternehmensbeteiligungen zufrieden. Nach einer Erholung der Finanzmärkte rechnet die Beteiligungsbranche damit, dass deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich weiterhin attraktiv sein werden.

Restrukturierung in den Portfoliogesellschaften

Mit Restrukturierungsmaßnahmen begonnen hatten im Jahr 2008 bereits 56% der deutschen und 71% der internationalen Private Equity-Fonds. Für das Jahr 2009 rechnen 62% der deutschen und sogar 79% der internationalen Fonds damit, in den Unternehmen in ihren Portfolios Restrukturierungsmaßnahmen einzuleiten. Überraschend ist hier allerdings, dass immerhin 32% der deutschen Fonds und 19% der internationalen Fonds davon ausgehen, keinerlei Restrukturierungsbedarf innerhalb ihrer Portfolios im Jahr 2009 zu haben. Bei den Restrukturierungsmaßnahmen setzen mehr als 90% der befragten Fonds auf Kostensenkung und über 80% auf eine Optimierung des Nettoumlaufvermögens („Working Capital“). 72% der internationalen Fonds und 61% der deutschen Fonds planen Entlassungen in ihren Portfoliogesellschaften, um die Krise zu meistern.

Düstere Aussichten für neue Beteiligungen

Für das Jahr 2009 ist die Mehrheit der befragten Private Equity-Unternehmen pessimistisch. 82% der deutschen und 70% der internationalen Fonds gehen nicht davon aus, dass es im Jahr 2009 eine Erholung des Marktes für Unternehmensübernahmen und -beteiligungen geben wird. Allerdings glaubt auch nur eine Minderheit, dass es länger als 24 Monate dauern wird, bis eine Erholung des Marktes eintreten wird. Die düsteren Aussichten für 2009 hängen insbesondere mit der weiterhin schwierigen Situation auf den Kreditmärkten zusammen. Die Mehrzahl der deutschen Fonds erwartet hier, dass sich die Situation in 2009 weiter verschlechtert und der Zugang zu Krediten bei gleichzeitig unattraktiveren Kreditkonditionen noch schwieriger wird. Keine gute Nachricht für den deutschen Mittelstand, der sich in den letzten Jahren immer stärker auf die Verfügbarkeit einer Private Equity-Finanzierung in Zusammenhang mit einer hohen Fremdkapitalquote verlassen hatte. Dabei stellt sich die Verfügbarkeit von Fremdkapital bei Unternehmensübernahmen durch Private Equity-Fonds je nach Branche des Zielunternehmens durchaus unterschiedlich dar. Während die Beschaffung von ausreichend Fremdmitteln bei Transaktionen im Bereich der Automobilzulieferindustrie oder im Einzelhandel derzeit kaum möglich ist, finden sich für Unternehmenskäufe in einzelnen Sektoren – wie z.B. im Gesundheitswesen – durchaus noch Banken, die Fremdkapital bereitstellen.

Private Equity-Geschäftsmodell im Wandel

Dabei muss aber durch die Private Equity-Fonds deutlich mehr Eigenkapital aufgebracht werden, als dies in den Boomzeiten 2005 bis 2007 der Fall war. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Studie wieder: 90% der befragten Private Equity-Häuser erwarten, dass der Eigenkapitalanteil bei Unternehmenskäufen ansteigen wird. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Kapitalgebern wird an Bedeutung gewinnen. Gemeinsame Gebote mit anderen Fonds halten 72% der ausländischen und 60% der deutschen Befragten für wahrscheinlich. 65% aller befragten Fonds planen in der Zukunft kleinere Transaktionen durchzuführen und bei der Fremdkapitalbeschaffung auf eine größere Zahl von Banken zurückzugreifen (66%), um das Risiko für einzelne Banken zu verringern. Für die Branche signalisieren diese Trends einen erheblichen Wandel – kein Wunder, dass das Geschäftsmodell mancher Fonds – insbesondere einige ganz große Namen der Szene – derzeit auf dem Prüfstand steht.

1
2
Vorheriger ArtikelBanken prüfen strenger
Nächster ArtikelMezzanine ist tot – was nun?