Rendite mit Karma

Team von Ananda: Mittlerweile hat es 44 Mio. Euro bei 35 Investoren eingesammelt.
Team von Ananda: Mittlerweile hat es 44 Mio. Euro bei 35 Investoren eingesammelt.

Geld verdienen und Gutes tun: Immer mehr Investoren zielen auf Nachhaltigkeit ab. Impact Investing verbindet Menschlichkeit mit Unternehmertum. Bildung, soziale Projekte oder Öko-Wirtschaften gewinnen an Bedeutung.

Pia kann mit ihren Fingern drei Ebenen tief ins Gewebe tasten. Die Berlinerin ist blind und arbeitet in einem Brustkrebszentrum. Dort untersucht sie Frauen ab 30 Jahren, indem sie ihre Brüste nach möglichen Gewebeknoten abtastet. Ausgebildet wurde die Sehbehinderte Frau bei Discovering Hands in Mülheim an der Ruhr. Sie ist eine von bundesweit 29 medizinischen Tastuntersucherinnen (MTUs), die in der Brustkrebsfrüherkennung arbeiten. Denn das Mammographie-Screening wird erst für Frauen ab 50 Jahren angeboten, obwohl ein Fünftel der Betroffenen jünger ist. Der Vorteil: MTUs tasten nachweislich besser als Ärzte. In Zukunft soll es flächendeckend Frauen wie Pia geben, die helfen, die aggressive Krebsart möglichst frühzeitig zu erkennen, um dadurch die Heilungschancen zu erhöhen.

Pia Hemmerling: Mit ihren Fingern tastet die sehbehinderte Frau Brüste nach Gewebeknoten ab. (© BonVenture Management GmbH)
Pia Hemmerling: Mit ihren Fingern tastet die sehbehinderte Frau Brüste nach Gewebeknoten ab. (© BonVenture Management GmbH)

Das Projekt Discovering Hands ist für Angela Lawaldt ein vorbildliches Sozialunternehmen. „Es ist faszinierend, was Menschen leisten können“, sagt die 42-Jährige. Die Psychologin arbeitet bei BonVenture, einem Social Venture-Fonds mit Sitz in München und betreut dort Gesundheits- und Bildungsprojekte. Soziale Wagnisfonds wie den von BonVenture bezeichnen Finanzexperten als „Impact Investing“, auf Deutsch: wirkungsorientiertes Investieren. Geldanlagen, die auf nachhaltige Projekte setzen. Bildung, Gesundheit oder Umwelt stehen im Fokus. Bezahlbare Wohnungen in europäischen Ballungszentren, Job-Initiativen in verlassenen Kohlestädten der USA gehören genauso dazu wie die neunmonatige Ausbildung der blinden Frauen.

In den USA boomt diese Investmentform bereits seit Jahren. Laut Global Impact Investing Network (GIIN), einem Netzwerk umwelt- und sozialbewegter Anleger, liegt die Summe des weltweit investierten Kapitals bei mehr als 144 Mrd. US-Dollar. Im Vergleich zu üblichen Finanzinvestitionen ist das zwar wenig – deren Gesamtbetrag ist nach Schätzungen 500 Mal so groß –, jedoch liegt die Steigerungsrate bei 47 Prozent per annum.. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung hat sich in Deutschland das investierbare Vermögen von 2012 bis Ende 2015 von 24 Mio. auf 70 Mio. Euro erhöht.

Familien gründen soziale Fonds

Wer investieren will, fragt zwar zuerst nach Risiko und Ertrag. „Dann wollen die Leute aber, dass ihr Geld in sozialen, umweltfreundlichen und nachhaltigen Projekten angelegt wird“, sagt Markus Sobau, Geschäftsführer von Confina, einem Finanzplaner, der seit 20 Jahren den Markt beobachtet. So gründeten bereits Anfang der 2000er-Jahre deutsche Unternehmer und deren Familien Social-Venture-Fonds. Darunter die beiden bekanntesten, BonVenture und Ananda, eine Alternative, die ebenfalls ihren Sitz in München hat.

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