„Wir helfen den Firmen, ihren ESG Footprint zu verbessern“

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Bei Avedon kennt man sich gut mit Internationalisierung aus – schließlich arbeiten die Portfoliounternehmen an über 450 Standorten weltweit. Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind ebenfalls wichtige Themen. 

Unternehmeredition: Was waren die Gründe, sich an FormMed HealthCare zu beteiligen?

Philip Fischer: FormMed bewegt sich im Markt der Mikronährstoffheilkunde und vertreibt ein Präparatekonzept nach einem modularen Baukastenprinzip. Ärzte empfehlen ihren Patienten diese Präparate für konkrete Indikationen wie Müdigkeit, Schwangerschaft oder zur Unterstützung des Immunsystems. Von Vorteil beim Baukastenprinzip ist, dass man ein solch in sich geschlossenes Konzept nicht leicht kopieren kann und es über mehrere Jahre im Zusammenspiel mit den empfehlenden Ärzten erfolgreich praktiziert wurde. FormMed baut mit dem Markt der Mikronährstoffmedizin in Deutschland und weiteren europäischen Märkten auf ­einen Wachstumsmarkt. Deshalb werden wir als Wachstumspartner die Organi­sa­tion erweitern und das Präparatekonzept im Ausland vertreiben. Hierbei setzen wir auf das erfolgreiche Vertriebsmodell von FormMed, welches nicht auf eine große Anzahl an Außendienstlern baut, sondern durch Ärzte und Heilpraktiker als Multiplikatoren eine große Anzahl an Patienten erreicht.

Wie genau unterstützen Sie einen Gründer und Unternehmer wie im Falle von FormMed HealthCare bei der Expansion?

Wir können pro Deal bis zu 120 Mio. EUR Eigenkapital investieren, wobei unser Sweet Spot zwischen 40 Mio. und 60 Mio. EUR liegt. Dieses Kapital kann sowohl den Eigentümern zufließen als auch in das Wachstum der Firma investiert wer­den. Wir helfen dann bei der Internatio­nalisierung. Hierfür können wir mit einem großen Netzwerk unterstützen; darunter sind zum Beispiel Experten, die bereits vergleichbare Situationen durchlaufen, also große Firmen aufgebaut und internationalisiert haben und sich durch Kontakte, Markt-, Management- und Organisationswissen einbrin­gen. Bei FormMed war das unter anderem einer unserer Operating Partner, der eine Firma mit einem Warzenmittel im OTC-Bereich gegründet und dann nach Europa und weltweit ausgerollt hat. Das Mittel finden Sie heute auch in Japan in der Apotheke. Zudem helfen wir bei den ganzen Wachstumsthemen, wir unterstützen bei Rekrutierung und Aufbau von Mitarbeitern sowie bei der Professionalisierung von Organisation und Prozessen. Darüber hinaus unterstützen wir mit unserem immer wieder angewandten Private-Equity-Baukasten.

Was sind die Chancen und Risiken des Nahrungsergänzungsmittelmarktes?

Vor vielen Jahren waren Nahrungsergänzungsmittel noch ein sehr nischiger Markt, v.a. das Feld der therapeutisch empfohlenen Mikronährstoffe. Mittlerweile widmet auch die Schulmedizin dem Thema viel Aufmerksamkeit und der Anteil von Ärzten, welche Mikronährstoffe einsetzen nimmt stetig zu. Auch der immer besser informierte Patient will mehr Alternativen zu klassischen verschreibungspflichtigen Pharmaprodukten und rein Marketing-getriebenen Vitaminpräparaten. Wissenschaftliche Studien beweisen, dass Mikronährstoffe – professionell eingesetzt – wirken und somit eine valide Behandlungsmethode darstellen. Die Anwendung von Mikronährstoffen bleibt jedoch sehr erklärungsbedürftig: Welche Nährstoffe soll man wann in welcher Kombination und Dosierung bei welchen Indikationen nehmen, fragt sich der Patient. Da wir uns regulatorisch dabei in der medical health claims regulation bewegen, müssen wir hierbei sehr sauber arbeiten. Der Vorteil ist aber, dass man nicht auf den alleinigen Vertrieb via Apotheken und Drogerien angewiesen ist.

Digitalisierung und ESG sind Schlüsselthemen für die Unternehmensentwicklung. Wie hilft Avedon dabei?

Bei Digitalisierung und ESG stellen sich für uns elementare Fragen. Ist die Firma gut für einen digitalen Wandel aufgestellt? Wie können wir ihn für sie vorantreiben? Beim Thema ESG führen wir immer eine ESG Due Diligence durch, verbunden mit der Frage, wie wir den ESG Footprint verbessern können. Bei Hauck haben wir beispielsweise beim Hochstuhl nachhaltigeres Holz eingesetzt oder überlegt, wie man Verpackungen besser recyclingfähig macht. Mit den resultierenden Maßnahmen kann man den ökologischen Footprint einer Firma verbessern.

Wie findet Avedon mögliche ­Beteiligungsunternehmen?

In der Regel kaufen wir die Firmen von Eigentümern, beteiligen uns aber nur in partnerschaftlicher Konstellation, das heißt, in irgendeiner Form bleibt der Unternehmer an Bord. Das ist für uns elementar. Wir investieren also in gesunde Firmen, die aber Bedarf an unserer Wachstumsexpertise haben. Natürlich finanzieren wir ­darüber hinaus Zukäufe, wenn Bedarf besteht. Wie finden wir die Firmen dafür? Wir erstel­len in unseren Zielsektoren Konsumgüter, Business Services Software & Technologies, Smart Industries und Healthcare sogenannte Industriestudien mit dem Ziel, interessante Segmente, relevante Trends und mögliche Zielfirmen zu identifizieren. Mit diesem Wissen entwickeln wir eine Strategie für den Markt. Dann erst sprechen wir mit den Firmen – so auch bei FormMed – und stellen unsere Ideen für die Entwicklung des Unternehmens vor. Ein Gespräch über die Firma und den Markt steht bei uns im Vordergrund. Eine mögliche Partnerschaft erfolgt dann meistens als logischer Schritt.


ZUR PERSON

Philip Fischer,

Investment Director,

Avedon Capital Partners

philip.fischer@avedoncapital.com

 



Dieser Beitrag ist im Spezial „Investoren im Mittelstand“ erschienen.

Autorenprofil

Georg von Stein ist Gastautor.

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