„Wer Volatilität aushält, schneidet besser ab“

Interview mit Felix Gode, Fonds-Advisor, Alpha Star Aktienfonds

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Zuletzt sprach die Unternehmeredition 2021 mit Fondsmanager Felix Gode – ein Krieg innerhalb Europas war seinerzeit nicht absehbar. Wir wollten nun wissen, wie deutsche Mittelständler die mannigfachen Krisen überstehen.

Unternehmeredition: Herr Gode, im Unternehmeredition Musterdepot wurde der Alpha Star Dividenden in neuester Bestandsaufnahme vom langmonatigen Platz eins in der Gesamtperformance verdrängt – vom Bantleon Select Infrastructure, etwas der Definition nach ziemlich Konservativem. Wie überrascht
sind Sie?

Felix Gode: Ich bin überhaupt nicht überrascht. Konservativ ausgerichtete Aktienfonds sollten in der aktuellen Abschwungphase an den Börsen besser abschneiden als offensiver ausgerichtete Produkte. Hingegen ist bei letzteren davon auszugehen, dass diese in aufwärtsgerichteten Börsenphasen deutlich höhere Renditen generieren. Angesichts der Tatsache, dass die Börsen langfristig noch immer gestiegen sind und dies aller Wahrscheinlichkeit nach auch über die kommenden Jahrhunderte tun werden, bin ich ein Anhänger von Strategien, die auf langfristige Renditemaximierung ausgerichtet sind. Der Preis, den man für langfristige Überrenditen bezahlen muss, ist aber Volatilität. Wer damit  leben kann, dürfte auf Sicht deutlich besser abschneiden.

Der Alpha Star Dividenden schüttet quartalsweise aus. Hat das einen ­besonderen Hintergrund? An wen richtet sich eine solche Ausschüttungsfrequenz?

Die quartalsweisen Ausschüttungen in Höhe von 1% sind für alle geeignet, die für sich ein passives Einkommen generieren möchten. Interessant ist das zum Beispiel für Unternehmer im Nachgang eines Exits oder einer Nachfolgeregelung, die mit den erzielten Erlösen ein ste­tiges Einkommen generieren wollen. Der in Deutschland übliche jährliche Ausschüttungsrhythmus ist dafür allerdings eher ungeeignet; daher schüttet der Alpha Star Dividenden quartalsweise aus. Das Interessante dabei: Im Vergleich zu anderen Anlagen, die auch passives Einkommen generieren können, ist bei Aktien zusätzlich die Chance auf Überrenditen vorhanden. Trotz der Ausschüttungen wächst der Kapitalstock also langfristig an.

Geben die Dividendenerträge diesen Cashflow denn her oder gehen Sie gege­benenfalls auch an die Substanz, um eine Ausschüttungskontinuität zu wahren?

Wichtig in diesem Zusammenhang ist, zu wissen, dass der Alpha Star Dividenden nicht auf die klassischen Dividendenaktien wie Telekomunternehmen oder Versorger setzt. Vielmehr steht der Aspekt des Dividendenwachstums im Vordergrund. Der Fonds investiert also in Unternehmen, die aufgrund ihrer Ertragskraft in neue Wachstumspotenziale investieren und gleichzeitig Teile der Gewinne als Dividenden ausschütten können – in steigendem Maße über den Zeitverlauf. Daher werden die Ausschüt­tungen des Fonds nicht immer vollständig durch Dividenden der Depotunternehmen gedeckt, sondern teilweise auch über Veräußerungsgewinne, also realisierte Kursgewinne. In der Summe decken die beiden Komponenten jedoch die Ausschüttungen zu 100% ab, sodass nicht aus der Substanz ausgeschüttet werden muss.

In unserem letzten Gespräch 2021 konnte von einem Krieg um die Ukraine – also innerhalb Europas! – noch keinerlei Rede sein, stattdessen zog sich noch Corona und seine Auswirkungen als Roter Faden durch unser Gespräch. Was hat sich im Fonds seit Februar verändert und warum?

An der grundsätzlichen Ausrichtung des Fonds hat sich seither nichts verändert. Das liegt zum einen daran, dass wir eine Strategie verfolgen, die auf langfristige Wertsteigerungen von Unternehmen setzt. Dabei fokussieren wir uns auf Unternehmen, die eine führende Rolle in ihrer Branche einnehmen und diese nachhaltig behaupten können. Auf der anderen Seite sind die qualitativ hochwertigen Unternehmen des Fonds auch überwiegend in progressiven Bereichen aktiv, die von den momentanen Verwerfungen weitgehend verschont geblieben sind. Es gibt keinen fundamentalen Grund, sich von Titeln zu verabschieden, wenn die operative Entwicklung weiter stimmt. Natürlich haben wir die gesunkenen Kursniveaus an der ein oder anderen Stelle genutzt, um neue Positionen aufzunehmen, die uns bis dahin zu teuer erschienen. Überwiegend haben wir aber in bestehende Titel reinvestiert.

Sowohl Corona als auch der Ukrainekonflikt scheinen bedauerlicherweise Themen zu sein, die uns kurzfristig nicht verloren gehen. In welchem Maße kann man als Fondsmanager mit einem definierten, begrenzten Anlageuniversum auf deutsche Small Caps überhaupt adäquat reagieren?

Wir können uns als Aktieninvestoren den Launen der Börsen nicht entziehen. Es gehört zur Natur der Märkte, dass diese nach Phasen steigender Kurse auch Korrekturen durchlaufen – zum Teil auch in deutlichem Ausmaß. Dies berücksichtigt, wird deutlich, dass Rea­gieren nicht der richtige Ansatz sein kann. Wollen wir langfristig mit Aktien erfolgreich sein, müssen wir proaktiv dafür sorgen, dass wir ein Portfolio aus Unternehmen aufstellen, die einerseits kurzfristigen Gegenwind aushalten; andererseits müssen diese Unternehmen hohe Renditen auf das Unternehmenskapital erzielen und über das Potenzial verfügen, diese Gewinne wieder sinnvoll zu reinvestieren, um neue Wachstumschancen zu eröffnen. Wenn das gegeben ist, werden diese Unternehmen die aktuellen und zukünftigen Schwierigkeiten in dieser Welt über­stehen, die es zweifelsohne immer gab und geben wird.

Sie arbeiten an einem europäischen Fonds gleicher Bauart – mit offenbar größerem Anlageuniversum …

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So ist es. Wir werden demnächst einen Aktienfonds starten, der in Unternehmen mit genau den gleichen Qualitätskriterien investiert, nur dass der neue Fonds auf europäische Titel setzt anstatt nur auf Titel der DACH-Region. Hier haben wir mit über 5.000 Unterneh­men eine fünfmal so große Grundgesamt­heit. Daher erwarten wir auch, eine nochmals höhere Qualitätsdichte im Depot vorzufinden. Verschiedene Regionen in Europa haben zudem unterschiedliche Stärken. In Skan­dinavien gibt es zum Beispiel viele erfolg­reiche internationale Medizintechnik­unter­neh­men, in Großbritannien zahlreiche spannende Service-Geschäftsmodelle und in Südeuropa weisen digitale Geschäftsmodelle aufgrund des Nachholpotenzials beträchtliche Chancen auf. So lässt sich ein dynamischer und hochspannender Mix in einem Portfolio zusammenstellen.

Welche Schwierigkeiten stellen sich dabei, mit einem Fonds neu durchzustarten?

Die größte Herausforderung ist es, die große Menge an Unternehmen zu durch­forsten. Unser Analystenteam für Europa durchkämmt seit nunmehr über einem Jahr Stück für Stück die europäische Aktienlandschaft und sucht die besten Geschäftsmodelle heraus. Dazu gehören auch Managementgespräche und Unter­nehmensbesuche vor Ort. Die sprachlichen und regionalen Barrieren sind natürlich andere als in Deutschland und bringen entsprechende Herausforderungen und Anstrengungen mit sich. Aber der Aufwand lohnt sich und sorgt vor allem für einen Informationsvorsprung, der sich auf Sicht auch in Mehrrenditen ummünzen lassen sollte.

Gibt es weitere Punkte, über die Interessierte im Bilde sein sollten?

Wichtig ist uns eine Gleichrichtung der Interessen zwischen den Anlegern der Fonds und uns. Daher sind wir zu wesent­lichen Teilen unserer privaten Anlagevermögen in den eigenen Fonds investiert. Auch in den neuen Europafonds werden wir signifikant selbst investieren. Für Anleger gibt es wahrscheinlich keine bessere Vergewisserung dafür, dass die Verantwortlichen für den Fonds ihr Bestes tun werden, die gesteckten Ziele zu erreichen, als wenn sie selbst im gleichen Produkt investiert sind.

Nun haben wir aktuell richtig handfeste Probleme: Eine Rezession hüben wie drüben scheint derzeit nicht mehr vermeidbar – es hängt lediglich noch von der Definition des Begriffs ab.

Tatsächlich haben die Unternehmen des Alpha Star Dividenden zumindest im ersten Halbjahr 2022 ihren Wachstumskurs fortgesetzt und die Umsätze im Durchschnitt um 20% steigern können. Die Gewinne sind parallel dazu gestiegen. Das heißt, dass die Unternehmen aufgrund ihrer starken Marktposition in der Lage waren, die steigenden Preise an Kunden weiterzureichen. Wenngleich sich die Situation bei den Preisen im dritten Quartal sicher nochmals etwas zugespitzt hat, gehe ich davon aus, dass unsere Unternehmen ihre Rentabilität auch für das gesamte Jahr 2022 auf einem hohen Niveau halten können. Das ist ein weiterer Grund dafür, warum ich davon ausgehe, dass die jüngsten Kursrückgänge der vergangenen Monate deutlich zu hoch ausgefallen sind.

Herr Gode, das Updategespräch hat sich vollauf gelohnt – ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit und die umfangreichen Einblicke!

redaktion@unternehmeredition.de


ZUR PERSON

Felix Gode ist Fonds-Advisor der Alpha Star Aktienfonds. Er ist außerdem Gründer und Geschäftsführer der Alpha Star Capital GmbH.
www.alpha-star-capital.de

Autorenprofil

Falko Bozicevic ist Chefredakteur des GoingPublic Magazins sowie des Anleihe-Portals BondGuide. Seine Schwerpunkte liegen vor allem auf makroökonomischen Themen sowie Investment-Fragen rund um IPOs, Anleihen und Fonds.

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