Der Wärme entgegen – dafür gehen die Daldrups immer tiefer. Dass aus dem 1946 gegründeten Brunnenbauer ein führender Spezialist für Geothermie wird, ahnte man damals noch nicht. Mit Spezialgeräten wird nach Wasser, Rohstoffen und natürlich Erdwärme gebohrt und dabei kann dem Familienunternehmen gar nicht tief genug gehen.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Karl Daldrup sen. im münsterländischen Ascheberg das Unternehmen und bohrte Trinkwasserbrunnen für Bauernhöfe. Dabei blieb es jedoch nicht. So kamen bald weitere Aufträge aus dem Bergbau und Mineralwasserbrunnenbau hinzu. Das mittelständische Unternehmen wuchs.1976 stieg sein Sohn Josef Daldrup, der heute als CEO des Unternehmens tätig ist, in das Geschäft ein. Ab 1982 konzentrierte sich das Unternehmen verstärkt auf die Tiefbohrtechnik.

Im Rausch der Tiefe
Durch die Bohrungen im Bergbau wurden bereits damals die Grundsteine für das heutige Geschäftsmodell gelegt, konnte man doch eine Expertise für tiefe Bohrungen aufbauen. Nach und nach wurde die Geothermie das wichtigste Geschäftsfeld. Nachdem das Familienunternehmen 1995 zum ersten Mal seine Tiefbohrtechnik einsetzte, um Heißwasser aus der Erde zu gewinnen, gelang 2005 der Durchbruch in Arnsberg. Und die Geschäfte laufen gut für die Daldrups: Die stetig steigenden Öl- und Gaspreise sowie die geplante Energiewende spielen den Münsterländern – damals wie heute – in die Hände. Schließlich scheint es lukrativer, einmal zu bohren und dafür eine sichere und kostengünstige Energiequelle zu haben. Die Aufträge sprudelten nur so herein, nicht nur aus Deutschland, sondern vor allem auch aus den Niederlanden, wo mit Hilfe der Erdwärme Gewächshäuser beheizt wurden und immer noch werden.

Der Börsengang
Um der Nachfrage gerecht zu werden, brauchte Daldrup neue geothermische Großanlagen. Doch dafür war frisches Kapital nötig. Über den Sprung aufs Parkett hatte Daldrup Medienberichten zufolge schon länger nachgedacht, 2007 war es dann so weit. Rund 30% des Bohrtechnikunternehmens sollten an Investoren gehen. Trotz des schwierigen Zeitpunkts konnte sich Daldrup über großes Interesse seitens der Investoren freuen: Zwar lag der Ausgabepreis mit 13,50 EUR eher am unteren Ende der Preisspanne, die Papiere starteten dennoch mit 13,80 EUR leicht darüber. Bis zum Handelsschluss kletterte die Aktie sogar noch auf 16 EUR hoch. Dieser Schritt spülte dem Unternehmen 18,4 Mio. EUR in die Kasse.

Als Familienunternehmen an die Börse gegangen zu sein, war Josef Daldrup zufolge ein logischer Schritt: „Unsere Investitionen und unser Wachstum wären ohne IPO in der kurzen Zeit nicht möglich gewesen. Auch die Chancen, die sichJosef Daldrup uns aktuell eröffnen, sind mit der Börsennotierung leichter umzusetzen.“ Und er findet, dass sein Unternehmen und der Kapitalmarkt gut zusammenpassen: „Das war sicher gewöhnungsbedürftig. Das Informationsbedürfnis der neuen Anteilseigner war groß. Das war ein Lernprozess. Vorher musste ich keinem erklären, womit wir als Unternehmen Geld verdienen, und wohin wir uns entwickeln wollen. Aber das haben wir heute vernünftig im Griff.“

Die Familie macht sich stark für das Unternehmen. Zum einen hält Familie Daldrup auch nach dem Börsengang noch rund 70% der Anteile. Zum anderen sind auch die Söhne vom jetzigen CEO im Unternehmen tätig. Die dritte Generation steht also schon bereit, in die Fußstapfen des Vaters zu treten.

Gewinnbringer Geothermie
Neben der Geothermie, die für das Unternehmen immer wichtiger wird, werden dort doch mittlerweile fast 90% des Umsatzes – zu Zeiten des Börsengangs waren es lediglich 25% – erwirtschaftet, gehören zum Geschäftsmodell der Münsterländer auch die Wassergewinnung, Rohstoffe & Exploration und Enviroment, Devolopment & Services. Darüber hinaus deckt der Daldrup-Konzern durch verschiedene Kooperationen und Beteiligungen alle Stufen der Wertschöpfungskette eines Tiefengeothermieprojekts ab. Und dass es sich bei Daldrup um ein Familienunternehmen handelt, scheint von Vorteil. Dies sieht auch Daldrup selbst so: „Wir gehen sehr überlegt mit Risiken um und lassen Entscheidungen reifen. Auch der unverändert persönliche Kontakt zu Kunden ist mir ein Anliegen. Das verleiht dem Unternehmen Stabilität und gibt unseren Kunden Sicherheit. Aus Unternehmerperspektive sehe ich keine Nachteile.“

Die Konzentration auf die Geothermie wird belohnt: 2012 konnte das EBITDA von 2,2 Mio. auf 6,1 Mio. EUR gesteigert werden. Zudem war 2012 auch wieder profitabel für die Daldrups: Nach einem Verlust von 1,7 Mio. EUR 2011 konnte 2012 ein Jahresüberschuss von 1,7 Mio. EUR erzielt werden. Auch künftig könnte diese Kernkompetenz dem Familienunternehmen in die Hände spielen. Eigenen Angaben zufolge verfügt Daldrup & Söhne über einen komfortablen Auftragsbestand, der eine Auslastung und Planungssicherheit bis 2014 sichert.

Und an weiteren Zielen mangelt es sicher auch nicht. Schließlich will man die Internationalisierung weiter vorantreiben. Neben den Märkten in den Niederlanden, Deutschland, Österreich und der Schweiz will man auch das weitere europäische Ausland erschließen. Auch in der Türkei sieht man starkes Potenzial.

Das nächste größere Projekt wird das Unternehmen, das aktuell rund 135 Mitarbeiter beschäftigt, aber in Bayern realisieren. Genauer gesagt in Taufkirchen. Dort nämlich soll eine Kraft-Wärme-Kopplungs-Geothermieanlage entstehen. „Das ist für die Daldrup & Söhne AG ein ganz wichtiger Durchbruch. Wir sind damit unserem – seit dem Börsengang verfolgten – Ziel, zu einem Energieversorger mit Bohrdienstleistungsgeschäft zu werden, ganz nah“, freut sich Daldrup. Der Beginn der Wärmelieferung soll bereits zur Heizperiode 2013/14 erfolgen.

Fazit
Josef Daldrup hatte vor ungefähr zwei Jahrzehnten auf das richtige Pferd gesetzt und transferierte das Know-how im in der Bohrtechnik auf die Geothermie – ein Standbein mit Zukunftspotenzial, besonders im Hinblick auf die Energiewende. Das Thema Erneuerbare Energien wird – auch global betrachtet – nicht an Brisanz verlieren. Daher wird die Familie – die dritte Generation steht bereit – auch weiterhin das Unternehmen prägen. Und wer weiß, wenn sie nur tief genug bohren, kommen sie vielleicht sogar von alleine in der Türkei an.

Maximiliane Worch

Diesen Artikel finden Sie auch in Ausgabe 8/2013 des GoingPublic Magazins, einer Schwesterpublikation der Unternehmeredition, oder auf www.goingpublic.de.